Spielgeräte, Basketballplatz und Picknickhütte:

Geflüchtete gestalten Außenflächen

21.06.2018, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding (3), Unionhilfswerk (1)

Hohenschönhausen. Die Kinder halfen beim Aufräumen, die Männer sägten und schraubten: Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft an der Konrad-Wolf-Straße 46 haben in Eigenregie die Außenflächen ihrer Wohnanlage gestaltet.

Adnan hat noch sichtlich Mühe, den schweren Basketball in den Korb zu werfen. Immer wieder nimmt der Vierjährige Anlauf. Doch ein Treffer will dem Kleinen nicht gelingen. Der Junge, der mit seiner Familie aus dem Libanon geflüchtet ist, ärgert sich darüber jedoch nicht.

Der Basketballplatz ist nur ein kleiner Teil jener Außenfläche, die von den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft an der Konrad-Wolf-Straße 46 in Eigenregie gestaltet wurde. Das Geld dafür, rund 20.000 Euro, stellten das Bezirksamt sowie das Unionhilfswerk – Träger des Hauses – zur Verfügung. „Alle Bewohner waren aufgerufen, Vorschläge und Ideen für unsere Außenflächen zu unterbreiten“, berichtet Andrea von Marschall, die Einrichtungsleiterin der Gemeinschaftsunterkunft. Fast jeder zweite Geflüchtete beteiligte sich, der Jüngste gerade einmal fünf Jahre alt. Mit kleinen Klebepunkten stimmten die Männer, Frauen und Kinder ab. Die meisten Stimmen entfielen unter anderem auf den Basketballplatz, das Klettergerüst und ein Picknickhäuschen.

Bürgerbeteiligung für alle

„Unsere Bewohner haben über das Projekt gelernt, dass es sich in Deutschland lohnt, sein Votum abzugeben“, sagt Andrea von Marschall. In allen Phasen seien diese einbezogen gewesen – von der Planung über die Abstimmung bis zur Umsetzung. „Gut 30 Erwachsene packten schließlich mit an.“

Dass der Bezirk ein solches Projekt unterstützt, steht für Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) außer Frage. „Lichtenberg hat eine lange Tradition, was Beteiligungsprozesse betrifft“, sagt er und nennt als Beispiel den Bürgerhaushalt, aber auch die Kiezfonds, bei dem Lichtenberger über die Verschönerung ihres Wohngebiets entscheiden können. Diese Bürgerbeteiligung solle auch nicht vor Einrichtungen halt machen, in denen geflüchtete Menschen leben. Die neue Außenfläche der Gemeinschaftsunterkunft ist dabei nur ein Anfang: Künftig plant der Bezirk auch an anderer Stelle ähnliche Projekte.

Die Gemeinschaftsunterkunft an der Konrad-Wolf-Straße wird vom Unionshilfswerk betrieben. Sie wurden 2015 eröffnet und bietet 460 Personen ein Zuhause in Zwei-Zimmer-Appartements. Mit fast 200 Kindern ist der Anteil an Bewohnern unter 18 Jahren besonders groß. Dementsprechend gibt es auch Bedarf an Freizeiteinrichtungen in der Umgebung. Das Unionshilfswerk kümmert sich außerdem über spezielle Kinderbetreuer um die jungen Bewohner, organisiert unter anderem regelmäßige Ausflüge. Darüber hinaus sei man mit Vereinen, Ehrenamtlichen und Einrichtungen aus der Nachbarschaft gut vernetzt.

Beteiligungsprojekte wie die Gestaltung der Außenfläche sind aus der Sicht von Andrea von Marschall wichtig. Dadurch lernten die Bewohner, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen. In Lichtenberg leben aktuell in gut einem Dutzend Unterkünften etwa 4.000 geflüchtete Menschen.

 

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