Der Förderverein von Schloss Biesdorf feiert 15. Jubiläum

Es begann mit einem Brief

20.08.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Biesdorf. Nach aufwändiger, denkmalgerechter Sanierung wird Schloss Biesdorf am Freitag, 9. September, feierlich als Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum (ZRK) wiedereröffnet. Von 14 bis 21 Uhr gibt es im Haus bei freiem Eintritt ein Programm für die Öffentlichkeit. In der spätklassizistischen Turmvilla von Heino Schmieden werden künftig Bilder gezeigt, ehemalige sogenannte DDR-Auftragskunst aus dem Kunstarchiv Beeskow im Zusammenspiel mit zeitgenössischen Werken. Bereits ab dem Eröffnungstag ist die erste Exposition „Auftrag Landschaft“ zu sehen. Nach Mitteilung der Grün Berlin GmbH, die im Auftrag des Bezirks künftig das Schloss betreibt, werden dort „botanische Experimente auf raumgreifende Installationen, Soundarbeiten auf Druckgrafik und Schwarz-Weiß-Fotografien“ treffen. Man darf gespannt sein.

Hilfe vom Bundespräsidenten
Dass das Biesdorfer Schloss, 1867/68 erbaut und einige Jahrzehnte von der Familie Siemens bewohnt, nun zu einem Kunstort wird, der nicht nur die Anwohner anziehen soll, sondern auch ein überregionales Publikum, ist vor allem dem Verein mit dem sperrigen Namen „Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V.“ zu verdanken. Dieser begeht am 6. September sein 15. Gründungsjubiläum, gefeiert wird am 11. September – selbstverständlich im Schloss. Den Ehrenamtlichen gelang es mit großem Enthusiasmus, Einfallsreichtum, viel Arbeit und Beharrlichkeit, das an eine italienische Villa erinnernde Gebäude im Park an der Bundesstraße 1 Alt Biesdorf (beide sind denkmalgeschützt) vor dem Verfall zu retten. Denn nach einem Brand in den letzten Kriegstagen im April 1945 war das Obergeschoss abgetragen worden, der restliche Schlosskörper wurde nur provisorisch wiederhergerichtet. Das Haus stand zwar nie leer. Es wurde zu DDR-Zeiten u.a. als Kreiskulturhaushaus genutzt, nach 1989 als soziokulturelles Zentrum. Das Gebäude war aber lange Jahre dem Verfall ausgesetzt, weil die notwendigen Investitionen ausblieben. „Ein Brief einer Lehrerin aus Biesdorf an den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau hat im Jahr 2000 den Anstoß zur Rettung gegeben“, erzählt der heutige Vorsitzende des Schlossvereins, Heinrich Niemann, früher Baustadtrat in Marzahn-Hellersdorf.

Besorgt über den Verfall
Monika Berndt (74), die nahe dem Schloss wohnt, ist heute Rentnerin und Vereinsmitglied. Vor 15 Jahren unterrichtete sie noch in Reinickendorf Geschichte und Sport. Sie erzählt, dass sie sich immer über den Anblick des Hauses geärgert hatte, das von Jahr zu Jahr unansehnlicher wurde. Zwar hatten der Heimatverein, der Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis und der freie Träger Ball e.V. bereits 1998 in Vorbereitung auf die 625-Jahr-Feier von Biesdorf bereits ein Sofortprogramm unter dem Motto „Biesdorf braucht sein Schloss“ gestartet, wobei Geld-, Sach- und Bauleistungen in Höhe von mehr als 77.000 Euro für die dringendsten Reparaturen zusammenkamen. Doch damit war der bauliche Verfall nur gestoppt, nicht beseitigt. Deshalb wandte sich Monika Berndt an die höchste Macht im Staat. In ihrem Brief an Johannes Rau hieß es: „Seit zehn Jahren hat sich unser Biesdorf verändert, dass man stolz sein kann. Trotzdem wendet sich eine heimische Lehrerin in Sorge um das Biesdorfer Schloss an Sie. …Die baulichen Mängel sind inzwischen so offenbar, dass für das Schloss das letzte Stündchen wohl bald geschlagen hat, wenn nicht Hilfe kommt. Werter Herr Präsident. Ich bitte Sie, verlieren Sie unser Biesdorfer Schloss nicht aus den Augen, und vielleicht sehen Sie Möglichkeiten, es vor der Vernichtung zu retten.”

