Hund + Katz

Frauchen tragen keine Absatzschuhe

17.11.2019, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Hundebesitzerinnen erkennt man meist schon an ihren Schuhen. Jedenfalls solche, die richtige Hunde haben und nicht irgendein fipsiges Chi-Chi, das aus der Markenhandtasche herauskläfft. Wer einen Hund hält, der diese Bezeichnung verdient, braucht keine schicken Stöckelschuhe, sondern praktische Treter. Welche mit guten, rutschfesten Sohlen, damit man beim Haufenwegmachen nicht in den Hinterlassenschaften eines anderen Wuffis ausgleitet. Sie müssen bequem sein und Halt bieten. Denn Hund will jeden Tag möglichst mehrfach spazieren gehen, gern mehrere Kilometer hintereinander. Nicht an blitzenden Schaufensterscheiben vorbei, sondern in möglichst wenig urbanem Gelände. Je mehr Gebüsch und Pfützen auftauchen, umso zufriedener ist der Hund. Der Mensch, der eigentlich andere Wege vorziehen würde, ergibt sich in sein Schicksal.

Das letzte Kind hat Fell

Als Hundebesitzerin ist man vor allem eines: Frauchen. Und das Credo lautet: Alles für den Hund. Schließlich wissen wir: Das letzte Kind hat Fell. Und dessen Ausbildung nehmen Frauen ernst. Welpenschule, Juniorgruppe, Kurse zur besseren Leinenführigkeit und zum funktionierenden Rückruf stehen auf der Agenda. Männer, in dem Fall auch Herrchen genannt, sind bei den Kursen bestenfalls Begleiter. Wenn überhaupt. Denn sie wissen doch sowieso schon alles über die richtige Erziehung.

Dem Leben mit Hund passt Frau zunehmend auch die Kleidung an. Legte sie früher Wert auf aktuelle Mode und 8 Zentimeter hohe Absätze, ist das Outfit beim Ausgehen jetzt dem Anlass angemessen: Hose möglichst nicht die neueste, weil der Racker manchmal vergisst, dass er Menschen nicht voller Begeisterung anspringen soll. Schon im Herbst sicherheitshalber eine regenfeste Jacke, auch nicht die modernste. Im Winter kommt dann der dicke, alte Anorak mit Kapuze, drunter ein schöner warmer Pullover. Und natürlich Thermounterhosen und gut gefütterte Stiefel. Schicksein war gestern, heute regiert bequem. Vor allem, wenn man nicht mehr täglich zur Arbeit muss. Eine Bekannte erzählte, dass sie kürzlich ohne sich umzuziehen und zu waschen direkt vom Hundeplatz zum Supermarkt gefahren ist: „Voll in den ollen Klamotten.“ Peinlich sei es ihr aber nicht gewesen, sagte die frühere Krankenschwester. „Wenn Leute das stört, können sie ja woanders hingucken.“

Der Zahnarzt fragt: Haben Sie Haustiere?

Manchmal möchte man aber nicht nur Frauchen sein, sondern auch mal Frau. Dann wird gestylt und frisiert als ginge es auf eine Party oder eine wichtige Vernissage. Selbst wenn man nur ein Date mit dem Zahnarzt hat. Dumm nur, wenn der beim Bohren dann auf die neue Hose guckt und fragt: „Haben Sie Haustiere?“ Denn eine Spur heller, kurzer Haare zieht sich über den schwarzen Stoff. Ein Abschiedsgruß — allerdings diesmal nicht vom Hund.

Das war die Katze, die kurz bevor die Tür klappte, noch einmal zärtlich um die Beine strich: Vergiss mich nicht, Frauchen!


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden