Eine neue Heimstatt für frühere Metropol-Mitglieder

Der Broadway von Marzahn

06.11.2019, Marcel Gäding

Fotos: Helmut Schmidt (1-3), Marcel Gäding (4)

Marzahn. Es ist keine zwei Jahre her, da hing an der Fassade des Freizeitforums Marzahn ein großes Werbeplakat. „Wieder mal ins Metropol“ stand dort – ein Slogan, den vor allem viele Ostberliner noch aus den Programmheften gut kennen. Denn das Metropol-Theater an der Friedrichstraße war eine Institution in der Kulturlandschaft. Bis es 1997 abgewickelt wurde. Und obwohl das Metropol plötzlich ohne Bühne und Geldgeber war, lebte es dank des Engagements einstiger Ensemble-Mitglieder weiter. Und so organisierten Maria Mallé und ihre früheren Kollegen unter dem Dach des Vereins „Musikalische Komödie Berlin“ eine Operetten-Gala, die 2017 für ein ausverkauftes Freizeitforum Marzahn sorgte. „Das war eine sehr emotionale Veranstaltung“, erinnert sich die 72-Jährige. „Im Publikum saßen viele frühere Mitstreiter.“ Liebevoll nennt Mallé sie „Metropoliten“. Und es sollte nicht die einzige Veranstaltung ihres Vereins im Freizeitforum Marzahn bleiben.

Maria Mallé war Frau Pusebach und Dolly

Die Schauspielerin und Sängerin Maria Mallé war drei Jahrzehnte fester Bestandteil des Metropol-Theaters. Wie viele Vorstellungen sie bis zur Schließung der berühmten Operettenbühne absolvierte und wie viele Rollen sie spielte, hat sie nie gezählt. Doch da kam einiges zusammen. In Paul Linckes „Frau Luna“ sang sie sich als Frau Pusebach in die Herzen, sie brillierte als „Hallo, Dolly“ auf der Bühne und verkörperte die Sally Bowles in „Cabaret“. Parallel stand sie für das DDR-Fernsehen vor der Kamera und tourte mit Solo-Programmen durch die Republik. Als die Mauer fiel, sah es zunächst gut aus für das Metropol-Theater, das vermehrt auch wieder Gäste aus dem Westteil der Stadt anzog. Doch 1997 strich das Land Berlin die Zuschüsse. Mallé und ihre rund 350 Kolleginnen und Kollegen wurden arbeitslos, einige blieben aber voller Tatendrang. Auf Initiative von Maria Mallé wurde 1999 der Verein „Musikalische Komödie Berlin“ gegründet, der seither mit Musiktheaterstücken an die 100 Vorstellungen auf die Beine stellte. Allerdings blieben die Künstler von einst nie unter sich, sondern öffneten ihre Inszenierungen auch für junge Nachwuchstalente. „Wir können ihnen etwas vom Ensemblegeist und von unseren Erfahrungen mitgeben“, sagt Maria Mallé.

2017 erste Gala in Marzahn

Im 20. Jahr seines Bestehens hat der Verein „Musikalische Komödie Berlin“ im Freizeitforum Marzahn nun eine neue Heimstatt und mit ihr ein treues Publikum gefunden. Denn nicht nur die 2017 organisierte Gala „Wieder mal ins Metropol“, sondern auch das 2018 inszenierte Stück „Operette sich wer kann“ ließen keinen Platz im Arndt-Bause-Saal des Freizeitforums unbesetzt. Die inzwischen traditionellen Neujahrskonzerte gehören inzwischen zum festen Programmbestandteil. „Es gibt seit Jahrzehnten die Neuköllner Oper, warum soll so etwas Ähnliches nicht auch in Marzahn funktionieren“, sagt Maria Mallé. Selbstbewusst nennt der Verein das Freizeitforum schon mal den „Broadway von Berlin Marzahn“ – in Anlehnung an das berühmte New Yorker Theaterviertel.

Operette zeitgemäß interpretiert

Den einstigen Metropoliten geht es weniger um Nostalgie, sondern vielmehr um den Erhalt der Operette als Genre, angepasst an die heutige Zeit. So darf man auch das Stück „Linckes Luna ist nicht totzukriegen“ verstehen, das Mallé gemeinsam mit dem Kabarettisten Wolfgang Helfritsch schrieb. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Operette und Kabarett – oder wie Maria Mallé sagt: „Kabarette“. Angelehnt ist die Inszenierung an „Frau Luna“, eine Operette von Paul Lincke, die 1899 uraufgeführt und seither unzählige Male neu interpretiert wurde. Die Marzahner Version ist ganz auf die Region zugeschnitten: Eine junge Sängerin namens Chantal (Lisa Ströckens) lebt im Flower-Tower an der Ecke Allee der Kosmonauten und Poelchaustraße. Mit ihrem umtriebigen Manager Fritz Krauße trifft sie alte Theaterhasen und startet zu einer Reise auf den Mond. Dort trifft sie auf Frau Luna und so manch andere Gestalt… Gesungen und gesprochen wird in Berliner Mundart mit aktuellen Bezügen zur heutigen Zeit. 35 Mitglieder umfasst das Ensemble, das aus zwei Laienkirchen-Chören, Musikern und früheren Tänzern des Metropol besteht. Regie führt Peter Dehler.

Volles Haus bei der Premiere

Premiere hatte das Stück am 6. Oktober. „Wir haben vor vollem Haus gespielt“, sagt Maria Mallé. Zuvor konnten die Künstler im Freizeitforum fünf Wochen lang in Ruhe proben. Für die beiden vorerst letzte Aufführung am 30. November gewann sie ihren Freund Walter Plathe. Sie selbst steht als Souffleuse und als „Frau Pusebach“ auf der Bühne. Zwar gibt es mit der Friedenshort Wohnungsgenossenschaft, der Günter-Neumann-Stiftung und der Berliner Sparkasse Sponsoren. Und dennoch arbeiten die Künstler mit einem kleinen Budget – auch, weil man mit Ticketpreisen von 23,50 Euro pro Person Menschen einen Theaterbesuch ermöglichen möchte, die sich das sonst nicht leisten können. „Das Freizeitforum macht viele Dinge möglich“, sagt Maria Mallé und lobt ausdrücklich das Veranstaltungsmanagement und die Technik-Truppe.

Neue Inszenierung schon in Planung

Zwar ist der Verein „Musikalische Komödie Berlin“ noch im Stress der aktuellen Produktion, doch eine neue Inszenierung im Freizeitforum ist für das kommende Jahr schon fest in Planung. Worum es geht, will Maria Mallé nicht sagen – verspricht aber, dass es bei der „Leichtfüßigkeit“ von Operette und Kabarett bleiben wird.

„Linckes Luna ist nicht totzukriegen“, eine Berliner Kabarette in zwei Akten, Freizeitforum Marzahn, Marzahner Promenade 55, 12679 Berlin. Karten unter Tel. 030 54704170. Aufführungen am 9. und 30. November jeweils um 15 Uhr.

Einen Trailer zu “Linckes Luna ist nicht totzukriegen” finden Sie im Videokanal von Kanzlerfilm.

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