Verein sammelte Spenden und wurde Bauherr
Und tatsächlich half der Präsident: „Er hat den Kontakt zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz hergestellt, deren Schirmherr er war“, erinnert sich Heinrich Niemann. Diese wurde wie auch die Lottostiftung und die EU (EFRE-Fonds) in den kommenden Jahren zu einem der bedeutenden Fördermittelgeber. Insgesamt 10,3 Millionen Euro flossen für die denkmalgerechte Wiederherstellung des Schlosses, darunter auch Mittel des Bezirks. Viel hat jedoch auch der 2001 gegründete Schlossverein beigetragen. Er sammelte Geld bei Unternehmen, Einrichtungen und Bürgern. Mehr als 200.000 Euro kamen dabei zusammen. Beim ersten Abschnitt, der denkmalgerechten Sanierung der Außenhülle in den Jahren 2002-2007 fungierte der Verein unter seinem ersten Vorsitzenden Günter Peters (1928-2013), Architekt und ehemaliger Ost-Berliner Stadtbaurat, sogar als Bauherr. „Das war immerhin ein Vorhaben mit einem Volumen von 1,64 Millionen Euro“, sagt Heinrich Niemann. Monika Berndt ist gespannt auf die Wiedereröffnung: „Ich bin glücklich, dass unser Schloss heute wieder so schön aussieht“, sagt sie. „Es ist wirklich ein richtiges Kleinod geworden.“

Förderung von Begegnungen
Mit dem Abschluss der Sanierung, in deren Rahmen auch das zerstörte Obergeschoss wieder aufgebaut wurde, hat sich ein Vereinszweck quasi erledigt. Sieht man einmal davon ab, dass der Turm noch nicht begehbar ist und man dafür noch zusätzliche Mittel bräuchte, wenn man das ändern möchte. „Bleibt aber das in der Satzung festgeschriebene zweite Ziel“, sagt Heinrich Niemann: Die Förderung von Begegnungen. Bereits in den zurückliegenden Jahren waren Ausstellungen, Führungen, Vorträge und Exkursionen, u.a. zusammen mit der Volkshochschule, organisiert worden. Zudem hat der Verein zahlreiche Publikationen herausgegeben, darunter die derzeit vergriffene Broschüre „Zur Geschichte des Denkmalsensembles Schloss und Park Biesdorf“. Hervorzuheben ist die vom Verein unterstützte umfangreiche Biografie von Dr. Oleg Peters „Heino Schmieden – Leben und Werk des Architekten und Baumeisters“, LiMa+ berichtete.

Ehrenamtliche Unterstützung angeboten
Auch künftig will der Verein daran mitwirken, das Schloss als Kunstort zu beleben. „Wir haben dem neuen Betreiber, der Grün Berlin, unsere ehrenamtliche Mitwirkung bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen angeboten“, sagt Heinrich Niemann. Vertraglich festgehalten sei das zwar nicht, aber es habe schon entsprechende Gespräche gegeben. „Es wäre ja auch schade, wenn man bürgerschaftliches Engagement nicht nutzen würde“, sagt er. Zur Eröffnung am 9. September will der Verein der neuen Hausherrin, der ZRK-Direktorin Katja Aßmann ein besonderes Präsent überreichen – ein Porträt des Schlossarchitekten, das von der Familie Schmieden als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wird. Zudem wird gegenwärtig ein kurzer Film über den Wiederaufbau und ein Schlosskalender vorbereitet.

Letzter Vortrag vor der Schloss-Eröffnung:
Am Montag, 22. August, um 18 Uhr lädt der Verein Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V. um 18 Uhr ins Stadtteilzentrum Biesdorf ein, Alt-Biesdorf 15. Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Marlene Heidel hält einen Vortrag über „Kunst aus der DDR und das kollektive Gedächtnis. Perspektiven für ein dynamisches Erinnern.“ Eintritt: 4 Euro.

 

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