Eine aufregende und bewegende Begegnung im Tierpark Berlin

Eisbärin Tonja stellt ihr Baby vor

16.03.2019, Volkmar Eltzel

Fotos und Film: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Friedrichsfelde. Zuerst kam Mama Tonja am Freitag, 15. März, um kurz nach 10 Uhr aus der Eisbärenhöhle im Tierpark Berlin. Wohl um zu sehen, ob die Luft rein ist. Als sie die Horde wartender und mit Kameras „bewaffneter“ Journalisten sah, machte sie prompt kehrt und verschwand erst einmal wieder. Anscheinend musste sie drinnen einige Überzeugungsarbeit leisten. Doch dann, nach etwa einer Minute, war es so weit: Das am 1. Dezember geborene Eisbärenbaby ging hinter der Mama hinaus aus der Wurfhöhle ins Freie – und schaute sich neugierig um. Die vielen Menschen und das unzählige Klicken der Kameras (ohne Blitz, danke dafür Kollegen) schien dem kleinen Knäul gar nichts auszumachen. Im Gegenteil: Beinahe schien es so, als ob das Eisbärenmädchen das Interesse genoss und sagen wollte: „Hey, wer seid ihr denn? Ich bin neu hier und komme jetzt öfter!“

Ein Badeausflug mit Schwierigkeiten

Nach einer Weile stieg Tonja die Felsen hinab und nahm ein kühlendes März-Bad. Und schwupp, tat es ihr das Töchterchen gleich. Es blieb ganz nah bei der Mama, schließlich bewegte sich die Kleine auf gänzlich unbekanntem Terrain. Obwohl Insider wissen wollen, dass es vor der „Pressevorführung“ schon einige kleine Testläufe gab.

Wenn man sich in etwas hinein begibt, dann muss man irgendwann auch wieder heraus. Mama Tonja wuchtete ihre 300 bis 350 Kilogramm an einer Stelle problemlos aus dem Wasser, die für das Jungtier eine große Herausforderung war. Mehrmalige Versuche, das nasse Element zu verlassen, scheiterten an der Mini-Klippe. Immer wieder rutschte die Kleine ins tiefe Wasser ab. Flehende Eisbär-Baby-Rufe Richtung Mutter…

Wenn Journalisten mal schweigen…

Im Publikum wurde es mucksmäuschenstill. Und das will bei Presseleuten etwas heißen. Niemand konnte zu Hilfe eilen, auch, wenn unwillkürlich dieser Gedankenreflex bei Vielen entstand. Tonja kam ihrem Kind entgegen, half erst mit der linken Pranke, dann mit einem vorsichtigen Nackenbiss. Doch das Baby entglitt ihr. Instinktiv machte die kleine Eisbärendame das Richtige: Sie schwamm ein Stück und suchte sich einen nicht ganz so steilen Platz, wo sie es endlich schaffte, wieder an Land zu gehen. Ganz schön clever!

Hach, war das anstrengend und aufregend! Erst mal mit Mama ein bisschen kuscheln. Dann einen Schluck nahrhafter Eisbärenmilch – das gibt neue Kraft.

Baby mit eigenem Willen

Wie Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem informierte, hat die kleine Eisbärendame schon ihren eigenen Willen. Konsequent widersetzte sie sich vor ihrem ersten öffentlichen Auftritt den Anstrengungen der Pfleger, sie beim Wiegen und Vermessen einen Moment ruhig zu halten. So kann das Gewicht nur geschätzt werden: zwischen 13 und 15 Kilogramm schwer ist der kleine Wonneproppen momentan. Auch der kleine Impfungs-Pieks durch den Tierarzt erfolgte unter lautstarkem Protest. Dafür wurde in der Wurfhöhle, Tage vor der ersten Erkundungstour in der Außenanlage, bereits intensiv mit dem Ball gespielt, getobt und der Eisbärenmama neckisch ins Fell gebissen.

Foto: 2019 Tierpark Berlin
Eisbärenkurator opferte sein Weihnachtsfest

Der siebenjährige Eisbär Wolodja wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Vater vermutet, denn vor einem Jahr war zwischen Tonja und ihm mehr als ein Techtelmechtel beobachtet worden. Wie bei Eisbären üblich, ist er bei der Aufzucht des Jungtieres nicht involviert und lebt mittlerweile im Zoo Rhenen in den Niederlanden.

Andreas Knieriem bedankte sich bei dem Team der Pflegerinnen und Pfleger für die sehr gute Arbeit. „Mein besonderer Dank gilt dem Eisbärenkurator Dr. Florian Sicks“, sagte der Tierparkdirektor. „Er ‚opferte’ sein Weihnachtsfest, um über das Wohlergehen von Tonja und ihrer Tochter ständig zu wachen.“ Auch Tierpflegerin Andrea Fleischer sowie die Pressesprecher von Tierpark und Zoo Berlin, Christiane Reiss, Maximilian Jäger und Katharina Marie Sperling hätten viel Zeit investiert.

Namensgebung im April geplant

Die Zuschauer waren am Freitag von dem Eisbärenbaby hingerissen. Die flauschigste Bärin der Hauptstadt hat zweifelsohne das Zeug zum neuen Liebling der Berlinerinnen und Berliner zu werden. Im April soll der kleine Wonneproppen einen Namen bekommen. Haben Sie vielleicht eine originelle Idee?

Weitere Informationen unter: www.tierpark-berlin.de

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