Erinnerung an Opfer der Märzkämpfe

11.03.2019, Pia Szecki

Lichtenberg. Am Mittwoch, 13. März, um 15 Uhr gedenken das Bezirksamt und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) der Märzkämpfe 1919 und erinnern damit an das Geschehen und die Opfer vor 100 Jahren. Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke), die Vorsitzender der VVN-BdA Lichtenberg, Erika Rathmann, der Historiker Dietmar Lange sowie Schülerinnen und Schüler der Schule am Rathaus gestalten die Veranstaltung. Musikalisch begleitet wird sie von der Akkordeonistin und Sängerin Isabel Neuenfeldt.

Ort der Gedenkveranstaltung ist die Mauer des ehemaligen Lichtenberger Gemeindefriedhofs im heutigen Rathauspark an der Möllendorffstraße 4. Dort, an der so genannten Blutmauer, wurden am 12. und 13. März 1919 zwölf Menschen ermordet, darunter auch zwei Minderjährige. Ihnen wurde die Teilnahme an der Märzkämpfen vorgeworfen. Grundlage der politischen Morde war der nach einer Falschmeldung über 60 ermordete Polizeibeamte in Lichtenberg von Reichswehrministers Gustav Noske erlassene „Schießbefehl“. Er lautete: „Jede Person die mit der Waffe in der Hand gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen.“

Hintergrund: Lichtenberg wurde im März 1919 zum Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen sowie regierungstreuen Freikorps. In der Folge eines Generalstreiks, der von der Regierung seit November 1918 nicht erfüllte politische Veränderungen einfordert, kommt es Anfang März zu bewaffneten Kämpfen in der Stadtmitte. Plünderungen sind Ausdruck der verzweifelten Versorgungs- und Lebenslage der armen Bevölkerung. In dieser zugespitzten Atmosphäre erklärt das Preußische Staatsministerium den Belagerungszustand. Militärische Kräfte werden eingesetzt, die die Aufständischen in den Osten Berlins abdrängen. Angeheizt wird der Konflikt durch den angeblichen Mord an 60 Lichtenberger Polizeibeamten. Diese falsche Pressemeldung nimmt Reichswehrminister Gustav Noske zum Anlass, einen durch kein Gesetz gedeckten Schießbefehl zu erlassen.

Die damals noch selbständige Stadtgemeinde Lichtenberg, deren westliche Grenze in der Nähe der Warschauer Straße verläuft, wurde zu einem kriegsähnlichen Schauplatz, bei dem Geschütze und sogar Flugzeuge zum Einsatz kamen. Am 12. März bricht der Widerstand der Aufständischen an der Kreuzung Frankfurter Allee/ Möllendorffstraße zusammen, am 13. März ziehen regierungstreue Truppen in Lichtenberg ein. An den Auseinandersetzungen Beteiligte, aber auch nur diesem Verdacht ausgesetzte Denunzierte, ebenso wie Unbeteiligte, geraten in die Gewalt der Militärs. Sogenannte Standgerichte verurteilen eine unbekannte Anzahl von Menschen zum Tode und richteten sie willkürlich hin. Eines dieser Gerichte hat sich im Gasthof „Schwarzer Adler“ an der Ecke Frankfurter Allee/ Gürtelstraße einquartiert. An der diesem Lokal gegenüberliegenden Mauer des Gemeinde­friedhofs von Lichtenberg werden am 12. und 13. März nachweislich 12 Menschen ermordet.

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