In der Gehrenseestraße gibt es immer mehr Verkehrsunfälle

Gefährliches Pflaster

18.01.2017, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding

Alt-Hohenschönhausen. Die Gehrenseestraße ist ein gefährliches Pflaster. Weil dort der Verkehr stark zugenommen hat, kracht es regelmäßig. Ein Anwohner will in zehn Jahren zwölf Verkehrstote gezählt haben. Sein Ruf nach Konsequenzen bleibt jedoch (bislang) ungehört.
Der jüngste Unfall ist erst vor wenigen Wochen passiert. Jürgen Tietz saß in seinem Büro, als es schepperte. Ein 14-jähriges Mädchen hatte versucht, über die Gehrenseestraße zu kommen, unterschätzte aber die Geschwindigkeit eines heranfahrenden Autos. Dessen 27-jährige Fahrerin konnte nicht mehr bremsen und erfasste die Jugendliche, die mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus kam.

Seit 2003 hat der Verkehr stark zugenommen

Tietz wohnt seit den 1980er-Jahren in der Gehrenseestraße, wo er auch sein Büro betreibt. Damals war die Welt im Kiez noch in Ordnung. „Die Brücke in Richtung Marzahn gab es noch nicht“, erinnert sich Tietz. Doch seit 2003 hat der Verkehr in der Straße merklich zugenommen. Die zweispurige Strecke ist ein wichtiger Zubringer zwischen der City Ost, den Gewerbegebieten in Marzahn und Hohenschönhausen sowie zur Autobahn. Täglich wird die Gehrenseestraße von rund 17.300 Autos frequentiert, wie die Senatsverkehrsverwaltung bereits 2011 errechnete.

In zehn Jahren zwölf Verkehrstote

Das alles wäre nicht weiter tragisch. Doch mit dem verstärkten Verkehrsaufkommen wird die Gehrenseestraße zumindest für die Anwohner zu einem Problem. Immer wieder kommt es zu schweren Verkehrsunfällen. „In zehn Jahren gab es hier bereits zwölf Verkehrstote“, sagt Jürgen Tietz. Belegen lassen sich die Zahlen nicht, weil sich die Polizei nicht im Stande sieht, die Vorgänge der vergangenen Jahre zu durchsuchen. Trauriger Höhepunkt der Unfälle war eine Kollision mit Todesfolge Anfang 2015. Damals hatte ein älteres Ehepaar gerade in einem Supermarkt eingekauft. Auf dem Rückweg nach Hause wurden die Beiden von einem Auto erfasst. Die Frau kam schwer verletzt ins Krankenhaus, der Mann erlag seinen Verletzungen. Anwohner Tietz berichtet zudem von einer Radfahrerin, die an der Ecke Bennostraße und Gehrenseestraße ums Leben kam und von zwei weiteren Radlern, für die ein Unfall ebenfalls tödlich geendet haben soll.

Anwohner nervt der zunehmende Lärm

Nicht nur die vielen Unfälle gehen an die Substanz der Anlieger, sondern auch der zunehmende Lärm. Der Pegel liegt zwischen 62 und 71 Dezibel – je nach Tageszeit. Zumindest nachts könnte man den Lärm reduzieren, in dem die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer gesenkt wird, findet Jürgen Tietz. Das könnte etwas Abhilfe schaffen, wenngleich Tietz weiß, „dass sich hier auch tagsüber niemand an Tempo 50 hält“. Seit Jahren setzt er sich beharrlich dafür ein, dass die Geschwindigkeit in seiner Straße reduziert wird – auch, um schwere Unfälle zu verhindern. Bislang aber ohne Erfolg. Seit die Bezirksverordnetenversammlung von Lichtenberg aber auf Initiative der SPD darüber berät, im benachbarten Malchower Weg das Tempo zu drosseln, hat Tietz wieder ein kleines bisschen Hoffnung.

Senatsverwaltung prüft noch

„Die Lärmschutzmaßnahmen in der Gehrenseestraße sind noch in der Prüfung“, heißt es dazu aus der Senatsverkehrsverwaltung. Auf deren Grundlage solle dann über Tempo 30 in der Zeit von 22 bis 6 Uhr entschieden werden. Unterstützung gibt es auch seitens des Bezirks. Der für die Straßen zuständige Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) will erneut an die Verkehrslenkung Berlin herantreten und sogar für ein ganztägiges Tempo 30 auf der Gehrenseestraße plädieren. „Allerdings ist das ein ganz dickes Brett, das wir da bohren.“

 

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