Im „Interkulturellen Nähcafé“ entsteht ein 300 Meter langer Schal

Gestricktes Symbol der Vielfalt

07.02.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey (1-4), Regina Friedrich (5). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. Im „Interkulturellen Nähcafé“ an der Marzahner Promenade 38 entsteht der längste Schal Marzahn-Hellersdorfs. 20 Zentimeter breit und 300 Meter lang soll er nach seiner Fertigstellung sein. – Mitstreiter für das 300-Meter-Projekt sind willkommen.

Jeder aufgewickelte Knäuel ist anders: Mal überwiegen Blautöne, dann wieder grelle Streifen, beim nächsten stechen helle Farben hervor und ein anderer wirkt durch sein einfarbiges Muster. Aber etwas haben die 15 Meter langen Einzelstücke gemeinsam: Sie sind kunterbunt gestrickt oder gehäkelt und mit viel Liebe gefertigt.

In diesen Tagen liegen die dicken Knäuel auf dem Tisch des „Interkulturellen Nähcafés“ im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte. „Wir sind schon bei insgesamt über 200 Metern angelangt“, sagt Martina Polizzi, Projektleiterin der Volkssolidarität, die das Nähcafé vor zwei Jahren initiierte.

Riesiger Zuspruch und viele fleißige Hände

Und auch das aktuelle Vorhaben ist eine Idee der engagierten Mitarbeiterin. Unter dem Motto: „Wir schaffen Verbindungen“ entsteht der lange Schal von vielen fleißigen Händen. „Als ein Symbol für Vielfalt, Toleranz und Miteinander soll er zeigen, wie bunt und vielfältig der Bezirk ist“, erklärt Martina Polizzi. Jeder, der möchte, kann mitmachen – Wolle spenden, stricken oder häkeln.

Dass das Interesse daran so groß ist, hätte die Integrationslotsin der Volkssolidarität nicht erwartet: „Ich dachte anfangs, wenn wir vielleicht 100 Meter zusammenbekommen, sind wir gut.“ Umso mehr freut sie sich über den riesigen Zuspruch für das handwerkliche Projekt mit dem verbindenden Ziel. Rund 55 Freiwillige – vorwiegend Frauen – lassen seit Wochen die Nadeln tanzen. Viele treffen sich zur gemeinsamen Handarbeit im Nähcafé, andere bringen selbstgefertigte Wollteile oder Garn vorbei. Es sind Nachbarn, Frauen aus Flüchtlingsunterkünften, manchmal auch Interessierte aus anderen Bezirken.

Schal nähen und miteinander reden

Salma, die aus Syrien stammt, kommt fast täglich ins Nähcafé. Versiert fügt sie aus einzelnen Fäden immer neue Muster und Farbkombinationen zusammen. „Ich bin gerne hier und finde es gut, andere Menschen zu treffen“, sagt sie. Am Schal häkelt sie mit, weil sie Freude daran hat. „Außerdem reden wir dabei und ich kann mein Deutsch verbessern“, berichtet die junge Frau. Auch Ashwak aus dem Iran mag „das gemeinsame Arbeiten und die Gespräche dabei“. „Oft helfen wir uns gegenseitig bei den Deutsch-Hausaufgaben“, sagt sie. Saloua ist so etwas wie die „gute Seele“ im Nähcafé. Als eine von 17 Ehrenamtlichen fing sie einst im Stadtteilzentrum an. Die Syrerin hat nicht nur den Überblick über sämtliche Stoff-, Knopf- und Wollreserven, sondern steht auch Handarbeitsanfängern zur Seite. Genau wie die 80-jährige Uschi. Einigen Frauen brachte sie schon das Stricken bei. „Mir macht es Spaß mit den jungen Leuten zu arbeiten“, sagt die Marzahnerin.

Schal-Einsatz bei Veranstaltungen geplant

Aber was passiert mit dem Schal, wenn er fertig ist? „Er wird auf jeden Fall in diesem Jahr bei vielen Veranstaltungen in Marzahn-Hellersdorf zum Einsatz kommen“, kündigt Martina Polizzi an. Das Aktive Zentrum der Marzahner Promenade und die degewo meldeten bereits Interesse an. So soll es Mitte Mai ein Fest mit dem Titel: „Blütenpromenade – Hauptstadt von Balkonien“ geben. Angedacht ist, dafür 24 Säulen unterhalb der überdachten Einkaufspassage bis zu einer Höhe von zwei Metern zu umhüllen. „Insgesamt brauchen wir dafür 300 Meter Schal – jeweils zur Hälfte orangefarbig und kunterbunt. „Die degewo spendete 500 Euro zum Kauf orangefarbiger Wolle“, sagt die Projektleiterin.

Sie selbst strickt auch mit, greift in jeder freien Minute zu Nadel und Garn. Bekannt wurde die Aktion des „Interkulturellen Nähcafés“ zunächst durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Erst später legte Martina Polizzi kleine Info-Zettel im Stadtteilzentrum aus. „Inzwischen entwickelte sich das Projekt zu einem Selbstläufer“, freut sich die Mitarbeiterin der Volkssolidarität.

Wer lieber Zuhause stricken oder häkeln möchte, kann seine selbstgefertigten, 20 Zentimeter breiten Schalteile, gerne zur Marzahner Promenade 38 vorbeibringen. Dort werden die Einzelteile dann zunächst zu 15 Meter langen Knäuel zusammengenäht.

Das Nähcafé im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte wurde im August 2016 eröffnet, LiMa+ berichtete. Seither hat es sich zu einem beliebten sozialen Treffpunkt von Alt- und Neu-Marzahnern entwickelt. Die Öffnungszeiten sind: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 bis 16 Uhr. Weitere Infos bei Martina Polizzi unter Telefon: 32 51 92 18.

.

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden