Weihnachtsfeier für Flüchtlinge

Heim wird ausgebaut

15.12.2013, Birgitt Eltzel

Foto: Frank Leiste

Hellersdorf. Die IG Blech aus Kreuzberg, eine buntgemixte Musikantentruppe in farbenfrohen Kostümen, spielte auf. Balkanpop, Polka, Klezmer – nicht nur die Kinder hatten Freude an den schnellen, manchmal auch etwas schrillen und immer fröhlich-lauten Rhythmen.

Am Freitagnachmittag fand im Flüchtlingsheim an der Carola-Neher-Straße der erste Weihnachtsmarkt statt, ausgerichtet von der Initiative “Hellersdorf hilft”. Andere Helfer waren ebenfalls gekommen – die Polizei, Nachbarn, Politiker aus Marzahn-Hellersdorf, Pfarrer Hartmut Wittig aus der nahegelegenen Evangelischen Kirchengemeinde, Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) und zahlreiche andere Hellersdorfer und Marzahner, die die Menschen in dem Wohnheim unterstützen. Auch Mitarbeiter des Berliner Verlags, darunter Maike Schultz, Online-Chefin der Berliner Zeitung, und Thorsten Knuf, Politikredakteur bei der Berliner, hatten von Vormittag an Stände mit aufgebaut und mitgeholfen, Gemeinschaftsräume und das Foyer  weihnachtlich herzurichten.

Dreikäsehochs als Polizisten
Besonders die Kinder hatten viel Spaß. Nicht nur am Clown mit roten Herzchen auf der Wange, der eigentlich eine Clownin war, und am aufgeblasenen Schneemann aus Plastik, den man so schön knuddeln konnte. Denn sie durften sich von Polizisten auch mal die Jacken und die Mützen leihen – es machte ihnen sichtlich Laune, sich als Autoritätspersonen zu verkleiden. Dass die Uniform bei einem Dreikäsehoch nicht ganz so exakt sitzt, macht das was? Die älteren Heimbewohner konnten sich derweil an zahlreichen Speisen stärken, die von Nachbarn zubereitet wurden, aber auch von den Heimbewohnern selbst. Und auf dem Hof gab’s Glühwein und gegrilltes Fleisch.

Bürgermeister ist zufrieden
“Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung hier”, sagt Bürgermeister Komoß. Denn noch im Sommer hatte es wegen der Einrichtung des Flüchtlingsheims im ehemaligen Max-Reinhardt-Gymnasium viel Ärger gegeben. Eine angebliche Bürgerinitiative hatte massiv im Internet gegen die Flüchtlinge gehetzt. Als im August die ersten Bewohner eintrafen, zeigte ein Mann den Hitlergruß vor laufender Fernsehkamera. Die NPD marschierte mehrfach in Hellersdorf mit “Nein zum Heim”- Sprüchen auf. Doch schnell organisierte sich eine Bewegung für die Flüchtlinge, Spenden wurden gesammelt. Es gibt inzwischen zahlreiche Hilfsangebote, auch aus der direkten Nachbarschaft. Die Volkshochschule bietet Deutschkurse an, die Alice-Salomon-Hochschule unterrichtet nicht nur ihre Studenten im Heim, sondern hat den Menschen dort auch ihre Bibliothek geöffnet inklusive Nutzung der Computer mit Internetzugang.

“Es ist gelungen, den Bewohnern des Viertels zu zeigen, dass sie keine Angst davor haben müssen, dass sich ihr Leben total ändert, wenn in die alte Schule Asylbewerber kommen”, sagt der Bürgermeister. Er habe vor kurzem erst mit der Polizei gesprochen, diese schätze die Lage inzwischen als ruhig ein, so Komoß. Allerdings gibt es noch immer einige Hetzer im Internet. Diesen gelingt es aber kaum noch, gegen das Heim zu mobilisieren.

Zweites Gebäude fast fertig
Rund 200 Menschen aus 17 Nationen leben derzeit dort, sagt Heimleiterin Martina Wohlrabe. Und weil das frühere Schulhaus nur eine Notunterkunft ist, die die Menschen, die vor Kriegen, Armut und Hoffnungslosigkeit aus ihren Heimatländern flüchteten, vor Obdachlosigkeit bewahren sollte, ist es ziemlich schlicht ausgestattet. Die Familien haben zwar ein eigenes Zimmer, müssen sich aber Küchen und Duschen mit anderen teilen. Das führt, wie auch anderswo, wo viele Menschen auf engstem Raum leben, hin und wieder zu Spannungen.

“Deshalb freuen wir uns, dass die Bauarbeiten im zweiten Schulgebäude gut vorangekommen sind”, sagt Helmuth Penz, Geschäftsführer des privaten Heimbetreibers Pewobe. Das Haus soll am 20. Dezember zu einer etwas komfortableren Dauerunterkunft hergerichtet sein – jede Familie bekommt dann ein eigenes Appartement mit eigenem Bad und kleiner Küche. Dort wohnen die Menschen dann bis über ihren Asylantrag entschieden ist.

Altes Haus bis zum Frühjahr umgebaut
“Anfang Januar ziehen die Familien aus der Notunterkunft ins neue Haus”, so Penz. Das alte wird dann ebenfalls zu einer Dauerunterkunft mit Appartements umgebaut, fertig soll es im Frühjahr sein. Künftig werden insgesamt 400 Asylbewerber im Heim an der Carola-Neher-Straße wohnen.

Heimleiterin Wohlrabe sagt, dass sehr viele Sachen für die Flüchtlinge gespendet wurden. “Das war überwältigend. Jetzt brauchen wir kaum noch etwas, außer vielleicht Kinderwagen und Babybettchen.”

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