Ein Tag voller Musik – Lichtenberg ist Fokus-Bezirk für Berlin

Fête de la Musique zum Sommeranfang

15.06.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1), Kai Bienert / Musicboard Berlin GmbH (2-6). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Berlin/Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Egal wie das Wetter zum Sommeranfang am Donnerstag, 21. Juni, auch wird – eines ist sicher: Spätestens ab 16 Uhr geht in allen Berliner Bezirken bei der Fête de la Musique die Post ab! Laien- und Profimusiker, Jung und Alt, Klassik, Rock oder Jazz… – alles wird vertreten sein. Auf rund 140 Bühnen, die über die ganze Stadt verteilt sind, wird musiziert, gesungen und getanzt. Über 700 musikalische Darbietungen sind angekündigt. „Und das sind nur die offiziell geplanten Acts! Hinzu kommen noch die unzähligen spontanen Straßenmusik-Aktionen“, sagt der Leiter und Kurator der Fête, Björn Döring. Wie immer können alle Auftritte kostenfrei besucht werden.

Auftakt mit internationalem Programm

Lichtenberg steht in diesem Jahr besonders im Rampenlicht und ist sogenannter Fokus-Bezirk bei der Fête. Bereits am Vortag der Musik-Feier findet am Mittwoch, 20. Juni, im und um das Theater an der Parkaue (Parkaue 29, 10367 Berlin), ab 18 Uhr die Auftaktveranstaltung bei freiem Eintritt statt. Dr. Klaus Lederer (Linke), Berliner Kultur- und Europasenator, wird gemeinsam mit der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes das Fest eröffnen. Es folgt „ein sehr internationales Programm“, sagt Björn Döring, der es sich nicht nehmen ließ, die Acts für den Konzertabend selbst zusammenzustellen. Nicht nur im großen Saal und auf der Studiobühne wird es Konzerte geben, sondern auch in den Foyers. Quasi das ganze Gebäude wird bespielt.

Unter anderem wird die Band „Fainschmitz“ extra aus Wien anreisen und Swing, Gypsy, Chanson, Jazz, Pop und Punk vom Feinsten spielen. Die „Beatboxer“ – ebenfalls aus Österreich – werden erwartet und Adelle Nqueto. Die südafrikanische Singer-Songwriterin tourt gerade durch Europa. Nicht nur die Musik, auch das Essen ist an diesem Abend international: vom arabischen Streetfood über andalusisches Hähnchen vom Grill bis hin zu Tapas, spanischem Fassbier und selbstgemachter Sangria.

Lichtenberg im Rampenlicht

Am Donnerstag wird dann allein in Lichtenberg an 15 verschiedenen Standorten Musik gemacht. „Das ist eine Verdopplung im Vergleich zu 2017“, sagt der Berliner Fête-Chef Döring. Auf dem Johannes-Fest-Platz treten unter Regie des Stadtteilzentrums Ikarus nach dem Motto „Die Welt zu Hause in Karlshorst“ zum Beispiel der Beatles-Cover-Chor „Come Together“, das Streichorchester und Kinderensemble der Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg sowie die Indie Rockband „ROBKE“ auf.

Im Museum Kesselhaus Herzberge, Herzbergstraße 79, spielt das Jazzduo „Helmut Engel & Roberto Badoglio“, auf dem Nöldnerplatz gibt es den „Nölli Sound Shake“, Alternative Pop mit „Daremo“ und auf der Bühne in den B.L.O. Ateliers, Kaskelstraße 55, sind „The Allers, The Hans + 2 special guests“ zu erleben.

