Rote Armee befreite vor 75 Jahren das Konzentrationslager Auschwitz

Gedenken an Opfer des Holocaust

25.01.2020, Volkmar Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-3), Bezirksamt Lichtenberg (4), Klaus Tessmann (5-7). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg/ Marzahn-Hellersdorf. Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Die Vereinten Nationen erklärten diesen Tag im Jahr 2005 deshalb zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust. In Deutschland ist er – auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog – seit 1996 ein gesetzlich verankerter Gedenktag an Opfer des Nationalsozialismus.

Gedenken in Lichtenberg

Der Bezirk Lichtenberg begeht 2020 das Gedenken an mehreren Orten. Die zentrale Gedenkveranstaltung findet am Montag, 27. Januar, 18 Uhr, am Stadthaus, Stadthausstraße/ Ecke Türrschmidtstraße statt. Dort befindet sich das Museum Lichtenberg. Über 300 Namen von aus Lichtenberg und Hohenschönhausen während des Holocaust vertriebenen und ermordeten Juden werden an die Giebelwand des Hauses projiziert. Die Namen werden bis in die Morgenstunden des 28. Januar zu lesen sein.

Beispiellose Verbrechen der Nationalsozialisten

Wie das Bezirksamt Lichtenberg mitteilt, wird Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) die Gedenkveranstaltung eröffnen. Er lädt alle Berlinerinnen und Berliner ein, an dem Gedenken teilzunehmen. „Mit der Gedenkveranstaltung bringt das Museum Lichtenberg jährlich die beispiellosen Verbrechen der Nationalsozialisten in Erinnerung“, erklärte der Bürgermeister. Solidarität mit verfolgten Menschen und Widerstand gegen jegliche Form von Diskriminierungen seien auch heute entscheidend für eine freie Gesellschaft.

Sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens ermordet

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung lädt das Museum zu dem Programm „Und alles wird gut?“ ein. Mit Liedern, Gedichten und Briefausschnitten von Ilse Weber, einer in Auschwitz ermordeten jüdischen Hörfunk- und Kinderbuchautorin, erinnert das Trio „Gerade Frauen“ an die von Nationalsozialisten ermordeten sechs Millionen Menschen jüdischen Glaubens.

In einem ihrer Briefe schrieb Ilse Weber: „Auf Gutes hoffen wir nicht mehr. Das Leben ist für uns unerträglich geworden, wir leben hier fast wie unter Bestien – verzeihen Sie den Ausdruck, ich hoffe, die wirklichen Bestien werden mir ihn auch verzeihen!“. Vorgetragen werden die Texte und Lieder von Elke Uta Schrepel (Piano) Maria Elisabeth Weiler (Bratsche) und Ila Raven (Rezitation und Gesang).


Weitere Gedenkorte und Kranzniederlegungen
am Montag, 27. Januar:


9.00 Uhr: Gedenktafel im Rathaus Lichtenberg, Möllendorffstraße 6, 10367 Berlin (1.OG)

10.00 Uhr: Gedenkstein Konrad-Wolf-Straße 92, 13055 Berlin – Veranstaltung des Ardenne-Gymnasiums – (anschließend) ca. 11 Uhr: Gedenktafel Aronstein, Werneuchener Straße 3, 13055 Berlin – (anschließend) ca. 11 Uhr: Friedhof St. Hedwig, Konrad-Wolf-Straße, 13053 Berlin.

10.00 Uhr: Gedenktafel Fennpfuhl, im Park am Fennpfuhl, 10367 Berlin.

11.00 Uhr: Gedenkstele Arbeitserziehungslager Wuhlheide (nahe Eisenbahnbrücke), Am Tierpark 125, 10319 Berlin – (anschließend) ca. 11.30 Uhr: Gedenkort Rummelsburg, Hauptstraße 8, 10317 Berlin.

11.00 Uhr: Ehrenmal an der Erlöserkirche, Nöldnerstraße 43, 10317 Berlin, (anschließend) ca. 11.15 Uhr: Gedenkstein für Erwin Nöldner, Nöldnerplatz, 10317 Berlin.

15.00 Uhr: Gedenkstein auf dem Loeperplatz an der Kirche, Möllendorffstraße 29, 10367 Berlin.

18.00 Uhr: Museum Lichtenberg Erinnern für die Zukunft (s.o.). Türrschmidtstraße 24, 10317 Berlin.


Gedenken in Marzahn-Hellersdorf

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf gedachte im Freizeitforum Marzahn zu Beginn ihrer Sitzung am Donnerstag, 23. Januar, in einer Feierstunde der Opfer des Nationalsozialismus. Schüler der Hans-Werner-Henze-Musikschule umrahmten das Gedenken mit musikalischen Darbietungen.

Am Sonnabend, 25. Januar, findet das stille Gedenken ab 11 Uhr, auf dem Parkfriedhof Marzahn an der Stele zur Erinnerung an die Opfer der Zwangsarbeit 1939 bis 1945 statt. Pfarrer i. R. Ernst-Gottfried Buntrock wird Worte des Gedenkens sprechen. Die BVV und der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e. V. bereiteten die Veranstaltung vor.
Über 1.400 Zwangsarbeiter, die unter brutalen Bedingungen in 27 Arbeitslagern, allein auf dem Gebiet von Marzahn-Hellersdorf, für die Nationalsozialisten arbeiten mussten, sind auf dem Friedhof begraben.

Proteste gegen Teilnahme der AfD zu erwarten

In beiden Bezirken gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Proteste und Auseinandersetzungen hinsichtlich einer Teilnahme von Mitgliedern der AfD an den Gedenkveranstaltungen.

In einer persönlichen Erklärung vor der BVV Marzahn-Hellersdorf erklärte Björn Tielebein, Fraktionsvorsitzender der Linken: „Seitdem die AfD in diese BVV eingezogen ist, stößt die Teilnahme von deren Mitgliedern bei Gedenkveranstaltungen im öffentlichen Raum immer wieder auf Unverständnis. Unverständnis, weil diese Partei sich bisher eben nicht klar und deutlich von neonazistischem, rassistischem und antisemitischem Gedankengut distanziert.“


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