Tagestreff für Wohnungslose und Bedürftige bittet noch um Spenden

Hilfe für obdachlose Menschen

18.12.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Über einen symbolischen Scheck von 500 Euro freute sich am Montag, 17. Dezember, Maria Richter, die Leiterin des Tagestreffs für Wohnungslose und Bedürftige in der Weitlingstraße 11. Betrieben wird das Haus vom Humanistischen Verband Deutschlands, Berlin Brandenburg. Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und Katrin Framke (parteilos für Die Linke), Stadträtin für Familie, Jugend, Gesundheit und Bürgerdienste, übergaben den Scheck zusammen mit einer Tüte voller wärmender Socken sowie einem Schreiben des Bezirksamtes. Darin die Zusicherung, dass das Lichtenberger Bezirksamt die Mittel für das Jahr 2019 um 45.000 Euro erhöht. So soll es der Einrichtung ab 1. Januar ermöglicht werden, auch an Wochenenden das Haus für Obdachlose und Bedürftige zu öffnen.

Schlafen auf eiskaltem Boden

Es ist 8 Uhr am Bahnhof Lichtenberg: Die Temperatur im Freien ist unter den Gefrierpunkt gesunken. In der U-Bahn-Unterführung zwischen der Weitlingstraße und der alten Frankfurter Allee Richtung Nibelungenviertel ist es etwas geschützt. Dort liegen um die 20 obdachlose Menschen (in „Spitzenzeiten“ sollen es 80 bis 100 sein), notdürftig in Decken und Planen gehüllt auf dem eiskalten Boden. Einige haben bezogene Federbetten und dünne Isomatten als Unterlage. Sie haben die Köpfe unter den Zudecken vor dem kalten Luftzug und vor Blicken Fremder verborgen. Die Fahrgäste eilen hektisch vorbei. Es ist die Woche vor Weihnachten.

Die BVG zeigt Herz

Seit dem 21. November hat die BVG die Zwischenebenen zu den U-Bahnhöfen Lichtenberg und Moritzplatz als Notquartiere für Wohnungslose geöffnet – so wie bereits im vergangenen Winter. „Ursprünglich war früh um vier Uhr Wecken angesagt, um fünf Uhr mussten die obdachlosen Menschen raus“, sagt Jörg Richert vom „Karuna Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not e.V.“ in der Pfarrstraße. „Jetzt haben wir mit der BVG ausgehandelt, dass sie länger schlafen dürfen.“ Nachts sei das nicht nur wegen der Kälte riskant. Es gibt des Öfteren Übergriffe. Erst vor Kurzem wurde eine Dixi-Toilette auf dem Bahnhofsvorplatz von feigen Tätern in Brand gesteckt. „Einige Bürger aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft beschweren sich über die Menschen ohne Wohnung“, so Richert.

Der Bus zu den Hilfestationen

Lutz Müller-Bohlen, ebenfalls von Karuna, schaut von Zeit zu Zeit vorsichtig bei dem Ein- oder Anderen nach dem Rechten. Er hat seit April eine Kleinbus-Linie für Obdachlose auf die Beine gestellt. Noch ist die Idee in der Entwicklung, bald will Müller-Bohlen einen größeren Bus organisieren. Doch der Minibus fährt jetzt schon auf einer festen Route 70 Stationen in der Stadt an, um obdachlose Menschen dorthin zu bringen, wo sie Hilfe bekommen. „Im Bus gibt es Kaffee und viel Empathie“, sagt der Ehrenamtliche. Aus der großen Bahnhofshalle Lichtenberg der Deutschen Bahn hingegen, werden die Wohnungslosen von der Bahnpolizei in die Kälte „gebeten“, sobald es Nacht wird.

Der Tagestreff hilft. Bitte helfen Sie dem Tagestreff!

