Wildvogelstation versorgte 1.000 Tiere

Genesungskur im Wuhletal

03.01.2014, Birgitt Eltzel

Foto: André Hallau

Marzahn. Zwei Seeadler waren im vergangenen Jahr die prominentesten Pfleglinge in der Wildvogelstation im Wuhletal. Die majestätischen Vögel, die sich verletzt hatten, wurden von dem kleinen Team um den Ornithologen André Hallau gesund gepflegt und leben längst wieder in der freien Natur. Mehr als 1.000 Tiere, zu 80 Prozent Jungvögel, wurden im Jahr 2013 in der vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) betriebenen Station versorgt.

100.000 Euro pro Jahr
Nachdem es in der Vergangenheit immer Probleme mit der Finanzierung der Arbeit der Station gab, die im früheren Forsthaus Marzahn nahe dem Buckower Ring ihren Sitz hat, ist der Bestand der Einrichtung für die nächsten zwei Jahre gesichert. Denn das Abgeordnetenhaus hat im Haushalt 2014/2015 jährlich 100.000 Euro für den Betrieb der Wildvogelstation vorgesehen, weitere je 100.000 Euro für die Tierklinik Düppel zur Behandlung von verletzten Wildtieren. Alexander J. Herrmann, CDU-Abgeordneter aus Kaulsdorf-Nord freut sich: “Damit stehen insgesamt 400.000 Euro für den Naturschutz zur Verfügung”, sagt er. “Es steht uns als Stadtgesellschaft gut zu Gesicht, wenn wir Tiere entsprechend versorgen und Tierleid verhindern”, sagt der tierschutzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

2012 drohte das Aus
“Ohne den Zuschuss hätten wir 2014 und 2015 wieder vor massiven Problemen gestanden”, sagt Rainer Altenkamp, stellvertretender Vorsitzender des Nabu Berlin. Im Jahr 2012 stand die 1997 gegründete Station fast vor dem Aus, das in Berlin einzigartige Projekt hatte mit massiven finanziellen Problemen zu kämpfen, nachdem sich 2010 ein Geldgeber zurückgezogen hatte. 2012 rettete eine Spende von Möbel Höffner den Betrieb der Station, im selben Jahr begann auf Initiative von Herrmann die politische Diskussion über die Finanzierung. 2013 wurden erstmals Mittel zur Verfügung gestellt.

Telefonische Bürgerberatung
Mit dem Geld vom Senat soll besonders die Bürgerberatung am Wildtier-Telefon intensiviert werden. Bereits im Vorjahr fragten dort mehr als 2.000 Anrufer um Rat. “Insbesondere in der Brutsaison von Mai bis Juli rufen viele Leute an”, erzählt Hallau. Da gehe es dann oft um Jungvögel, die aufgefunden wurden. “Manchmal hilft schon der Tipp, diese am Fundort zu belassen, denn die Vogeleltern kümmern sich.” Anders sehe es beispielsweise aus, wenn sich Stockenten auf Balkonen zum Brüten niedergelassen haben. “Da helfen wir den tierischen Hausbesetzern in ein Gewässer”, sagt Hallau. Nicht nur in Marzahn, sondern ins ganz Berlin: “Oftmals fahren wir da 200 Kilometer am Tag.” Manchmal gibt es, aus Kapazitätsgründen, auch nur eine telefonische Beratung – und die menschlichen Gasteltern geleiten dann die Enten mit ihren Küken selbst fürsorglich in Seen und Teiche.
In die Volieren im Gelände am früheren Forsthaus kommen verletzte oder flugunfähige Vögel, rund 500 wurden 2013 dort versorgt. Es waren Spechte darunter, Mauersegler, Krähenvögel und Ringeltauben, aber auch Amseln, Meisen und Haussperlinge. “Vor allem bei Anflügen verletzen sich Jungvögel”, sagt Hallau. Sie würden Glasscheiben oder herannahende Autos oft zu spät erkennen.

Greifvögel adoptieren fremden Nachwuchs
Das junge Seeadler-Männchen war allerdings bei einem Sturm aus einem Horst gefallen – nach dem Aufpäppeln in der Wildvogelstation wurde es zur Adoption freigegeben. “Dabei wird ein Jungvogel in ein Revier mit anderen Jungvögeln gesetzt”, erzählt Hallau. Die erwachsenen Raubvögel könnten nämlich nicht widerstehen, wenn ein Kleines bettelt: “Das ist ein Schlüsselreiz für sie. Dann wird auch das eigentlich fremde Junge noch mit versorgt.”
Das ausgewachsene Seeadler-Weibchen war mit zwei Brüchen und einer offenen Wunde, die auch in der Tierklinik Düppel nicht heilte, nach Marzahn gebracht worden. “Hier hat dann die Genesung Fortschritte gemacht”, so Hallau. Das etwa sechs Kilogramm schwere Tier sei später in die Greifvogelstation an der Woblitz in Brandenburg gebracht worden. Inzwischen ist es erfolgreich in Mecklenburg ausgewildert.

 

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