Hochhäuser neben den Spree Center:

Ein Fall für die Justiz

20.06.2018, Sabine Flatau

Foto: Sabine Flatau

Hellersdorf. Die Pläne für die Hochhäuser neben dem Spree Center Hellersdorf werden derzeit überarbeitet. Das Verwaltungsgericht hat das Vorhaben zunächst gestoppt. Es fordert mehr Lärmschutzmaßnahmen an den Neubauten.

Das Spree Center Hellersdorf an der Hellersdorfer Straße ist ein belebter Ort. Seit 1993 ist es in Betrieb. Menschen kaufen ein, nutzen die Dienstleistungen im Hause, gehen ins Café oder ins Bistro. Anders sieht es auf dem Nachbargrundstück an der Ludwigsluster Straße 100 aus. Dort steht ein verlassener Flachbau. Die Türen sind verschlossen. Ausgezogen sind Teppich-Geschäft, Frisör, Fahrschule, Asia-Imbiss und Bekleidungsgeschäft. Längst sollte das Gebäude abgerissen sein und Platz für Wohnhochhäuser machen. Doch es gibt es einen Rechtstreit um die Baugenehmigung. Sie wurde im März 2017 erteilt. Geplant sind zwei freistehende Gebäude. Jedes besteht aus einem sieben- und einem elfgeschossigen Teil. Insgesamt 124 Wohnungen sollen entstehen, Tiefgarage inklusive.

Widerspruch vom Einkaufszentrum

Gegen diese Baugenehmigung erhoben die Eigentümer des benachbarten Spree Centers Widerspruch. Denn vom Einkaufszentrum geht Lärm aus, der durch Kälte- und Belüftungsanlagen sowie durch die nächtliche Waren-Anlieferung verursacht wird. Er ist für die Bewohner der geplanten Häuser nicht zumutbar. Wenn diese Bauten in der genehmigten Form errichtet werden, könnten dem Spree Center Lärmschutzauflagen drohen, die hohe Kosten verursachen.

Das Bezirksamt wies den Widerspruch im Juni 2017 zurück. Im Juli 2017 gingen die Eigentümer des Spree Centers vor das Verwaltungsgericht und beantragten vorläufigen Rechtsschutz. Im November 2017 entschied das Gericht, dass der Widerspruch gegen die Baugenehmigung aufschiebende Wirkung hat. Das Wohnungsbauvorhaben sei gegenüber dem Spree Center rücksichtslos, heißt es im Gerichtsbeschluss. Die Lösung eines Lärmschutzkonflikts obliege im Fall heranrückender Wohnbebauung grundsätzlich dem Bauherrn, der „heranrückt“. Zwar seien passive Lärmschutzmaßnahmen für die Neubauten vorgesehen, wie etwa besondere Rollläden im Erdgeschoss. Doch diese genügen aus Sicht des Gerichts nicht. Erforderlich seien Maßnahmen der „architektonischen Selbsthilfe“. Dazu zählen Veränderungen der Stellung der Häuser und ihres äußeren Zuschnitts oder auch eine geänderte Anordnung der Wohnräume und der Fenster. Zwar seien einige solcher Maßnahmen, wie etwa verglaste Balkone, veranlasst worden, so das Gericht. Doch dies sei nicht ausreichend.

Fast 30 Millionen Euro Investition

Noch vor dem Rechtstreit hatte es einen Eigentümerwechsel an der Ludwigsluster Straße 100 gegeben. Bauherr war zuerst die Fünfte Quattrohaus GmbH & Co.KG. Dann übernahm die Buwog Berlin Wohnen GmbH die Immobilie. Der Kaufvertrag wurde im Dezember 2016 abgeschlossen, der Nutzen-Lasten-Wechsel im März 2017 vollzogen. Das Investitionsvolumen für das Bauvorhaben liege bei insgesamt 29,7 Millionen Euro, heißt es im Jahresfinanzbericht 2016/17 der Buwog Group. Das Unternehmen will die Neubauten in seinem Bestand behalten.

Seit dem Gerichtsbeschluss vom November 2017 werden die Pläne für die Wohnhäuser überarbeitet. Es habe Beratungen mit den Vertretern der Bauherren und mehreren Fachbereichen des Stadtentwicklungsamtes gegeben, sagte Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) in ihrer Antwort auf Fragen des CDU-Bezirksverordneten Alexander Herrmann. „Aus immissionsschutzrechtlichen und städtebaulichen Gründen konnte bisher keiner der neu vorgelegten Planungen zugestimmt werden.“ Nun soll ein Gutachten feststellen, welche Lärmbelastung aktuell am Standort Ludwigsluster Straße 100 existiert. Das Bezirksamt stellt die Mittel für dieses Gutachten zur Verfügung.

„Von den technischen Aggregaten des Centers geht kein unzulässiger Lärm aus, und ihre Umrüstung wäre auch wahrscheinlich viel aufwendiger als eine Umplanung des Wohnungsbauvorhabens“, sagte Rechtsanwalt Klaus-Martin Groth, der das Spree Center vertritt, auf Anfrage. Auf die nächtlichen Anlieferungen sei ein Einkauf-Center angewiesen. „Das Spree Center war immer gesprächsbereit.“ Er selbst habe Vorschläge für eine sachgerechte Lösung des Lärmkonflikts gemacht, so der Jurist.

Abgeordneter hofft auf baldige Einigung

Die Neubauten an der Ludwigsluster Straße sind seit Monaten auch Thema für den Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg. Er hofft, dass es bald zu einer Einigung zwischen Buwog und Spree Center kommt. „Damit es eine Zukunft für den Standort gibt.“ Der jetzige Zustand sei keine Option. „Wenn er sich verfestigt und über Jahre nichts passiert, dann kann es zu Vandalismus kommen. Das ist frustrierend für die Anwohner.“ Neue Wohnungen seien wichtig, auch wenn es dadurch eine Verdichtung gebe, so der Abgeordnete. Er begrüßt, dass eine Tiefgarage vorgesehen ist. So könnten zusätzliche Probleme wegen der ohnehin knappen Parkplätze im Wohngebiet vermieden werden.

 

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