Marzahn-Hellersdorf wird gerockt

Auch im Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf wird es etwas lauter als sonst üblich: Beispielsweise rockt es im Klinke Garten, Bruno Baum Str. 56, bei Punkadelic Rock mit den „Bacaps“. Auf dem Balzerplatz, Köpenicker Str. 184, erklingt unter anderem Metal / Punkrock mit „Ventil“, ja das muss mal sein, liebe Kaulsdorfer Eigenheim-Besitzer ;-). Und im Betonia, Wittenberger Str. 78, treten u.a. „The Roxters“ mit Reggae Rock und „Imbiß“ mit Punk auf. Yeah! Für alle Bühnenstandorte gibt es übrigens Ausnahmegenehmigungen, was den Lärmpegel betrifft. „Aber die Akzeptanz für die Fête ist bei den Berlinern erfreulich hoch“, sagt der Musik-Enthisiast. Es sei so ziemlich das letzte nichtkommerzielle, öffentliche Fest in der Stadt. Bis 22 Uhr kann im Freien musiziert werden, dann geht es in den Klubs weiter – oft open end. Für alle spontanen Straßenmusikanten gelten drei wichtige Regeln: Die Musik darf nicht elektrisch verstärkt werden, nach spätestens 60 Minuten müssen sie den Ort wechseln und der alte Spielort muss sauber verlassen werden.

Organisation in Rekordzeit

Im vergangenen Jahr kamen insgesamt etwa 120.000 Besucher zu den berlinweiten Veranstaltungen. Und das dürfte nicht übertrieben sein, denn pro 150 Zuhörer/Zuschauer werden 23,50 Euro GEMA-Gebühren fällig. „Na ja, es gibt einige Rabattmöglichkeiten“, meint Björn Döring. Die Musiker auf den offiziellen Bühnen braucht das nicht zu kümmern, denn die Musicboard Berlin GmbH als landeseigener Veranstalter zahlt. Erst kurz vor Weihnachten 2017 hatte das Berliner Abgeordnetenhaus die Fête de la Musique im Landeshaushalt 2018/19 verankert. Bis es vertragliche Planungssicherheit gab und Björn Döring loslegen konnte, war es Ende Januar 2018. Seine ersten Team-Mitglieder stießen Mitte März dazu. In der Rekordzeit von effektiv nur zweieinhalb Monaten haben sie gemeinsam die Organisation gestemmt.

Mit allen Wassern gewaschen

Aber Döring hat reichlich Erfahrung und ist kein unbeschriebenes Blatt: Schon von 1997 bis 2001 arbeitete er an der Vorbereitung der Fête mit. Zuvor schrieb er als freier Journalist unter anderem für Rolling Stone, Intro Musikmagazin, Berliner Zeitung, Tagesspiegel und taz. Der Kulturmanager organisierte mit „popdeurope“ sein eigenes Festival im Haus der Kulturen der Welt und holte zum Beispiel mit dem „popkick.2006“ eine Viertelmillion Menschen zum Public Viewing in den Treptower Park. Vier Jahre lang leitete er die Berlin Music Week, eine Kombination aus Musik-Festival und Konferenzveranstaltungen. Der zugezogene Alt-Hohenschönhausener ist Vorsitzender des Fördervereins Obersee und Orankesee, der das jährliche Seenfest zum Sommerausklang auf die Beine stellt.

Schließlich gründete er 2015 seine eigene Firma, die buero doering – Fachhandel für Ereignisse GmbH, bei der er geschäftsführender Gesellschafter ist.

Der Kurator der Fête de la Musique spielt selber als Schlagzeuger in der Band „Komponistenviertel“ und hat kurzfristig erfahren, dass er am 21. Juni auch mit ran muss im Café Mirbach, Behaimstraße 64 in Weißensee.

Was dem Veranstaltungsmanager noch am Herzen liegt, ist das gemeinsame Singen um 19 Uhr auf allen Bühnen. Er selbst wird daran im Lustgarten teilnehmen, wo der Berliner Chorverband beim gerade stattfindenden European Cultural Heritage Summit singen wird.

„Ich lade alle und allerorts herzlich zum Mitmachen ein“, sagt er, denn so entstehe eine tolle Atmosphäre des Miteinanders. Drei Titel sollen stimmgewaltig erklingen: John Lennons „Imagine“, die Ode an die Freude und Oasis – „Don’t Look Back In Anger“. „Das Fest, das in ganz Europa begangen wird und aus einer kleinen, aber genialen Idee entstanden ist, kann sehr viel bewirken“, so Björn Döring.

Alle Bühnen und Acts gibt es hier: Fête de la Musique

 

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