Hund + Katz

Mein ist der Garten

14.06.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

In dem wunderbaren italienischen Film „Cinema Paradiso“ tritt hin und wieder eine Figur auf, die über den zentralen Platz eines kleinen sizilianischen Städtchens läuft und energisch ruft: „Mein ist die Piazza!“ Die anderen antworten immer mit den selben Worten: „Die Piazza ist für alle da!“ Mit unserem kleinen Garten ist es ähnlich. Nur dass dort der Besitzanspruch ohne Worte angemeldet wird.

Sein Terrain

Denn Hund Rudi scheint die knapp 200 Quadratmeter als sein ureigenes Terrain zu betrachten. Kaum ist es Frühling, strebt er nach draußen. Er liegt gern im Gras und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Das Leben kann so schön sein. Leider erscheinen manchmal Störenfriede. Die unbedingt Rasen mähen müssen oder Hecke schneiden, wenn Rudi gerade die unerträgliche Leichtigkeit des Seins genießt. Gemein! Die Rache folgt auf dem Fuß: Da ragt etwas aus dem Beet, frisch gesetzte Tomaten. Fort damit. Hier steht, was einmal Weißkohl werden soll. Ist das Kunst oder kann das weg? Blumen werden auch überschätzt. Was ist schließlich eine Pfingstrose gegen eine schöne, tiefgebuddelte Kuhle, in der man sich abkühlen kann, wenn einem die Sonne doch mal zu viel wird? 

Refugium unter Hortensien

Die Hortensien erfüllen auch nur einen Zweck: Man kann sich schön darunter verstecken und die Nachbarn belauern. Welchen Sinn hätte es sonst gehabt, die direkt an den Zaun zu pflanzen? Und wenn drüben nichts Interessantes passiert, kann man ja ruhig ein, zwei Zweige abreißen und sich beim Daraufherumkauen die Langeweile vertreiben. Bellen ohne dass man gleich entdeckt wird, kann man dort auch. Wenn Kater Winnie auf dem alten Stuhl unterm Apfelbaum sitzt und Vögel belauert, beispielsweise so ein wenig Verräter spielen. Wau, wauuu, wauuuwauuu: Aufpassen, ihr Federlinge! Aber wahrscheinlich ist die Warnung sowieso vergebliche Liebesmüh. Der Kater ist inzwischen eh zu fett, als dass er noch einmal einen Piepmatz fängt. Höchstens, wenn der ihm gleich ins Maul fliegt.

Schimpfwörter – peinlich, peinlich

Wem gehört der Garten? Manchmal scheinen das die Menschen nicht zu begreifen. Wie sonst ist es zu verstehen, dass ein Fass aufgemacht wird wegen ein paar lumpiger herausgeholter und fein säuberlich zerlegter Dahlienwurzeln. Bis zum nächsten Haus waren die Schimpfworte zu hören, sogar ziemlich unanständige darunter. Peinlich, peinlich. Und angedroht wurde, mit dem Stückchen Paradies das zu machen, was dem „Cinema Paradiso“ geschah: Auf dem Gelände gab‘s zu guter Letzt einen Parkplatz, schön asphaltiert. Wetten, dass sie sich das nicht trauen? Der Garten ist nämlich wie auch die Wohnung nur gemietet. Da haben auch Herrchen und Frauchen gar nichts zu bestimmen. Oder nur ein bisschen.

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