Hund+ Katz

Gentrifizierer raus!

24.06.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hoch oben in der Krone der mächtigen Kiefer, die in unserem Mietergarten schon länger steht als es diesen überhaupt gibt, haben seit vielen Jahren Ringeltauben ihr Nest. Es ist ein nettes Pärchen. Häufig sitzen sie nebeneinander auf einem Ast und schnäbeln. Manchmal krault er ihr das Köpfchen, manchmal sie ihm. Oft ertönt ein leises Gurren, es wirkt friedlich. Nicht mal Rudi, der Terriermischling, den sonst alles stört, was sich rings um Haus und Garten tut, hat etwas einzuwenden. Von den gurrenden Lauten eingelullt, liegt er auf der Wiese und fällt in den Schlaf. Auch Kater Winnie hat sich an die Täubchen gewöhnt, nachdem er einsehen musste, dass sie für eine Bereicherung seines Speiseplans doch etwas zu groß sind. Ein Leben in Harmonie.

Gestörte Harmonie

Das seit diesem Frühjahr empfindlich gestört ist. Denn wie so oft, wenn man sich in seinem Quartier so richtig gemütlich eingerichtet hat, gibt es Probleme. In unserem Fall war es ein Krähenpärchen. Das, angriffslustig und sehr potent, machte den langjährigen Nestbewohnern ihr Heim streitig. Immer wieder griff es an, bis die Altmieter die Sache leid waren und ein paar Bäume weiterzogen, sich dort neu einrichteten. Das schöne alte Nest wurde von den Krähen aufwändig umgestaltet und kurz darauf bezogen. Die Gentrifizierung macht scheinbar auch vor unserer großen Kiefer nicht halt.

Neu-Bewohner fallen auf

Die Neu-Bewohner fallen auf. Sie haben kein Benehmen, werfen alles aus dem Nest, lassen dicke Sch…-Häufchen fallen und müssen immer laut zanken. Ihre Jungen, die vor einiger Zeit aus den Eiern geschlüpft sind, sind auch nicht viel besser als die Alten. Ausdauernd kreischen sie andauern: „Wir haben Hunger, Hunger…“ Nicht nur wir fühlen uns genervt. Auch Rudi und Winnie reagieren etwas gestresst. „Keine Manieren, diese Neuen“, scheint dem Kater durch den Kopf zu gehen, wenn er mit tief in den Nacken gelegten Kopf in den Baumwipfel guckt. Vielleicht denkt er auch daran, ob Krähe entgegen ihres Rufes möglicherweise doch schmeckt. Sein Schwanz beginnt zu zittern und nervös auf den Boden zu klatschen. „Schmeißt mal eins von Euren Kleinen runter, ich spiel auch schön mit ihm“, mauzt er und kratzt provozierend an der Baumrinde. Einer der Vögel kommt mit drohenden Rufen im Sturzflug herabgeschossen. Was wiederum den Hund auf den Plan ruft: „Wau, wauu, Waauuu, wahuuuuuuuuwauhuuuuuuuu”, verbellt er die Krähe. Sehr zur Freude der Nachbarn, die gerade ein Nickerchen machen wollen. Man kennt es ja: Lautes Hundegebell kann nachbarschaftliche Beziehungen durchaus beeinflussen.

Mit allen zu Gebote stehenden Mitteln

Seit einigen Tagen ist Ruhe im Nest – und damit auch in unserem Garten. Die Rabenvögel scheinen samt Nachwuchs weitergezogen zu sein. Hin und wieder kommen jetzt die Täubchen. Sie scheinen zu schauen, ob die Luft wirklich rein ist. Vielleicht ziehen sie ja wieder ein. Wir jedenfalls haben uns vorgenommen, sie dabei tatkräftig zu unterstützen. Erscheinen Herr und Frau Krähe wieder, werden wir sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vertreiben. Gentrifizierer mag schließlich keiner!

 

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