Der Heimatgeschichte nachgegangen

Erstmals Forschungen zum Sport

06.03.2014, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel. Bitte klicken Sie zum Vergrößern auf das Bild.

Marzahn-Hellersdorf. Um die Entwicklung des Sports auf dem Territorium des heutigen Bezirks Marzahn-Hellersdorf soll es beim 13. Tag der Regional- und Heimatgeschichte am 15. November gehen. Das kündigte Wolfgang Brauer, Mitglied des Abgeordnetenhauses (Linke) und Vorsitzender des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf, an. Der Verein mit 144 Mitgliedern, darunter 37 Unternehmen, Schulen und Vereine, habe zwar schon viele Themen zur Historie des Bezirks bearbeitet: “Aber das Thema Sport war noch nie dabei”, sagt der frühere Geschichtslehrer. Bei ihren Forschungen wollen die ehrenamtlichen Historiker mit dem Bezirkssportbund und dem Sportmuseum, das sich in einer ehemaligen Schule in der Eisenacher Straße befindet, kooperieren.

“Zerstörte Vielfalt”
Im vergangenen Jahr, dem Themenjahr “Zerstörte Vielfalt”, hatte sich der Heimatverein insbesondere mit der Zeit der NS-Diktatur  beschäftigt. Dabei wurde nicht nur der Widerstandskämpfer und der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, sondern Aufsätze und Vorträge gingen auch der Frage nach, wie es geschehen konnte, dass die Nationalsozialisten viele Menschen für ihre Ideologie gewannen. Bereits im Mai 1926, schrieb Waltraut Käß in einem Beitrag unter dem Titel “Wider das Vergessen”, hatte sich in Kaulsdorf eine Sektion der NSDAP formiert. Diese war eine der ersten in Berlin und sie bildete gleichzeitig den SA-Trupp 20, der in ganz Berlin als Saalschutz und Rollkommando eingesetzt wurde. Seinen Ursprung hatte er dieser in der in Kaulsdorf gebildeten „Ortsgruppe 22“ des „Frontbanns“, der bereits in den Jahren 1924/25 entstand. Die Mitglieder kamen nicht nur aus Kaulsdorf, sondern auch aus Biesdorf, Mahlsdorf, Hellersdorf, Marzahn, Dahlwitz und Neuenhagen.

“Breit entwickelte Gedenkkultur”
Laut Brauer hat Marzahn-Hellersdorf eine breit entwickelte Gedenkkultur – erst am 30. April vergangenen Jahres war die Open-Air-Ausstellung zum Lager Kaulsdorfer Straße 90 eröffnet worden, dem größten von mindestens 30 NS-Zwangsarbeiterlagern in Kaulsdorf-Süd. Es gibt weitere Gedenkorte an die Opfer der Naziherrschaft, Gedenktafeln und inzwischen auch einige Stolpersteine, die an vertriebene, deportierte und ermordete Juden erinnern. “Was wir aber nicht haben, ist eine materialisierte Erinnerung an jene, die geholfen haben”, sagt Brauer. Zum Beispiel an jene Menschen, die den späteren Schauspieler Michael Degen und seine Mutter, beide jüdischer Abstammung, vor der Deportation bewahrten und in Kaulsdorf versteckten. “Darüber und auch über die Idee, ob es nicht einen zentralen Gedenkort geben sollte, wird weiter diskutiert werden”, sagt Brauer.

Marzahner Mühlen-Jubiläum
Auch ein Jubiläum steht 2014 auf dem Plan – die Marzahner Mühle wird 20. Die Bockwindmühle an der Landsberger Allee/Allee der Kosmonauten wurde am 12. Mai 1994 eingeweiht, bereits am 5. Mai desselben Jahres wurde der Marzahner Mühlenverein gegründet. Der Müller ist übrigens immer noch der selbe: Jürgen Wolf, der sich  gern als “Mühlenwolf” bezeichnet. Zum Mühlen-Jubiläum wird es eine Sonderausstellung im Bezirksmuseum geben, die am 11. Mai eröffnet werden soll.

Wenig zufrieden mit Museums-Ausbau
Nicht ganz glücklich sei der Heimatverein über den Ausbaustand des zweiten Gebäudes für das Bezirksmuseum im Dorf Marzahn, so Brauer. Das, die ehemalige Heinz-Lüdecke-Bibliothek, wurde 2012 eröffnet. Dort wird die Ausstellung “Marzahn-Hellersdorf von den Anfängen bis 1970” gezeigt, die den ersten Abschnitt der Dauerausstellung zur Geschichte des Bezirks und seiner Ortsteile darstellt. “Das Dachgeschoss muss noch ausgebaut werden”, sagt Brauer. Dort soll dann der zweite Teil der Dauerausstellung, die “Geschichte der Platte”, präsentiert werden.

Schade, dass das noch Zukunftsmusik ist, denn 2014 wird auch das 35. Gründungsjubiläum des Bezirks Marzahn begangen. Im Rahmen der Marzahn-Hellersdorfer Gespräche zur Heimatgeschichte wird sich am 9. April um 18 Uhr der erste Marzahner Bürgermeister, Gerd Cyske, im Gespräch mit Wolfgang Brauer an die Anfangsjahre erinnern – im Haus 1, der ehemaligen Dorfschule auf dem Anger, Alt-Marzahn 51.

Weitere Infos: www.heimatverein-marzahn-hellersdorf.de

Foto 1: Open-Air-Ausstellung zum Lager Kaulsdorfer Straße 90
Foto 2: Vorstandsmitglieder des Heimatvereins bei der Jahrespressekonferenz: Claas Reise, Wolfgang Brauer und Rainer Rau (v.l.n.r.)
Foto 3: Bockwindmühle an der Landsberger Allee/Allee der Kosmonauten
Foto 4: Müller Jürgen Wolf

 

 

 

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