Wie kann man Unternehmen im Kiez unterstützen?

Gutscheine, Essenbestellen, Spenden

03.04.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1-5), Birgitt Eltzel (6), Wellenwerk (7). Zum vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg/ Marzahn-Hellersdorf. Sie ist die älteste Kulturstätte in Hellersdorf – die „Kiste“ an der Heidenauer Straße 10. Eröffnet wurde sie im April 1989 als Jugend- und Filmclub. Inzwischen ist die kleine, aber feine Einrichtung, in der schon der singende Baggerfahrer Gerhard Gundermann und Regisseur Andreas Dresen auftraten, der den Film „Gundermann“ 2018 ins Kino brachte, über die Grenzen des Stadtteils hinaus bekannt, LiMa+ berichtete. Sowohl für ihr Kino, das zu den besten Independent Programmkinos der Stadt gehört und insbesondere für die Kinder- und Jugendarbeit mit zahlreichen Preisen geehrt wurde, als auch für ihre Konzerte. Im Sommer finden diese normalerweise auch auf der Biesdorfer Parkbühne statt.

Kiste-Konzerte bis Ende Mai gecancelt

Wie viele andere Einrichtungen in Berlin kämpft auch die „Kiste“ ums Überleben. Denn es fehlen Einnahmen, die Fixkosten aber laufen weiter. „Kisten“-Chef Fred Schöner freut sich deshalb, dass es bereits Hilfs- und Spendenangebote gibt. Für den Kinobereich sind erste Direkthilfen versprochen worden, schreibt er im monatlichen Newsletter, zudem gibt es die Unterstützungskampagne der Berliner Programmkinos auf Startnext. Wie es mit den Konzerten weitergeht, kann er noch nicht sagen, bis Ende Mai sind alle Termine gecancelt. Schöner hofft auf den Sommer – und die „Kisten“-Besucher.

„Falls du ebenfalls helfen willst und auch kannst, unterstütze den Bereich, welchen du am liebsten nutzt. Schreibe uns eine Mail info@kiste.net und bitte uns um die jeweiligen Bankdaten für eine Spende an den Konzertbereich (DerArt) oder Kinobereich (Steinstatt)“, schreibt er im Newsletter. Die gGmbH DerArt betreibt die Kiste und die Parkbühne, der Stammverein Steinstatt e.V. das Kino und das Kisten-Café. Etwa 300.000 Euro braucht die „Kiste“ jährlich, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. 110.000 Euro bekommt sie als Zuwendung vom Bezirk, der Rest muss selbst erwirtschaftet werden.

Mittag zum Abholen und Drinks to go

Viele Berliner wollen helfen, damit die Infrastruktur von Kultur, Gastronomie und Handel in den Kiezen erhalten bleibt. Inzwischen entwickelt sich in den einzelnen Stadtteilen eine Unterstützungskultur. So gibt es beispielsweise im Lichtenberger Kaskelkiez ein sogenanntes Crowd-Mittagessen – die Restaurants Dong Da, Jelänger Jelieber und J.A.S. kochen Mittagsgerichte, die nach Vorbestellung dort gekauft und abgeholt werden können. In der Bar „Zum Schwalbenschwanz“ in der Margaretenstraße 22 gibt es Drinks to go – oder die Möglichkeit zum Gutscheinkauf (Einlösung nach der Corona-Zeit).

Das Café “B’steck in der Karlshorster Dönhoffstraße hat aus der Not eine Tugend gemacht und bietet deutsche Hausmannskost zum Abholen an, gerne auch im selbst mitgebrachten Gefäß. Der Bürgerverein Karlshorst hat eine ständig aktualisierte Liste der Restaurants zusammengestellt, die auch außer Haus verkaufen, darunter beispielsweise das Al Dente in der Ehrlichstraße 30 oder das Restaurant Gundelfinger Gundelfinger Straße 52. Mehr über diese und andere Angebote ist auf der Internetseite des Bezirksamts Lichtenberg zu finden.

Lieferservice, Selbstabholer und Online-Kauf

Im benachbarten Marzahn-Hellersdorf sucht man solche Informationen auf der Online-Plattform des Bezirksamtes leider vergebens. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander j. Herrmann hat auf seiner Facebook-Seite deshalb einen Aufruf unter dem Motto „Jetzt unsere lokalen Geschäfte und Restaurants unterstützen“ gestartet. In den Kommentaren wurden bisher etliche Angebote und Informationen gepostet. So können Schreibwaren und Bastelmaterialien der “SchreibBar” (Facebookseite) im Spree-Center in Kaulsdorf-Nord auch per WhatsApp unter 0176 60 46 74 96 bestellt werden. Das Ristorante Marco Polo Tre in der Oberfeldstraße 26 in Biesdorf bietet einen Außerhaus-Lieferservice an, ebenso wie die ungarische Gaststätte „Zum Ziehbrunnen“ am Hultschiner Damm 236 in Mahlsdorf. Beim griechischen Restaurant “Akropolis” am Helene-Weigel-Platz kann man Essen bestellen und selbst abholen. Die “Ice Angels” am Blumberger Damm 90 in Marzahn können mit dem Kauf von Gutscheinen unterstützt werden. Ebenso wie übrigens das erst im vergangenen Jahr gegründete Surferparadies „Wellenwerk“ an der Landsberger Allee 270 in Lichtenberg.

Folgende weitere Tipps erhielten wir von einer Leserin

Selbst-Abholung:
Ristorante Pizzeria Marzano – Karte aktuell nur vor Ort
Herkules1 in der Oberfeldstraße
Herkules2 in der Hönower Straße
Syrtaki (Mehrower Allee)
Pane-e-vino
Olympia ab 7. April

Lieferservice:
Steakhaus Marzahn

Wirtschaftskreise tauchen in der Krise ab

Beim Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis (MHWK) wird man lediglich zur Hilfeseite der Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes weitergeleitet. Auf der Seite des Wirtschaftskreises Hohenschönhausen-Lichtenberg (WKHL) wird um Nachsicht gebeten, dass Inhalte fehlen könnten, weil die Seite noch ganz neu sei. Es gibt kaum aktuelle Informationen. Das ist beschämend. Denn beide Wirtschaftskreise stellen sich gern als bedeutende Akteure und Partner in der Region dar.

Viele Privatinitiativen

Private Initiativen, ob von Nachbarn, von Kneipenrettern, von Menschen, die ihre Kiezkultur mögen und nicht wollen, dass Geschäfte in den Quartieren für immer verlorengehen, zeigen sich demgegenüber in weitaus besserer Verfassung. Nur Eines ist schade: Es wird anhand der Vielzahl der hierbei angebotenen Internetplattformen ein wenig unübersichtlich, wo und wie man im eigenen Umfeld helfen kann. Deshalb haben wir im unten stehenden Kasten einige gesammelt. Schauen Sie mal rein!


Nützliche Online-Portale

Weitere Informationen, wo man helfen kann, gibt es auf verschiedenen, teilweise erst im Zuge der Coronakrise gestarteten Portalen wie:

helfen-shop.berlin
supportyourlocal.online.de
Nachbarschaftshilfswerk nebenan.de
kiez-retter.de und
startnext.com

Bei der IHK Berlin gibt es die Initiative „Unternehmer helfen Unternehmern“ zur gegenseitigen Unterstützung in der Krise.


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden