Maskenpflicht im ÖPNV: Soziale Kontrolle in Bus und Bahn

Nur wenige blieben nackig

28.04.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf/Lichtenberg/Berlin. Wer nackig ist, schämt sich unter lauter Angezogenen. So ähnlich erging es am Montag, 27. April, wohl denen, die trotz an diesem Tag gestarteter Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), LiMa+ berichtete, auf einen Mund- Nasen-Schutz verzichteten. Denn fast alle Fahrgäste hatten in Bussen und Bahnen, so wie gefordert, das Gesicht vom Kinn bis über die Nase verhüllt. Der Sinn: Somit in Corona-Zeiten andere vor den eigenen Tröpfchen-Ausscheidungen schützen. Macht der andere das dann ebenso, ist man selbst auch geschützt – das Ansteckungsrisiko mit dem Virus kann so minimiert werden.

BVG: Mehr als 95 Prozent halten sich an die Vorgaben

Wer aber hätte wirklich gedacht, dass die ewig meckernden und aufmuckenden Berliner so diszipliniert sein können? Immerhin hatte es bis dato heiße Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der ÖPNV-Maskenpflicht gegeben. Nun aber folgten fast alle den Vorgaben. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schätzten, dass sich am Montag deutlich mehr als 95 Prozent aller Kunden an die Regeln hielten. Verpflichtend sind übrigens keine medizinischen Schutzmasken, als ausreichend gelten einfache OP-Masken oder genähte Modelle. Auch ein Schal oder ein Tuch werden als Schutz akzeptiert.

Vorwurfsvolle Blicke

Die Einschätzung der BVG deckt sich mit unserer Stichprobe. Von Biesdorf- Nord sind wir mit Bus und U-Bahn am Montagvormittag zum Alexanderplatz gefahren. Dort haben wir einen Abstecher in das auf 800 Quadratmeter wieder geöffnete Kaufhaus Galeria Kaufhof gemacht und die Schlange vor dem ebenfalls auf 800 Quadratmeter geöffneten Saturn-Markt betrachtet. Von dort ging es zurück mit der Straßenbahn der Linie M6 und dann mit dem Bus 191 ab Busbahnhof Marzahn. Egal ob Bahn oder Bus – es waren dort nur verschwindend wenige Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz unterwegs. Und das, obwohl die BVG nicht kontrolliert und es auch keine Bußgelder gibt. Die soziale Kontrolle funktionierte allerdings umso besser: Denn stieg doch jemand ohne Bedeckung ein, erntete sie oder er vorwurfsvolle, teilweise auch bitterböse Blicke.

Teilweise fantasievolle Bedeckungen

Das Outfit der Fahrgäste hielt sich die Waage. Etwa die Hälfte trug einfachen weißen oder hellgrünen OP-Mundschutz. Andere hatten textile Masken aufgesetzt –selbst genäht oder gekauft bzw. geschenkt bekommen. Vom Blümchenmuster über Schottenkaros und wiegenden Palmen im Wind war viel Abwechslung dabei, es gab rote, blaue und gelbe Textilmasken. Sogar eine Reminiszenz an den guten alten VW Bulli war zu sehen – orange, grüne und lila Kleinbusse aus der Hippie-Zeit waren auf dem Stoff verewigt. Pech hatten an diesem warmen Tag jene, die dicke Strickwaren um Mund und Nase hatten – ein junger Mann schwitzte sichtlich unter seinem Eisbären-Schal.

Kostenlose Abgabe an Bedürftige

Wer bisher noch keinen Mund-Nasen-Schutz besitzt und sich aus finanziellen Gründen auch keinen besorgen kann, dem soll nun geholfen werden: Das Land Berlin wird in dieser Woche rund 147.000 Masken über die Bezirksämter verteilen. In Marzahn-Hellersdorf werden bereits seit Montag an der Pforte Rathaus Alice-Salomon-Platz 3 für jede Person kostenlos bis zu zwei Masken abgegeben. Ab Dienstag, 28. April, wird auch in den Dienstgebäuden Riesaer Straße 94, Premnitzer Straße 13, Janusz-Korczak-Straße 32 und Helene-Weigel-Platz 8 Mund-Nasen-Schutz verteilt. Alle Masken sind aus festem Stoff und können (nach Waschen und Desinfizieren) wiederverwendet werden. In Lichtenberg werden solche textilen Masken, ebenfalls bis zu zwei Stück pro Person,  vom 28. bis zum 30. April jeweils von 12 bis 18 Uhr im Bürgeramt 2, Normannenstraße 1-2 (gegenüber dem Rathaus) ausgegeben. Solange der Vorrat reicht. Eine erste Lieferung sei am Montag erfolgt, weitere sollen folgen, teilte das Bezirksamt mit. Diese Masken seien vorrangig für Personen gedacht, für die der Kauf einer eigenen Maske eine besondere Härte bedeute und die auf den ÖPNV angewiesen seien.

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