Howoge will wachsen – mit jährlich einer Viertelmilliarde Euro

16.000 neue Wohnungen in zehn Jahren

25.04.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-2); Entwürfe: Det. Klein (3-4); Winking Froh (5); Heide von Beckerath (6); ThomaArchitekten (7). Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Lichtenberg/Berlin. Mehr als 6.200 neue Wohnungen will die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge bis 2020 bauen. Bis 2026 sollen sogar noch einmal knapp 10.000 Wohnungen zu einem Gesamtbestand von dann 75.000 Wohneinheiten hinzukommen. Dabei beschränkt sich das in Hohenschönhausen ansässige Unternehmen schon lange nicht mehr nur auf den Heimatbezirk Lichtenberg. Auch, wenn hier mehr als 60 Prozent der Neubauten entstehen, so ist man u.a. auch in Marzahn, Berlin-Buch, Pankow und in Treptow-Köpenick aktiv. Allein in Adlershof sollen rund 1.500 neue Wohnungen entstehen. Bereits im Jahr 2013 startete das städtische Wohnungsunternehmen sein Neubauprogramm. Seitdem wurden rund 1.180 Wohnungen fertiggestellt.

Unter den „Top Ten“

2017 will die Howoge, nach eigenen Angaben, mit dem Bau von zehn Projekten für mehr als 1.400 Wohnungen beginnen. 2018 erfolge der Baustart von weiteren 1.780 Wohnungen in sieben Projekten. Schon heute gehört die Howoge mit einem Wohnungsbestand von 59.023 Wohnungen (Stand Ende Februar 2017) zu den zehn größten Vermietern in Deutschland. Der Anteil der 1- bis 2-Raum-Wohnungen beträgt bei den Neubauten 61 Prozent. Fast zwei Drittel des Neubauvolumens bis 2020 realisiert das Unternehmen in eigener Bauherrenschaft, rund 2.300 Wohnungen werden darüber hinaus von privaten Immobilienentwicklern angekauft.

Widerstände gegen Verdichtung

In einer soeben veröffentlichten Zwischenbilanz heißt es: „Die Howoge bestätigt damit ihre Kompetenz als Quartiersentwickler mit der Umsetzung großer und komplexer Bauvorhaben.“ Anders sehen das viele Bewohner bestehender Quartiere, in denen durch die Neubauten noch vorhandene Freiflächen verdichtet werden. Im Kiez Paul-Zobel-Straße, Ortsteil Fennpfuhl, beispielsweise, wo vom kommenden Mai bis Ende 2018 auf einem rund 4.000 Quadratmeter großen Grundstück der Bau von zwei achtgeschossigen Wohnhäusern mit insgesamt 69 Wohnungen erfolgen soll, gab es massiven Widerstand seitens der Anwohner. Sie organisierten sich in einer Initiative, sammelten Unterschriften gegen das Vorhaben und äußerten ihren Unmut u.a. vor dem Bezirksparlament. (LiMa+ berichtete). Vergeblich. Wie es scheint, ficht das die Howoge nicht an. Sie schafft Tatsachen. Ein Drittel der Wohnungen soll zu günstigen Einstiegsmieten als geförderter Wohnraum angeboten werden. In den Erdgeschossen sind eine Kita, Gemeinschaftsräume und Wohngemeinschaften in sozialer Trägerschaft geplant.

Schutz durch Bebauungsplanverfahren

In der Karlshorster Ilsestraße 18-78 wird ein Bauvorhaben der Howoge auf den Innenhöfen zunächst einer Prüfung mittels eines Bebauungsplanverfahrens unterzogen. Hier sollten 200 Wohnungen, verteilt auf 8 Stadtvillen und 4 Wohnzeilen mit einer integrierten Kita entstehen.

Zumindest Konfliktpotenzial hat ein ähnliches Vorhaben an der Marzahner Flämingstraße 70. Hier will die Howoge ab Mitte des Jahres 166 barrierefrei erschlossene Wohnungen mit Balkon oder Terrasse in einem dreiflügeligen Gebäude mit sieben Etagen plus Staffelgeschoss auf einem 5.140 Quadratmeter großen Areal bauen. Etwa 100 Wohnungen sollen als Ein- und Zweiraumquartiere entstehen. So schön es ist, dass der seit Jahren leerstehende Supermarkt dafür endlich abgerissen wird: „Der Neubau wird eine größere Grundfläche einnehmen als die des einstigen Marktes“, sagte die stellvertretende Howoge-Pressesprecherin, Annemarie Rosenfeld. Er orientiert sich in der Höhe an das Umfeld mit Sechs- und Elfgeschossern. Der vorhandene grüne Freiraum zwischen den jetzigen Häusern wird kleiner.

Weitere Bauvorhaben der Howoge

In der Dolgenseestraße in Friedrichsfelde: Hier sollen 117 Wohnungen in drei Stadthäusern mit acht Geschossen auf einem 7.400 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Die Fertigstellung ist für Oktober 2018 geplant.
An der Sewan-/Ecke Salzmannstraße, ebenfalls in Friedrichsfelde: Dort sind 96 Wohnungen auf einem 5.400 Quadratmeter großen Grundstück vorgesehen. Fertigstellung – Ende 2018.

Gewinne werden reinvestiert

Mit Bestandsmieten von durchschnittlich 5,83 Euro je Quadratmeter (Nettokaltmiete) liegt die Howoge noch unter dem aktuell geltenden Berliner Mietspiegel. Neuvermietungen erfolgen im Schnitt für 6,18 Euro je Quadratmeter. Auch bei den Betriebskosten liegt die Howoge mit 2,16 Euro je Quadratmeter 22 Prozent unter dem Berliner Durchschnitt. Wie es in der Zwischenbilanz heißt, erfolgten 2016 knapp 60 Prozent der Neuvermietungen an Bewohner mit Wohnberechtigungsschein (WBS). Mehr als eine Million Euro pumpte die Howoge 2016 zur Stärkung der Kieze in soziale Projekte und Kooperationen mit Kultur- und Bildungseinrichtungen. Das Konzept scheint insgesamt aufzugehen: Der Leerstand bei den Mietwohnungen liegt derzeit unter einem Prozent. Die Fluktuation der Mieter beträgt gerade mal sechseinhalb Prozent. Auch wenn die jährlich geplanten Investitionen von rund einer Viertelmilliarde Euro schwindelig machen: „Sämtliche Gewinne des Unternehmens werden reinvestiert…“, eine Ausschüttung an den Gesellschafter (das Land Berlin) erfolge nicht, heißt es in der Pressemitteilung.

 

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