Ab und an mal über das große Ganze nachzudenken, das erdet

Grübelei in der Erdfinsternis

12.08.2018, Volkmar Eltzel

Foto: Fotalia/rolffimages. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Wenn Erde, Mond und Sonne sich auf einer Geraden befinden und zwar in dieser Reihenfolge, dann sieht man von der Erde aus eine Sonnenfinsternis. Vom Mond aus betrachtet findet zur selben Zeit eine Erdfinsternis statt. Nur viel kleiner. Es kommt also immer auf die Perspektive an, was man gerade sieht. Und es kann ganz hilfreich sein, diese öfter mal zu wechseln…

Materie, irgendwie der Singularität entsprungen, verändert sich. Sterne, Galaxien entstehen und vergehen in Raum und Zeit. Irgendwo setzt sich dabei aus einigen Elementen irgendwann ein besonderer Stoff zusammen. Moleküle bilden komplexe Ketten, Aminosäuren und organische Verbindungen tauchen auf. Einige Bausteine lösen sich und docken an andere an. Modifizierungen entstehen. Später grenzt sich etwas vom Rest ab. In seinem Innern, das durch eine hauchdünne Wand vor äußeren Einflüssen einen kleinen Schutzraum bietet, findet eine bahnbrechende Entwicklung statt: Ein Kern wächst, Chromosomen, DNS schließlich Gene. Die erste Zelle ist geboren. Sie kann Stoffe mit dem Umfeld austauschen und Energie absaugen. Die nutzt sie unter anderem, um aus eigener Kraft Bewegungen zu vollführen sowie Reize von außerhalb wahrzunehmen. Und: Sie kann sich teilen und dabei Informationen über ihren Aufbau duplizieren. Das Leben ist da und es pflanzt sich exponentiell fort. Bei den Duplizierungen kommt es zu Mutationen. Einige Zellen verändern sich, treten zueinander in Beziehung. Ob diese Prozesse ihren Ursprung auf der Erde selbst hatten oder an einem anderen Ort im Universum oder an vielen, ist noch ungewiss.

Fressen und gefressen werden

Fakt ist: Aus anorganischer Materie ist organische entstanden, aus lebloser lebende! Auf der Erde sind die Bedingungen gut. Komplexe Organismen sind das Ergebnis und ihre Verbreitung schreitet unaufhaltsam voran. Flora und Fauna erobern den Planeten. Das große Fressen und Gefressenwerden beginnt. Sinneszellen und –Organe bilden sich heraus. Instrumente, um Information über Freund und Feind zu sammeln. Veränderte Bedingungen in der Nachbarschaft können wahrgenommen, verarbeitet und erkannt werden. Gezielte Reaktionen werden möglich. So kann das eigene Überleben verlängert – und das der Art gesichert werden. Bessere Anpassung, Tarnung, Abwehr und Angriffstechniken entscheiden darüber, wer sich weiter reproduzieren kann und wer ein für allemal verschwindet. Evolution. Einfache Lebewesen bilden die Nahrungsgrundlage für höher entwickelte. Die Systeme werden vielfältiger. Kooperationen und Symbiosen bilden sich heraus. Das Ganze wabert in einem biologischen Gleichgewicht, welches sich selbst nach kosmischen- und Naturkatastrophen immer wieder einstellt. Alles hängt über die Nahrungsketten mit allem zusammen. Jedes Lebewesen hat seinen Sinn und Platz. Über Milliarden Jahre entwickeln sich Pflanzen und Tiere immer weiter.

Erst seit kurzem zu Gast

Dann trat vor rund zwei Millionen Jahren der Homo habilis auf den Plan. Den Homo sapiens gibt es erst seit 300.000 Jahren. Er wird sich seiner selbst bewusst, kommuniziert, perfektioniert alles für seine Zwecke und erhebt sich damit scheinbar über alle anderen Lebewesen. Seit wenigen Jahrhunderten bringt er das biologische Gleichgewicht massiv aus dem Lot. Und er will heute nicht wahrhaben, dass jedes Pendel um so mehr zurückschlägt, je weiter es zuvor aus seiner 0-Position verschoben wurde. Die Natur stellt das Gleichgewicht wieder her, mit oder ohne uns.

