1. Advent im Tierpark Berlin

Hertha feiert ersten Geburtstag

02.12.2019, Regina Friedrich

Fotos: Tierpark Berlin (1), Regina Friedrich (2-7)

Friedrichsfelde. Vor einem Jahr, am 1. Dezember 2018, brachte Eisbärmutter Tonja im Tierpark Berlin  ein Junges zur Welt. Damals kaum größer als ein Meerschweinchen, hat die nach einem Berliner Fußballclub Hertha genannte Eisbärin inzwischen ziemlich zugelegt und die 100 Kilo-Marke längst geknackt. Erstmals war das Eisbärbaby im März der Öffentlichkeit vorgestellt worden, LiMa+ berichtete…

Eine große, rote Eins und ein weiß-blauer Fußball, beide aus Eis – das sind die Geburtstagsgaben für die kleine Eisbärin Hertha. Den Fußball haben ihr die Kicker von Hertha BSC spendiert, die Eins ist das Werk der Tierpfleger, die leckeren Fisch, Äpfel, Birnen und Möhren in Rote Bete-Saft eingefroren haben. Punkt zehn Uhr betreten am Sonntag Mutter und Tochter das Freigehege. Kaum beginnen sie, die Geschenke zu begutachten, ertönt ein „Happy Birthday …“ von einigen Zuschauern.

Eisfussball mit Fisch

Der Fußball hat es der kleinen Hertha besonders angetan. Wiederholt versucht sie, darauf zu krabbeln, rutscht aber immer wieder ab. Nach einem Tatzenhieb kullert er dann die Steine herunter und zerbricht. Endlich kommen Tonja und Hertha an den leckeren Fisch im Inneren heran. Während sich die Mutter wieder der eisigen Eins zuwendet, zerlegt Hertha den Ball. Hat da jemand etwa ein Fußball-Gen? Immerhin gibt’s bei dem Berliner Fußballklub eine Frauenmannschaft …

Die kleine Eisbärin ist auch sonst sehr aktiv. Sie bekommt ihr Essen im Tierpark zwar serviert, aber der Jagdinstinkt ist ja trotzdem da. Damit sie diesen trainieren kann, gibt es auf der Anlage Spezial-Eisbärenspielzeug, wie an Seilen hängende Bälle und eine Tonne. Aber die sind heute uninteressant.

In einem Jahr Abschied von Berlin

Ungefähr noch ein Jahr lang können die Berliner die kleine Eisbärenfamilie beobachten. Dann verlässt Hertha die Stadt, vielleicht auch ihre Mutter Tonja, um im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) an einen anderen Zoo abgegeben zu werden. Der Tierpark Berlin beteiligt sich neben dem EEP an 120 Europäischen Zuchtbüchern sowie an zahlreichen nordamerikanischen und Internationalen Zuchtprogrammen. Durch koordinierte Zucht bedrohter Tierarten und Projekte zur Auswilderung und Wiederansiedlung leistet der Tierpark einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Schutz der Artenvielfalt. Der Eisbär wird auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzunion bereits als gefährdete Tierart eingestuft. Zoo und Tierpark Berlin unterstützen die Non-Profit-Organisation „Polar Bears International“, die die gefährdeten Bären in ihrem natürlichen Lebensraum erforscht.

Für Mutter und Tochter würden sich sowieso in der Natur nach zwei oder zweieinhalb Jahren die Wege trennen, den Eisbären sind Einzelgänger. Noch aber genießen die beiden ihre Zweisamkeit.

Eisbären als Botschafter

Die Berliner haben übrigens eine ganz besondere Verbindung zu Eisbären. Nur ein Jahr nach Eröffnung des Zoos 1845 kam der erste Eisbär nach Berlin. Ab 1951 wurde zusammen mit dem Zoo Karlsruhe eine systematische Zuchtgruppe aufgebaut. Im Tierpark waren die Eisbären seit dessen Gründung im Jahr 1955 zu sehen. Weltberühmt wurde der im Berliner Zoo 2006 geborene Knut, der leider nicht einmal fünf Jahre alt wurde und an einer Gehirnentzündung verstarb, die durch eine Autoimmunreaktion verursacht wurde. Der Eisbär war von seiner Mutter verstoßen worden und wurde von seinem ebenfalls verstorbenen Pfleger Thomas Dörflein mit der Hand aufgezogen. Auch deshalb hatte er so viele Fans. Hertha hat eine fürsorgliche Mutter. Diese umhegt und pflegt das Jungtier nach Eisbärenart.

Wie alle Eisbären in Zoologischen Gärten weltweit haben auch Hertha und Tonja eine wichtige Aufgabe: Sie sind nicht nur weltweit Botschafter für ihre bedrohten Verwandten, sondern auch zum Symbol für die Auswirkungen des Klimawandels geworden.

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