Im Tagestreff für Wohnungslose und Bedürftige erhalten obdachlose Menschen eine warme Mahlzeit. Sie können Duschen, es gibt eine Kleiderkammer, Sozialberatung sowie ärztliche Betreuung. „In der vergangenen Woche hat die neue Zahnärztin ihren Vertrag unterschrieben“, sagt die Leiterin des Tagestreffs Maria Richter. „Wir sind sehr froh, dass sie neben der allgemeinärztlichen Versorgung ab Januar 2019 hier praktiziert.“ Karin Backhaus, die bisherige Zahnärztin, geht mit 75 Jahren in den Ruhestand. Die Neue heiße wirklich Frau Zahn, informiert Maria Richter.

„Es gibt viele, die den Ärmsten der Armen helfen“, berichtet die Leiterin. Beispielsweise Vereine, die Kirchen Lichtenbergs, aber auch Schüler und Lehrer des Immanuel-Kant-Gymnasiums. Sie organisierten ein Benefiz-Konzert, spendeten Geld und Geschenke. Bundestagsabgeordnete Dr. Gesine Lötzsch (Linke) kündigte an, in Kürze gemeinsam mit Kerstin Zimmer und Norman Wolf, Fraktionsvorsitzende der Linken in der BVV, weitere Sachspenden zu übergeben.

„Ich bitte die Lichtenbergerinnen und Lichtenberger, aber auch die Bürger aus anderen Bezirken herzlich, uns noch mehr zu unterstützen“, sagt die Leiterin Maria Richter. „Wir brauchen noch ehrenamtliche Helfer. Aber auch Spenden: Lebensmittel, gerne auch in Konserven. Kosmetika, Papiertaschentücher und Bekleidung für Männer, wie zum Beispiel Mäntel, Hosen, Hemden, Schuhe, Socken, ungebrauchte Unterwäsche sowie Rucksäcke.“ Es fehle auch noch an abwaschbaren Tischen und Stühlen. Telefon: 030 – 52 69 56 38
E-Mail: info.tt@hvd-bb.de

Bitte spenden Sie auch gerne kleine Summen an Geld unter:
Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE48 1002 0500 0003 136467
Stichwort: Tagestreff

Mit mehreren Supermärkten und Bäckereien kooperiere man bereits. Es gebe einen festen Tourenplan und die Kollegen dort wüssten schon, wann die Leute vom Tagestreff kämen, um etwas überlagerte Nahrungsmittel abzuholen.

Vertrauen als Voraussetzung für Hilfe

Die obdachlosen Menschen passen zwar aufeinander auf. „Aber es spielten sich teilweise erschütternde, absurde Szenen ab“, berichtet Jörg Richert von Karuna e.V., der sich insbesondere um junge Menschen kümmert. „Ein Mädchen führte mitten in der Nacht ihre Katze an der Leine spazieren… Sie wusste nicht mehr, wohin sie sich noch wenden kann.“ Viel zu viele Mädchen und Jungen im Alter zwischen 14 bis 16 seien in Berlin von Obdachlosigkeit betroffen. Von Zuhause weggerannt, weil sie nicht gut behandelt wurden. „Es gibt einen erheblichen Nachholbedarf bei der Jugendhilfe in Berlin“, sagt der Sozialarbeiter.

Um überhaupt helfen zu können, müsse ein Vertrauensverhältnis zu den jungen Menschen aufgebaut werden. „Ja, viele trinken Alkohol. Ja, sie nehmen Drogen. Das müssen wir erst einmal so akzeptieren wie es ist“, sagt er. Nötig sei schnelle, unbürokratische Hilfe. „Es braucht mehr entsprechende Strukturen in der Nähe der Bahnhöfe, wo Obdachlose übernachten können“, so Jörg Richert. Vom Land Berlin höre er, es gebe keine Finanzen, um Obdachlosen mehr Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten. Und man wolle „Doppelfinanzierungen vermeiden“. Derweil wird die Notsituation für Obdachlose in Berlin schlechter. „Wir planen deshalb in Kürze ein Nachtcafé in der Irenenstraße einzurichten“, sagt Richert. Es soll von 22 bis 6 Uhr geöffnet sein. Das Jugendamt Lichtenberg hat Unterstützung signalisiert.

 

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