Der Mensch. Leblose, anorganische Materie gebar lebende, die sich selbst betrachtet und analysiert. Die Materie selbst erkennt die ihr innewohnenden Gesetzmäßigkeiten.
Da stellt sich die große Preisfrage:

WARUM?

Haben wir oder andere Wesen, die zur Vernunft begabt sind, in diesem Universum eine Aufgabe, eine Mission zu erfüllen? Können wir das oder versagen wir gerade? Stimmt etwas nicht mit dieser Materie, das wir in Ordnung bringen sollen? Und wo zum Teufel ist die dunkle? Alles, was wir kennen, hat doch irgendeinen Sinn. Es gibt ein noch viel größeres Gleichgewicht als das auf der Erde. Ein Blick ins Firmament reicht! Die Sterne in Spiralgalaxien und Galaxien-Systemen sind exakt nach der berühmten Fibonacci-Formel angeordnet. Genau wie die Samenkörner in einer Sonnenblume. Ok., anderes Thema.

Krone der Evolution oder katastrophales Intermezzo?

Existieren Menschen lediglich vorübergehend, in einem kleinen Zeitfenster auf der Erde? Sind wir nur die großen Zerstörer? Fast scheint es so. Wir vermehren uns wie kaum ein zweites Lebewesen. Wir beuten den Planeten gnadenlos aus. Bis an den Abgrund, der die Existenz unserer eigenen Spezies infrage stellt. Und die vieler anderer Arten gleich mit. Die Materie Mensch hat Waffen gebaut, mit der sie sich und andere völlig auslöschen und wieder in tote Materie verwandeln kann.

Trotz allen Wissens und der Möglichkeit, vorangegangenes Wissen zu speichern, trotz aller Technologie: Die Menschheit insgesamt handelt unvernünftig. Gerade einmal zwei Generationen vorausschauend. Wenn überhaupt. (Es gibt auch Exemplare, die nicht bis zur nächsten Straßenecke denken). Die Menschheit weiß das. Offenbar kann sie nicht anders. Sehenden Auges rennen wir immer schneller gleich in eine Vielzahl von Katastrophen. – In erster Linie für den Menschen. Die Erde erholt sich wieder. Wir bringen es nicht fertig zu stoppen oder die Richtung nachhaltig zum Positiven zu ändern.

Vielleicht ist das Lebewesen Mensch eben nicht die Krönung der irdischen Evolution, sondern nur ein Zwischenschritt. So, wie es zuvor schon viele gab, wenngleich nicht so einschneidende. Vielleicht schafft die Menschheit aufgrund ihrer beschränkten Kleinlichkeit und der endlichen Ressourcen ja nicht den Sprung zu einem interstellaren Wesen. Womöglich ist der Planet Erde zu klein, um diese neue Qualität der Materie hervorzubringen. Kann sein, wir kommen zu unserem Nachbarn, dem Mars, eventuell bis zum Jupiter-Mond Europa. Und dann? Ende Gelände. Ausgebrannt.

Die große Uhr tickt weiter

Vielleicht muss der “moderne” Homo sapiens sapiens auch verschwinden, um Platz zu machen für eine andere Richtung der Evolution, die es ohne ihn so nicht geben würde. Ist das der Sinn unseres Daseins? Wenn die 4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte in einem 12 Stunden-Modell betrachtet werden, dann taucht der Mensch erst in der letzten Minute, zwischen 11:59 und 12 Uhr auf. Die industrielle Revolution im 18./19. Jahrhundert mit all ihren Folgen ist nur ein Bruchteil der letzten Sekunde vor 12. Die Erden-Uhr tickt aber auf jeden Fall auch nach zwölf Uhr weiter, egal ob es dann noch humanoide Wesen gibt oder nicht. Das Ende der Menschen wäre nicht das Ende. Könnte spannend sein, ob sich danach ein vernunftbegabtes Wesen entwickelt, das es besser kann. Diese Erkenntnis bleibt uns jedoch verwehrt. Na ja: Falls nicht, gibt es ja noch die außerirdischen Lebensformen aLf. Ganz sicher.

 

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