Hund + Katz

Kleine Arschlöcher

20.10.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Ein Freund hat mir kürzlich ein Buch geschenkt. Auf dem Cover prangt ein dicker gestreifter Kater. Er sieht aus wie ein Sträfling. Der Titel lautet: „Meine Katze ist ein Arschloch. Deine auch?“ Das Bändchen zeigt mittels mehr als 100 Fotos aus aller Welt, womit Katzen unseren Alltag durcheinander bringen können: Der umgestoßene und zerbrochene Blumentopf geht natürlich auf das Konto von Mister oder Missis Samtpfote. Die so guckt, als habe sie gar nichts damit zu tun. Er ist ihr nämlich einfach so in den Weg gesprungen. Es gibt Bilder von besetzten Kartons, Säcken, Waschmaschinen. Von Polstermöbeln, die fleißig zerkratzt werden, sowieso. Und von Weihnachtsbäumen, die nicht mehr lange ihren Schmuck tragen werden, nachdem es sich die Katze in den Zweigen so richtig gemütlich gemacht hat.

Schönes Plätzchen am Computer

In diesem Sinne: Ja, auch unser Kater Winnie ist ein A… Er liebt es besonders, einem um und in die Beine zu laufen, wenn man die Treppe hinuntergeht. Wer sich da nicht festhält, ist selber schuld, wenn er die Balance verliert. Ist ein Familienmitglied im Badezimmer, maunzt Winnie lauter als das Baby der Nachbarn schreien kann: Ich will auch reiiiiin! Öffnet man schließlich entnervt die Tür, springt Winnie auf den Badewannenrand und fleht mit schrillen Tönen: Waaasser! Waaaaasser, aber maaaarsch! Er zieht den Wasserhahn an der Badewanne (manchmal darf es auch der vom Waschbecken sein) seinem Napf vor. Ist doch viel, viel lustiger, wenn so ein Strahl fließt. Ganz besonders aber mag es der Kater, wenn Frauchen am Computer sitzt: Ah, da ist ja sogar eine Maus. Schafft er es nicht, sich diese zu angeln, springt er halt mit kühnem Satz auf die Tastatur: Sieh mal, ich kann sogar mit vier Pfoten schreiben. Dumm nur, wenn er einen gerade beim Online-Banking erwischt.

Fehlendes Bewusstsein für Sauberkeit

Die Marotten des Hundes erscheinen dagegen marginal. Rudi, der aus dem Tierheim zu uns kam, zerfetzt nur alle Plüschtiere, deren er habhaft werden kann. Weshalb es im Haushalt so gut wie keine mehr gibt. Bloß zwei Erinnerungsstücke aus der Kindheit, die hoch oben auf einem Regal thronen. Manchmal schaut der Hund verlangend zu dem Uralt-Berliner-Bären und dem Äffchen, das vor über 50 Jahren eine Schultüte schmückte: Ihr wisst schon, was ich mache, wenn ich Euch kriege?, scheint sein Blick zu bedeuten.

Mit einem nervt das Tier jedoch alle: Es fehlt ihm das Bewusstsein für Sauberkeit. Putzt sich der Kater stundenlang das Fell, würde Rudi ohne menschliche Hilfe wohl ein Fall für die Geruchspolizei werden. Denn der Hund wälzt sich zu gern in Sachen, wo Menschen „Iiiiih!“ schreien. Wie am vergangenen Sonntag nach dem Bad in einem Brandenburger See in einer Wildschweinkuhle im Wald. Danach sah er selbst einem Wildschwein ähnlich.

Wie gesagt, Katzen sind Arschlöcher. Hunde manchmal auch. Und dennoch mögen wir beide.

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