Im Zeichen von Toleranz, Verständigung und Dialog der Kulturen

Grundstein für Jüdischen Garten

25.10.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Der weltweit erste Jüdische Garten in einer Parkanlage entsteht in Marzahn: Am Donnerstag, 24. Oktober, wurde feierlich der Grundstein für die Anlage in den „Gärten der Welt“ gelegt. Zusammen mit dem 2005 eröffneten Orientalischen Garten und dem Christlichen Garten von 2011 werden damit in dem Park zwischen Blumberger Damm und Eisenacher Straße künftig alle drei großen monotheistischen Religionen präsentiert. Insgesamt gibt es in den „Gärten der Welt“ bisher elf Themengärten, darunter den größten Chinesischen Garten Europas, und neun Internationale Gartenkabinette. An der Veranstaltung nahmen Vertreter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und der Allgemeinen Rabbinerkonferenz teil.

2.000 Quadratmeter groß

Der Jüdische Garten entsteht nach Entwürfen des ateliers le balto mit den Künstlern Manfred Pernice und Wilfried Kühn, die 2018 einen künstlerisch-landschaftsplanerischen Wettbewerb gewonnen hatten. Er wird auf einer Fläche von 2.000 Quadratmetern angelegt – dort, wo bis vor kurzem noch die riesigen Schaukelbären Mascha und Mischa standen, wir berichteten. Diese stammen noch aus der Zeit der Berliner Gartenschau, als die der Marzahner Park 1987 angelegt worden war. Die überlebensgroßen Figuren werden jetzt generalüberholt und erhalten im Frühjahr einen neuen Standplatz am Karl-Foerster-Staudengarten.

Expertengremium beriet

Anders als beim Orientalischen Garten, der traditioneller islamischer Gartenbaukunst entspricht, gibt es keine Beispiele jüdischer Gartenkunst, die als Vorlage für den geplanten Jüdischen Garten hätten dienen können. Auf Empfehlung des Zentralrats der Juden in Deutschland war deshalb im Vorfeld ein Expertengremium aus Wissenschaftlern, Künstlern und Repräsentanten des jüdischen Kulturkreises eingerichtet worden, das den Wettbewerb und die Realisierung beratend begleitet. Dabei wurde auch eine grundlegende Studie zum Naturverständnis des Judentums erarbeitet.

Jetzt folgt die Recherche-Phase

Auf vordergründige Symbolik oder Glaubensinschriften wird in der Gestaltung des Jüdischen Gartens, der zwischen dem Orient- und dem Christlichen Garten liegen wird, verzichtet. Stattdessen ist ein Netz aus Wegen vorgesehen, in das Flächen und Felder unterschiedlicher Größe und Form eingebettet sind. Es soll die Diaspora der jüdischen Kultur mit all ihren Verflechtungen, internationalen Bezügen und Entwicklungen symbolisieren. Dort sollen Blumen und Pflanzen gedeihen, die zur jüdischen Geschichte gehören. Welche, das soll in einer Recherche-Phase nach der Grundsteinlegung erforscht werden. Zwei skulpturale Pavillons sollen als Treffpunkte und Aufenthaltsorte dienen.

Korrekter Name für Orient-Garten?

Die Initiative zur Errichtung des Jüdischen Gartens kam von der Allianz Umweltstiftung, die bereits auch den Bau des Orientalischen und des Christlichen Gartens gefördert hat. Sie finanziert gemeinsam mit der Axel Springer Stiftung und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt die Planung und Realisierung der neuen Anlage. Geschäftsführer Dr. Lutz Spandau: „Damit schließt sich für uns ein Kreis, in dem wir seit 2001 mit der Planung des Islamischen Gartens unterwegs sind.“ Er betonte absichtlich „Islamischer Garten“, denn so sollte die Anlage einst fachlich-korrekt heißen, wurde aber aufgrund von Einsprüchen unter der damals zuständigen Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) dann Orientalischer Garten benannt. Spandau sagte: „Wir würden uns freuen, wenn auch diese Namensfrage noch einmal auf die Tagesordnung gesetzt würde.“

“Jüdisches Leben gehört zu Deutschland”

„Der Jüdische Garten wird einen wichtigen Beitrag zum Dialog der Kulturen und Religionen leisten“, sagte Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne). Er werde Raum für Begegnungen und Austausch sein. Er sei gleichzeitig auch ein deutliches Bekenntnis: „Jüdisches Leben in allen seinen Facetten gehört zu Deutschland.“ Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) sagte, dass die Gärten der Welt als ein Ort der Kulturen und Religionen entwickelt worden seien: „Es ist deshalb ein besonderes Zeichen, wie dieser weiter vervollständigt wird.“ Ein Jüdischer Garten gehöre in die internationalen Gärten und nach Marzahn-Hellersdorf. Ilian Kiesling, Sprecher der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, drückte seine Hoffnung aus: Möge der Garten weit über Marzahn hinaus mehr als nur ein Symbol jüdischen Lebens werden, eine Stätte des Austauschs, der Toleranz und Verständigung. Prof. Dr. Andreas Nachama von der Allgemeinen Rabbinerkonferenz, einem Gremium des Zentralrats der Juden in Deutschland, hielt keine Rede – er sprach abschließend feierlich ein Gebet.

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