Gesundheitspflege Helle Mitte seit mehr als 20 Jahren auf Tour

Schwerstkranke gut umsorgt

11.01.2020, Angelika Giorgis

Fotos: Christian Schlenker

Hellersdorf. Als die Kinderkrankenschwester Karin Graff mit acht Mitarbeitern im Jahr 1999 ihr Unternehmen gründete, steckte die Palliativmedizin in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Seit 2004 können sich Fachärzte darin spezialisieren. Aber erst seit 2010 gibt es in unserem Land eine Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen.

Karin Graff wusste von einer Freundin, die Onkologin ist, dass deren Patienten zu dieser Zeit noch recht schlecht versorgt wurden. Das erlebte sie auch in ihrer täglichen Pflegearbeit, wollte es ändern und schloss einen Zusatzvertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung ab. „Wir mussten uns erst darauf spezialisieren, brauchten ein Netzwerk, Palliativärzte und Krankenhäuser“, berichtet sie. „Wir besuchten Fachmessen und bildeten uns weiter.“

Enger Kontakt zu Angehörigen

Seitdem gehen die examinierten Fach- und Pflegekräfte auf Tourenpflege, wie sie es nennen. Sie betreuen Patienten onkologisch und palliativ zu Hause, also in Marzahn-Hellersdorf, in Lichtenberg und teilweise auch in Köpenick. Diese direkte Arbeit mit den Pflegebedürftigen ist befriedigend und herausfordernd zugleich, denn die Situation des Patienten ändert sich ständig. Zu einer guten Betreuung gehört auch der enge Kontakt zu Angehörigen, Behörden, Krankenhäusern, Sozialdiensten, Sanitätsgeschäften, Ärzten und Apotheken.

Je eine Pflegefachkraft kümmert sich um ein Kind

Im Laufe der Jahre hat sich das Angebot erweitert, beispielsweise um den Kinderintensivbereich. Dabei kümmert sich je eine Pflegfachkraft um ein Kind. Für mehrfach schwerstbehinderte Kinder, die nicht mehr zu Hause leben können, wurde 2011 die Wohngemeinschaft „Max und Moritz“ eingerichtet. Eine WG für körperlich behinderte junge Leute gibt es seit 2015. Die Jugendlichen haben größtenteils vorher zu Hause oder in Seniorenheimen gelebt und waren meistens auf ihre Eltern angewiesen. Aber auch sie wollen unter ihresgleichen sein, sich mit anderen Jugendlichen austauschen, Hobbys pflegen, auf Konzerte gehen… Ihren vielfältigen Interessen können sie in der Wohngemeinschaft „Junge Mitte“ gemeinsam nachgehen. Morgens sind zwei Pflegekräfte für sie da, abends sind es drei. Tagsüber unternehmen andere Mitarbeiter etwas mit ihnen und helfen ihnen, ihr privates und berufliches Leben selbst in die Hand zu nehmen. Seit diesem September gibt es eine neue Erwachsenen-Intensivbetreuung, auch mit einer 1:1-Versorgung zu Hause.

Betreuung Demenzkranker

Eine ambulant betreute Wohngemeinschaft für Demenzkranke wurde 2009 im Norden von Hellersdorf eingerichtet. Die „Service Wohnanlage Wuhletal“ mit 20 Wohnungen öffnete im Juni 2014 in Marzahn. Hier entscheiden die Senioren selbst, welche Leistungen – beispielsweise Hausmeisterdienste, Informations- und Beratungsangebote, kulturelle Veranstaltungen, Fahr- und Begleitdienste oder medizinische Betreuung – sie in Anspruch nehmen möchten.

Fachkräfte auch aus Ungarn

Dafür und auch für die anderen Bereiche im Unternehmen werden immer neue Kollegen gesucht. Weil diese in Berlin rar sind, kommen demnächst sechs examinierte Kräfte aus Ungarn. Sie müssen allerdings erst noch den Deutsch-Kurs B2 absolvieren, ehe ihnen ihr Abschluss anerkannt wird. Bis es so weit ist, arbeiten sie als Pflegehelfer.

Karin Graff hat ihren Mann André mit ins Unternehmen geholt. „Die Gründer waren tolle Fachleute. Aber irgendwann fehlte der Blick aufs Ökonomische“, sagt der studierte Betriebswirt. Er verkaufte seine Firma und steht seit 2004 seiner Frau zur Seite. „Diese Entscheidung hätte schon eher getroffen werden müssen“, weiß er heute. Mittlerweile sind knapp 300 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt.

Kaum Fluktuation

Es gibt kaum Fluktuation. „Wer uns verlässt, geht zum Studium oder zieht aus Liebe weg“, sagt der Geschäftsführer. „Wir punkten mit einem guten Umfeld. Die Dienstpläne können mitgestaltet werden und es gibt viele Fortbildungen.“ Beispielsweise zum Thema „Gesunde Ernährung“ in Zusammenarbeit mit der Hofküche Friedrichshagen. Da erweitert man nicht nur sein Wissen, sondern hat auch Zeit für Gespräche unter Kollegen. Das stärkt den Teamgeist und kommt auch den Pflegebedürftigen zugute, denn in den Wohngemeinschaften wird selbst gekocht.

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