Angst vor der neuen Heimatsprache wird abgebaut

Gemeinsam Deutsch sprechen

15.03.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Lichtenberg. Sie sprechen schon etwas Deutsch, aber eben noch nicht genug. Deshalb wollen sie ihre Kenntnisse vertiefen und auch mehr über die Kultur und Geschichte, über Traditionen und das Leben in ihrer neuen Heimat lernen. Rund 20 Interessierte aus Syrien, dem Irak und Russland nehmen derzeit am Projekt „Gemeinsam Deutsch sprechen“ teil.

Einmal pro Woche treffen sie sich in der KULTSchule Lichtenberg. Tamara Kravcova, eine freundliche Seniorin, die vor 15 Jahren aus Russland nach Berlin kam, unterrichtet eine Gruppe. Sie sucht Gedichte aus, die vorgelesen und besprochen werden, wirft Karten und Fotos an die Wand und versucht immer wieder mit ihren Erwachsenen Schülern ins Gespräch zu kommen. „Den Willen etwas zu lernen haben alle, aber manche trauen sich nicht Deutsch zu reden“, sagt die ehrenamtliche Dozentin. Sie unterbricht deshalb oft die Teilnehmer und bittet darum, in der neuen Heimatsprache zu antworten.

Themen aus dem Alltag für den Alltag

Mascha, die seit sieben Jahren hier lebt, sucht krampfhaft nach Wörtern und fällt noch zu oft ins Russische zurück. Auch Galina strengt sich sichtlich an, wird von der Lehrerin mehrmals korrigiert und beginnt noch einmal mit ihrem Satz. „Ich will unbedingt besser Deutsch lernen“, sagt sie. „Mit meinen Freunden spreche ich ja nur Russisch“, ergänzt sie schulterzuckend – fast wie eine Entschuldigung.

Jakov und seine Frau Tatjana haben schon mehr Erfahrung mit der deutschen Sprache. Bei ihnen kommen die Antworten zügiger und auch meistens grammatisch richtig. Das freut Tatjana Kravcova, doch sie erklärt: „Wichtig ist mir das gesamte Drum und Dran – wir wollen natürlich gemeinsam Deutsch sprechen, uns aber auch auf lebensnahe Themen konzentrieren.“ In angenehmer Atmosphäre soll es einen Austausch geben: Fragen beantworten, Erfahrungen teilen sowie Kontakte knüpfen. Bildung, Kultur, Arbeit und Beruf sowie Orientierungshilfe stehen unter anderem auf dem Programm.

Das Projekt kommt gut an

Begonnen wurde im Herbst 2018. Für Lyra-Vereinsvorsitzenden Walter Gauks ist das neue Projekt bereits jetzt ein Erfolg: „Der Zulauf ist gut und die Teilnehmer überlegen zudem, was sie darüber hinaus gemeinsam unternehmen können“, sagt er. Eine zeitliche Begrenzung gebe es nicht. Er wolle zunächst „alles so laufen lassen und schauen, ob es vielleicht ausbaufähig ist.“

Getragen wird das Integrations-Vorhaben von vier Initiatoren. Mit im Boot sind das Bezirksamt Lichtenberg, der Verein Lyra, die Stadtteilkoordination Lichtenberg-Mitte (pad gGmbH) und die Oskar-Freiwilligenagentur. Die ehrenamtlichen Lehrer wurden vor Projektbeginn geschult.

Tamara Kravcova engagiert sich, weil es ihr großen Spaß macht und sie ihr Wissen weitervermitteln möchte. Sie arbeitete bereits in Russland als Deutsch-Dozentin. Mit ihrer Gruppe plant sie schon Ausflüge. So soll es unter anderem nach Babelsberg gehen, außerdem auf die Pfaueninsel und durch die Friedrichstraße.

Interessierte Kursteilnehmer und ehrenamtliche Lehrer sind willkommen. Angeboten werden die Kurse entgeltfrei. Sie finden außerhalb der Schulferien – mittwochs von 17.30 bis 18.30 Uhr und samstags von 12 bis 13 Uhr, in der KULTSchule, Sewanstraße 43, statt. Weitere Informationen unter Tel. 55 39 73 24.

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