Wenn das Herta Heuwers wüsste, sie würde sich imm Grabe umdrehen

Gönn Dir doch mal ne Currywurst!

06.10.2019, Pamela Schmuhl

Foto: Pamela Schmuhl. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken

Manchmal muss man sich einfach mal was gönnen. Gerade nach einem stressigen Arbeitstag möchte man sich mit etwas ganz Besonderem verwöhnen. Beim Nachdenken über meine heutige ganz persönliche Belohnung des Tages, flimmert plötzlich ein Medienbericht zum diesjährigen 70. Geburtstag von Herta Heuwers Berliner Currywurst auf meinem Smartphone auf. Au ja, Currywurst ist die Idee! Ach nein, der Wocheneinkauf muss ja auch noch erledigt werden! Zum Kuckuck, ob man vielleicht beides auf dem Weg verbinden kann? Und tatsächlich, im Supermarkt findet sich bereits ein Kompromiss: Eine Currywurst im Glas.

Klassiker mal aus dem Glas

Etwas skurril klingt das Ganze schon. Und das eher an eine Tomatensoße ähnelnde Glas macht den skeptischen Eindruck nicht besser. Für fast 5 Euro verspricht die Banderole 360g heimisches Imbissvergnügen von Schwein- und Kalbfleischwurststückchen, in einer bis zum Suppenglasdeckel gefüllten Curry-Ketchupsoße. Ein ganz schön stolzer Preis! Wenn man bedenkt, dass man in Berlin für eine Currywurst zusammen mit Pommes, mit Ketchup und Mayonnaise, durchschnittlich 4 Euro bezahlt. Doch das Biosiegel darauf schenkt einem dann doch Vertrauen. Eine Currywurst aus biologischem Fleisch? Diese Qualität kann doch nur schmecken! Auch trotz Glas, oder?

Suppenschüssel und Löffel gegen Imbissschälchen und Pommesgabel

Zu Hause endlich angekommen geht’s gleich direkt in die Küche. Statt einem imbissechten Grill braucht es hierfür nur einen funktionsfähigen Herd. „Den Inhalt in einen Topf geben, unter mehrmaligem Rühren erhitzen und ca. zwei Minuten leicht köcheln lassen“, heißt es im Zubereitungshinweis. Wahnsinn! So schnell ist schon eine Currywurst zubereitet! Doch recht unsicher stochere ich in dem mir noch etwas befremdlichen Produkt im Kochtopf herum. Statt dem typischen Currywurst-Geruch schwebt der Duft von einer bekannten Burger-Kette durch meine Wohnung. Meine Skepsis? Tendenz steigend.
Einen Serviervorschlag gibt es auf dem Produktglas leider nicht. Bei dem ganzen Überfluss an Soße kommen jedoch nur eine Suppenschüssel und ein Löffel in Frage.

Bio-Gut, alles gut?

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ sang bereits Stephan Remmler in den 80ern. Doch bei meiner Currywurstsuppe löffle ich vergebens nach einem Ende. Der Wurstgeschmack von Nichts löst in mir Irritation aus. Mein Magen knurrt und trotzdem ist mir mittlerweile meine Belohnung für diesen Arbeitstag egal. Und das vielversprechende Biosiegel von dem Suppenglas auch. Wenn Currywurst, dann bitte eine typisch berlinische, frisch zubereitet vom Imbissstand, wenn auch zwei S-Bahn-Stationen entfernt. Denn manchmal muss man sich eben einfach mal was gönnen. Und dabei sollte das Feilschen um die Zeit nicht immer der einzige Kompromiss sein.


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