Fußball – ganz entspannt

08.07.2018, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Wenn man aus dem Urlaub kommt, merkt man erst so richtig, wie schnell die Uhr sich dreht. In der Zeit, die wir entspannt an einer Außengrenze Europas verbracht haben, ist sie gewissermaßen gerannt. So viel ist passiert, das wir erst jetzt so richtig mitbekommen. Beim Durchblättern der vom Nachbarn aus dem Briefkasten geholten und für uns zur eventuellen Nachlese sorgsam auf einen Stapel gepackten Zeitungen, fällt uns eine Anzeige auf. „So sehen Sieger aus!“ – fröhliche Menschen haben ihre Wangen mit Deutschlandfarben verziert. War da was? Ach ja, der deutsche Fußball hat die Nation bewegt, fast noch mehr als Seehofers Rücktritt vom Rücktritt. Wir waren schließlich noch vor drei Wochen gemeinschaftlich ziemlich sicher, dass es uns gelingt, den Pokal der Pokale zu holen. Oder wenigstens ins Finale zu kommen. Hat nicht geklappt, wie wir selbst in den bewusst informationsarm gehaltenen Ferien mitgekriegt haben. Vorrundenaus, als Gruppenletzter.

Schöner Sport vor der Glotze

Und wenn schon, es gibt Schlimmeres! Jetzt können wir uns wenigstens den nächsten WM-Runden ganz locker widmen und unsere Favoriten nach Lust und Laune wählen. Wie die Leute auf unserer letzten Zwischenstation bei der Rückreise in einer kleinen Kneipe in Bad Salzuflen. Unter immer noch wehenden Deutschlandfahnen jubelten die einen für Kroatien, die anderen für Dänemark, das dann nach Elfmeterschießen rausflog. Am Ende wurden gemeinsam zwei, drei und mehr Gläser geleert. Prost auf Sieger und Verlierer – so schön kann Sport vor der Glotze sein.

Bleibe ich meinem Favoriten treu?

Natürlich habe auch ich meinen Favoriten. Ob ich ihm treu bleibe, hängt allerdings von den nächsten Spielen ab. Vor dem Viertelfinale war ich noch für Frankreich (weil wir dort einen sehr schönen Urlaub verbracht haben und die Franzosen reizend waren) und für Belgien (hat schließlich fast die gleiche Flagge wie wir, bloß anders herum). England wäre auch mal ein Titel zu gönnen, dachte ich. Und die Russen würden sich auch übers Weiterkommen freuen. Nun haben es nur die ersten drei meiner Tipps geschafft, Russland flog leider nach Elfmeterschießen gegen Kroatien raus. Am Dienstag geht es weiter. Vielleicht bin ich dann für Frankreich und für England. Oder lieber doch für Belgien und Kroatien? Ach was, ist eigentlich egal.  Kann ich mir ja immer noch überlegen. Und eigentlich: Die beste Mannschaft soll gewinnen.

Wenn das Runde ins Eckige soll

Frauen, sagt mein Mann kopfschüttelnd. In Zeiten des Fußballfiebers lässt sich mit ihm nicht besonders gut reden. Das ist eben das selbsternannte starke Geschlecht, es kann sich selten so richtig entspannen. Auf keinem Fall jedenfalls vor dem Fernseher, wenn das Runde ins Eckige soll. „Verstehst Du das nicht?“, sagt mein Mann: „Das ist schließlich die WM.“ Ja und?

 

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