Filmreihe „Irrsinnig menschlich“

01.10.2018, Volkmar Eltzel

Neu-Hohenschönhausen. “Wo bist du?“, ist eine deutsche Dokumentation (FSK 12), die am Mittwoch, 17. Oktober, um 17:30 Uhr im Kino CineMotion, Wartenberger Str. 174, gezeigt wird (Eintritt 5 Euro). Sie stellt Kinder psychisch erkrankter Eltern mit ihren oft unbeantworteten Fragen, Ängsten und Nöten und das Leiden ihrer Eltern in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Film von Andrea Rothenburg erzählt einfühlsam ihre Geschichten und gibt ihnen eine Stimme. Auch Psychiater und Therapeuten kommen zu Wort und bringen Licht in das Dunkel. Es ist ein bewegender Film, der zum Nachdenken und Handeln anregt. Im Anschluss an den Film steht die Filmemacherin für Fragen und Gespräche bereit.

Die Vorführung läuft im Rahmen der Filmreihe „Irrsinnig menschlich“, die 2018 bereits zum neunten Mal veranstaltet wird. Sie ist ein Kooperationsprojekt des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Lichtenberg (GPV), des Kinos CineMotion Berlin-Hohenschönhausen, des Bezirksamtes Lichtenberg, des Angehörigenverbandes für psychisch Kranke (ApK) Berlin, des expeerienced – erfahren mit seelischen Krisen e.V. und der Abt. Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH). Die ausgesuchten Filme und die spannenden Gespräche der Podiumsgäste mit dem Publikum bieten die Gelegenheit, offener und öffentlicher Auseinandersetzung mit Fragen rund um die vielfältigen Themen Seelischer Gesundheit.

Etwa 3,8 Millionen Kinder wachsen in Deutschland mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Diese Kinder übernehmen häufig früh Verantwortung für ihre erkrankten Eltern und stehen mit ihren Fragen und Ängsten oft allein da. Die noch immer verbreitete Tabuisierung psychischer Störungen führt dazu, dass sie den Eindruck haben, über ihre Familienprobleme mit niemandem sprechen zu dürfen. So finden diese Kinder mit ihren Fragen, Ängsten und Bedürfnissen kein Gehör. „Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand mir die Krankheit meiner Mutter erklärt hat.“ sagt rückblickend eine der Protagonistinnen im Film. Kinder sind geängstigt und verwirrt, weil sie die Probleme der Eltern nicht einordnen können. Das kann dazu führen, dass sie glauben, an den psychischen Problemen der Eltern schuld zu sein. Und auch Eltern leiden neben ihrer Erkrankung oft unter Versagens- und Schuldgefühlen. Scham- und Schuldgefühle führen zu sozialer Isolation und stellen für alle eine zusätzliche Belastung dar.

Ohne Hilfe ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die betroffenen Kinder später selbst erkranken. Präventiv heißt dies: je früher psychisch erkrankte Eltern UND ihre Kinder der jeweiligen Familiensituation angepasste Unterstützung erhalten, desto geringer ist das Risiko, dass diese Kinder zu Patienten von morgen werden.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden