Drinnen + draußen

Es herbstet

11.11.2018, Linna Schererz

Fotos: Linna Schererz

Nachdem es von Ende April bis Oktober scheinbar ununterbrochen Sommer war, ist nun der Herbst eingezogen. An Bäumen hängen goldgelbe oder braune Blätter, viele sind auch schon heruntergefallen. Die Stadtreinigung, private Hausbesitzer und Kleingärtner sind in diesen Tagen emsig bemüht, das Laub von Plätzen, Gehwegen und Beeten zu harken – ab damit auf den Kompost. Laub wird zu Erde, zu Asche, zu Staub – irgendwann. Zunächst liegt es auf dem Komposthaufen oder findet Platz im Schnellkomposter. Und wer sich um die Tierwelt sorgt, lässt auch etwas liegen. Damit beispielsweise Igel einen geeigneten Platz für ihren Winterschlaf finden.

Kaum ziehen die ersten Nebel auf, scheint die Sonne mal einen Tag nicht, meckern wir wieder. Alles sei grau und feucht, ihn fröstele, schreibt ein Freund auf Facebook. Und lässt die Welt an seinem Missvergnügen teilhaben. Er bemüht Heinrich Heine und dessen Worte vom traurigen Monat November, wo die Tage trüber werden. Dabei gab es erst zum Monatsanfang die Meldung vom wärmsten Novembertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland.

Streit ohne Zorn

In Irland und Großbritannien, so lassen es uns einschlägige Reiseführer wissen, beginnt so ziemlich jedes Gespräch mit dem Wetter. Die Menschen reden darüber, ständig, pausenlos. Vielleicht, weil das Wetter so selten den eigenen Erwartungen entspricht. Oder weil es ein unverfängliches Thema ist, über das man ohne Zorn streiten kann. Vielleicht aber auch, weil man es nicht selber beeinflussen kann. Man muss es hinnehmen.

Natürlich kann man seine Wünsche äußern. Doch ob die wahr werden? Besagter Facebook-Freund will Sonne, möglichst bis Weihnachten und darüber hinaus. Mir wäre eine ganze Woche (oder sogar zwei) mit ergiebigem deutschen Landregen lieber. Damit endlich mal die ausgetrockneten Böden gesättigt werden und sich die Gewässer wieder füllen. Schon gehört, dass die Spree an manchen Stellen jetzt aufgrund der Wasserknappheit rückwärts fließt?

Für den Winter wünsche ich mir natürlich Schnee, möglichst gleich zu Heiligabend. Schon gewusst, dass die Inuit hundert Worte für Schnee kennen, die Schotten laut wissenschaftlichen Untersuchungen sogar 421? Mir würde ja eins reichen, wenn ich damit die Flockenpracht pünktlich zum Fest nach Berlin locken könnte.

Gemütlich im warmen Zimmer

Doch bis dahin ist noch Zeit. Genießen wir erst einmal den Herbst – manchmal mit Sonne und lauer Luft, gelegentlich auch mit stürmischem Wind und hoffentlich endlich einmal auch mit ausgiebig Regen und trüben Tagen. Dann nämlich haben wir eine gute Ausrede, wenn wir es uns im warmen Zimmer gemütlich machen, mit Tee und Plätzchen und einem guten Buch. Ist doch auch etwas Schönes, oder?

 

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