In der Freiwilligenagentur engagieren sich rund 3.000 Menschen

Erfolgsgeschichte mit dem Ehrenamt

17.12.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey (1), Birgitt Eltzel (2-4)

Marzahn-Hellersdorf. David Zickendraht gehört zu den Menschen im Bezirk, die sich ehrenamtlich engagieren. „Es gibt viele Dinge, die mir nicht gefallen, die ich aber ändern möchte“, sagt der 37-Jährige. Ideen hat der selbstständige Softwareberater viele: Etwa für Projekte, durch die mehr Einheimische in die Natur und in ihren Kiez gelockt werden oder Vorhaben, bei denen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt stehen. „Zum Beispiel ungezwungen Theater spielen oder Trommeln oder Basteln“, zählt der aus Bayern stammende und mittlerweile in Marzahn Lebende auf. Zufällig entdeckte er Anfang des Jahres den Schriftzug „Freiwilligenagentur“ in einer Ladengalerie am Helene-Weigel-Platz. Er ging hinein und fand in dem großzügigen Büro genau die richtigen Ansprechpartner. Sie hörten sich seine Pläne an und beschrieben ihm Möglichkeiten sie umzusetzen.

In der “Märchenpagode”

Inzwischen ist David Zickendraht mittendrin in seiner ehrenamtlichen Arbeit. Mit Gleichgesinnten initiierte er unter anderem die „Märchenpagode“ am Parsteiner Ring. Einmal wöchentlich trifft er sich dort mit Kindern, entwickelt mit ihnen kleine Theaterstücke und leitet ebenso einen Trommel-AG an der Wilhelm-Busch-Grundschule. „Ich bin glücklich, bei dieser ehrenamtlichen Arbeit und freue mich, dass es den Kindern Spaß macht und ich mit meiner positiven Energie auch andere Erwachsene anstecken konnte, die sich ebenfalls im Wohngebiet engagieren“, erklärt er. Finanzielle Unterstützung gibt es aus dem Bundesprojekt „Partnerschaft für Demokratie“.

Ansprechpartner für freiwillige Helfer

Vermittelt hat das die Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf. Aber das ist nur ein Beispiel von vielen Initiativen der zurückliegenden zehn Jahre. Genauso lange gibt es die Agentur im Herzen des Großbezirks. Geleitet wird sie von Jochen Gollbach: Einem sympathischen Sozialwissenschaftler, den Bürgermeisterin Dagmar Pohle 2008 bat, ein Gremium für Menschen zu schaffen, die ein Ehrenamt ausüben möchten. Gleichzeitig sollte es ein Ansprechpartner für Einrichtungen, Organisationen und Vereine sein, die Freiwillige suchen.

350 Kooperationspartner

Zusammen mit vier Kolleginnen wurde zunächst ein Konzept erarbeitet, sich mit der Landesfreiwilligenagentur und den „Sternenfischern“ aus Köpenick beraten und im Oktober 2009 gingen dann die Marzahn-Hellersdorfer an den Start. „Zur Eröffnung konnten wir bereits 50 Kooperationspartner präsentieren, die Bedarf an Ehrenamtlichen hatten und praktisch sofort mit der Vermittlung beginnen“, erinnert Jochen Gollbach. Schnell wuchs auch die Datei mit interessierten Helfern. Zunächst kam vor allem Laufkundschaft ins Büro. Jetzt läuft die Akquise meistens über soziale Medien. Zudem bringen nun sechs festangestellte Mitarbeiter diejenigen, die Hilfe brauchen und diejenigen, die sich dafür anbieten zusammen. Dass es eine Erfolgsgeschichte für beide Seiten ist, macht die Statistik deutlich: Mehr als 3.000 Ehrenamtliche sind in Marzahn-Hellersdorf registriert. Und es gibt rund 350 Kooperationspartner.

Koordinierung für “Nacht der Solidarität”

Momentan boomt die Hilfsbereitschaft gerade wieder: Viele haben sich gemeldet, um bei der „Nacht der Solidarität“ in Berlin mitzumachen. Zwischen dem 29. auf den 30. Januar findet erstmals in der Hauptstadt die Zählung obdachloser Menschen statt. „Im Auftrag des Senats koordinieren wir alle Helfer für dieses Projekt“, berichtet der Agentur-Chef. Das sei eine Anerkennung, aber gleichzeitig eine große Herausforderung. Und dann sagt er: „Schließlich haben wir 2017 mit unseren Volunteers bei der IGA bewiesen, dass wir es drauf haben.“ Eine Hilfe-Welle gab es ebenso 2012 als der Bundesfreiwilligendienst eingeführt wurde und 2015 weil so viele Flüchtlinge kamen.

Mehr Projekte von Bürgern für Bürger

Rückblickend findet Jochen Gollbach, sei das soziale Engagement in Organisationen in den vergangenen zehn Jahren konstant geblieben. Zugenommen habe dagegen freiwillige Hilfe bei bestimmten Anlässen und es gebe mehr Projekte von Bürgern für Bürger. In Naturschutz-Vorhaben steigen beispielsweise zunehmend mehr Menschen ein. Die meisten Ehrenamtlichen gehören zur Generation 50 Plus – doch auch der Anteil der unter 30-Jährigen sei ganz gut. „Etwa die Hälfte der Leute, die sich bei uns meldet, weiß sofort genau, wie sie sich einbringen möchte“, sagt der Agentur-Leiter. Durch ausführliche Gespräche werde ebenfalls für die anderen etwas Passendes gefunden.

Jochen Gollbach wünscht sich für die Zukunft, dass noch mehr Marzahn-Hellersdorfer erkennen, dass die Umgebung, in der sie wohnen, auch durch sie gestaltet werden kann.Finanziert wird die Freiwilligenagentur mit Mitteln aus dem Bezirkshaushalt und seit 2018 zusätzlich durch das Land Berlin.

Weitere Informationen zur Freiwilligenagentur Marzahn-Hellersdorf, Helene-Weigel-Platz 6 unter Telefon 76 23 65 00 oder www.aller-ehren-wert.de

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