Baden gehen: Bezirke wollen mehr Möglichkeiten schaffen

Freibad oder Kombivariante?

28.02.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. In den beiden Ostbezirken gibt es zu wenig Angebote für Wasserratten. Während Lichtenberg mit dem Orankesee wenigstens ein Freibad besitzt, gibt es seit der Schließung des Wernersees vor 17 Jahren in Marzahn-Hellersdorf gar keins mehr. Auch die Schwimmhallen, vier in Lichtenberg und drei in Marzahn-Hellersdorf, reichen für die wachsende Bevölkerung nicht aus. In Lichtenberg leben rund 290.000 Menschen, im benachbarten Marzahn-Hellersdorf fast 269.000 Menschen.

Beide Bezirke wollen das Angebot für Freizeitschwimmen und Wassersport in absehbarer Zeit verbessern. So werden beide Machbarkeitsstudien in Auftrag geben – Lichtenberg für ein Multifunktionsbad, Marzahn-Hellersdorf wenigstens für ein Freibad. Vorausgegangen sind Standortuntersuchungen, die jetzt durch gründliche Prüfung (auch auf Finanzierbarkeit) untersetzt werden sollen.

Drei mögliche Standorte in Lichtenberg

Im Dezember hatte das Bezirksamt Lichtenberg der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eine Vorlage zur Kenntnis gegeben. Darin sind die Ergebnisse der Standortuntersuchung für ein neues Kombibad (mit rund 25.000 Quadratmeter benötigter Fläche) aufgeführt. Danach eignen sich von 17 vorgeschlagenen Flächen drei Areale für eine vertiefte Untersuchung: Landsberger Allee (Zwischenpumpwerk, Eigentümer Berliner Wasserbetriebe), der Wirtschaftshof des Tierpark Berlins in Friedrichsfelde (Teilfläche) und mit nicht ganz so guter Bewertung ein Gelände südlich der Landsberger Allee/östlich Siegfriedstraße (privater Eigentümer, wollte dort einen Gewerbestandort entwickeln). Die ebenfalls untersuchte Fläche des früheren BVG-Bades an der Siegfriedstraße ist mit bloß 6.400 Quadratmeter Größe zu klein für ein Kombibad.

Grunst: Abfluss Siwana-Mittel skandalös

Laut Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) folge man mit dem Gedanken an ein Multifunktionsbad den Berliner Bäder-Betrieben (BBB). Nur solche Kombibäder sind laut BBB wirtschaftlich zu betreiben. Bereits mit dem Berliner Bäderkonzept von 2014 wurde der Bau von zwei solchen Bädern in Mariendorf und Pankow beschlossen. Finanziert werden sollten sie u.a. aus Siwana-Mitteln (Sondervermögen Infrastruktur wachsende Stadt und Nachhaltigkeitsfonds). Doch realisiert ist noch keines davon – man hört nichts mehr von den Vorhaben. Bei dieser Praxis dürfte es wohl auch noch sehr lange dauern bis in Lichtenberg ein neues, modernes Bad entsteht, selbst wenn der passende Ort dafür gefunden ist. Grunst sagt, es sei „skandalös, wie die Siwana-Mittel abfließen“. Er schätzt, dass Lichtenberg innerhalb von vier Jahren zu einem zusätzlichen Schwimmbad kommen könnte, wenn Geld zur Verfügung gestellt werde: „Zwei Jahre planen, zwei Jahre bauen“.

Ein wenig optimistischer ist Grunst bezüglich einer Wiedereröffnung des seit 1991 geschlossenen, denkmalgeschützten Hubertusbads. Daran arbeite die Berliner Immobilienmanagement Gesellschaft (BIM). Drei Stufen seien vorgesehen: „Zunächst soll es so weit hergerichtet werden, dass es als Veranstaltungsort genutzt werden kann“, sagt der Bürgermeister. Mit zwei weiteren Stufen könne es dann soweit kommen, dass wenigstens „eine Teilbadnutzung“ im historischen Stadtbad nicht ausgeschlossen sei, so Grunst.

Machbarkeitsstudie für Marzahn-Hellersdorf

In Marzahn-Hellersdorf waren im vergangenen Jahr insgesamt sechs mögliche Standorte für eine Badnutzung ausgemacht worden. Sportstadtrat Gordon Lemm (SPD) und eine eigens gegründete Arbeitsgruppe (AG) Freibad der BVV hatten gemeinsam daran gearbeitet, Bürger konnten Vorschläge dazu machen. „Wir möchten gern eine Freibadmöglichkeit“, unterstreicht der Stadtrat. „Ob als Kombibad, reines Freibad oder als Badeschiff (wie in der Spree,d.Red.), ist nicht festgelegt. Das hängt von den Möglichkeiten oder Bedingungen an den Standorten und dann auch den Kosten ab.“

Gegenwärtig wird die Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie zu den geeigneten Standorten unter den sechs Vorschlägen vorbereitet. Diese sind: Flächen südlich des S- und U-Bahnhofs Wuhletal, der Wuhleteich im Kienbergpark, eine Freifläche an der Golliner Straße, der Ausbau des Kinderbads „Platsch“, die Erweiterung der Schwimmhalle Helmut Behrendt am Springpfuhl oder der bereits schon einmal gemachte Vorschlag zum Neubau eines Kombibads am Rande des Tierparks. Die Kosten für die Studie, die voraussichtlich im März ausgeschrieben wird, betragen 150.000 Euro. Das Geld dafür zahlt das Land Berlin.

Noch Jahre bis zur Eröffnung

Es sieht also nicht so aus, als ob sich schnell etwas in der Bäderlandschaft von Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf bewegen wird. Denn selbst wenn die Bezirke neue Bäder bekommen sollten – solche Neubauten dauern Jahre bis zur Eröffnung. Im Sommer werden also wie in den vergangenen Jahren die Badelustigen wieder an die im Wasserschutzgebiet gelegenen Kaulsdorfer Seen und an den Biesdorfer Baggersee, eigentlich ein Regenrückhaltebecken, pilgern.

Schwimmhalle schließt sechs Monate

Hinzu kommt, dass auch die Schwimmhallen in beiden Bezirken wegen Wartungsarbeiten im Sommer dicht sind. Die Halle am Marzahner Helene-Weigel-Platz schließt laut Mitteilung der Berliner Bäder-Betriebe sogar bereits am 1. Mai für sechs Monate. Sie erhält ein neues Edelstahlbecken. Und ob in absehbarer Zeit die seit Monaten geschlossene Halle im Freizeitforum Marzahn wieder zur Verfügung steht, erweist sich in den kommenden Tagen. Dort waren bekanntlich bei Sanierungsarbeiten Legionellen in Leitungen für das Duschwasser festgestellt worden. Nach einer chemischen Spülung erfolgt laut Stadtrat Lemm am 6. März eine hygienische Nachuntersuchung. Zwei Wochen später erhält der Bezirk dann deren Ergebnisse und kann das Bad wieder freigeben – oder auch nicht.

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