Hund + Katz

Wenn die Stunde schlägt

17.05.2020, Birgitt Eltzel

Fotos/Zeichnung: Birgitt Eltzel Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Kennen Sie das auch, dass sich der Magen ganz pünktlich zu einer bestimmten Zeit meldet? Selbst wenn man eigentlich keinen Hunger haben dürfte, weil die letzte Nahrungsaufnahme noch gar nicht lange zurückliegt? In unserer alten Redaktionskantine war es zur besten Mittagszeit immer proppenvoll. Mit der Zeit gingen wir immer früher dorthin, zuletzt regelmäßig schon um 11.30 Uhr. Denn da bekam man gut Platz und konnte noch die volle Auswahl genießen. Obwohl es eigentlich erst kurz nach der Morgensitzung war, bürgerte sich der frühe Kantinenbesuch ein. Bald traf sich fast die ganze Redaktion zu dieser Zeit dort. Die eigentlichen Mittagsstunden wurden den Technikern, den Sekretärinnen, den Verlagsmitarbeitern und den Auswärtigen überlassen. Obwohl mein letzter Besuch in dieser Kantine fast sieben Jahre zurückliegt, hat sich mein Magen gemerkt, wann dort die Stunde schlug. Noch heute knurrt er jeden Tag gegen 11.30 Uhr. Egal, wann ich aufgestanden bin. Nur, dass er nun um diese Zeit nichts bekommt.

Eingebaute Uhr

Kater Winnie hat auch so eine eingebaute Uhr. Pünktlich um 18 Uhr verlangt er die zweite Mahlzeit des Tages. Vergisst man die Zeit, weil man vielleicht gerade etwas am Computer tippt, wird das Tier mürrisch. Und versucht, alle Aufmerksamkeit auf sein Bedürfnis zu lenken. Da wird dann auf der Tastatur rumgesprungen, die Maus gejagt und der Bildschirm abgeschleckt. Hilft das nicht, wird man zärtlich in den Arm oder ins Bein gebissen: „He, Du vernachlässigst mich! Hast Du mich denn nicht mehr lieb?“ Um sich dann wieder hingebungsvoll Tastatur, Maus und Bildschirm zu widmen: „Ist doch sowieso blödes Zeug, was Du da schreibst! Kannst auch aufstehen. Heute wird das eh nicht besser.“ Kleine Stöße mit dem Katzenkopf untermauern sein Begehren. Länger als zehn Minuten verträgt man das nicht und widmet sich seufzend seinen Pflichten als Dosenöffner. Ist die Futterschale gefüllt, stürzt sich der Kater darauf, als ob er seit Tagen nichts mehr bekommen hat. Nicht ohne vorher noch mal schelmisch dem Menschen zuzublinzeln: „Siehste, Stören lohnt sich doch!“

So ein Hundeleben!

Terriermischling Rudi ist da anders. Was heißt: Wenn die Stunde schlägt? Er könnte eigentlich jede Minute fressen. Allerdings etwas ganz anderes als in seinen Napf kommt. Trockenfutter ist ja auch sooo langweilig. Rudi mag gedünstete Möhrchen, getrocknete Hühnerfüße und viele, viele Leckerli. Am allerliebsten hätte er jedoch das, was die Menschen essen. Einen schönen Braten, eine fette Gans und die ganz für ihn allein. Na ja, es dürfte auch mal eine Stulle sein, aber mit dick Belag auf Butter. Käse oder gekochten Schinken, vielleicht noch ein Wiener Würstchen dazu. In der Hoffnung, dass etwas für ihn abfällt, sitzt er immer einen halben Meter vor dem Tisch. Hin und wieder stöhnt er laut und vernehmlich. Was wahrscheinlich heißt: „Ist schon ein Hundeleben hier!“ Seufz.

Sein Futter steht währenddessen unbeachtet in der Küche. Rudi braucht keine Uhr, um zu wissen, wann er damit vorlieb nehmen wird. Nämlich erst dann, wenn er sich davon überzeugt hat, dass ihm nichts anderes übrig bleibt. Weil diesmal nichts vom Tisch hinuntergefallen ist. Menschen können so gemein sein!

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