Naturschützer sehen Luftballons als Gefahr für die Umwelt

Flieg, Ballon, flieg?

04.01.2019, Linna Schererz

Fotos: Birgitt Eltzel (1-4), Naturschutz Berlin-Malchow (5)

Malchow. Immer wieder finde man Reste von Luftballons auf Erholungs- und Beweidungsflächen, sagt Doreen Hantuschke vom Lichtenberger Umweltbüro. Denn es habe sich inzwischen eingebürgert, mit Helium gefüllte Ballons zu allen möglichen Ereignissen wie Geburtstagen oder Einschulungen fliegen zu lassen. Doch was mit ihnen passiere, wenn sie am Horizont verschwunden sind, darüber werde leider viel zu wenig nachgedacht. Denn gelandete Luftballons, die aus Naturkautschuk sowie einer Beimischung verschiedener Stoffe bestehen, sind biologisch nicht abbaubar. Luftballons reisen oft 800 Kilometer weit und verbleiben oft für Jahrzehnte in Flüssen, Meeren und offenen Landschaften.

Tiere bedroht

„Gelandete Luftballons sind eine Gefahr für Tiere“, sagt Beate Kitzmann, die Geschäftsführerin des Vereins Naturschutz Berlin-Malchow, der auch den Naturhof an der Dorfstraße 35 betreibt. Vögel könnten sich an den anhaftenden Bändern verheddern, Wildtiere und Nutzvieh, das auf den Grünflächen weidet, die Überreste aufnehmen – ein Problem für den Magen. „Wir müssen leider jährlich Hunderte Luftballons von unseren Beweidungsflächen sammeln“, sagt Kitzmann. Der Verein betreibt Bio-Landwirtschaft mit Schottischen Hochlandrindern und Rindern der Rasse Deutsche Shorthorn. Die Tiere wirken nicht nur als Landschaftspfleger, ihr Fleisch wird auch verwertet.

„Aus dem Auge, aus dem Sinn“

Um auf die Probleme mit dem zunehmenden Luftballon-Steigenlassen aufmerksam zu machen, hat der Verein jetzt einen Flyer unter dem Titel „Aus den Augen, aus dem Sinn“ herausgegeben. Darin ist u.a. zu erfahren, dass die Ballonindustrie den Abbau der Reste gern mit einem Eichenblatt vergleicht. Doch es vergehen mehrere Jahre bis sich ein robustes Eichenblatt zersetze, heißt es in dem Flyer. Ballons aus Latex seien auch keine Alternative. Diese benötigten ebenfalls mindestens ein halbes Jahr bis sie verrotten. Und selbst wenn der Ballon sich zersetzt habe, blieben die an ihm befestigten Polybänder, die aus schwer zersetzbarem Kunststoff bestehen. Zudem sei Helium, mit dem die Ballons gefüllt werden, eine begrenzte Ressource. Es werde u.a. in der Medizin für Beatmungsmaschinen und MRT-Scanner benötigt. „Dieser wertvolle Stoff wird förmlich in die Luft geblasen und verschwendet“, sagt Beate Kitzmann.

Alternative Seifenblasen oder Pflanzaktionen

Deshalb sei es sinnvoll, nach Alternativen zu suchen, rät Kitzmann: „Wir entscheiden selbst, ob bei einer Hochzeit oder bei einem Kindergeburtstag Luftballons steigen müssen.“ Große Seifenblasen beispielsweise seien auch etwas Schönes, ebenfalls selbstgebastelte Dekorationen aus Papier. Auch Blumen- oder Baumpflanzaktionen könnten Veranstaltungen wie beispielsweise Einschulungsfeiern zu etwas ganz Besonderem machen. Nicht geeignet sind sogenannte Himmelslaternen, die mit offenem Feuer aufsteigen und Brände auslösen können. Zudem können sie für Flugzeuge zu einem Problem werden. In vielen Bundesländern benötigt man deshalb eine Genehmigung dafür. Lässt man sie ohne Erlaubnis einfach steigen, kann das Strafen bis zu 5.000 Euro nach sich ziehen.

Mehr über Naturschutz Berlin-Malchow hier…

 

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