Wie ein kleiner Virus große Pläne durchkreuzen kann

Einweihungsparty verschoben

25.03.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn-West. Eigentlich sollte es auf dem Abenteuerspielplatz an der Ahrensfelder Chaussee eine große Einweihungsparty werden am kommenden Donnerstag, 26. März. Politikerinnen und Politiker hatten ihr Kommen bereits zugesagt, Künstler bereiteten sich auf ihre Auftritte vor. Doch ein kleiner Virus machte einen dicken Strich durch die großen Pläne. Alle Spielplätze im Bezirk mussten geschlossen werden. Dazu gehörte auch der Abenteuerspielplatz in Marzahn-West. Nun muss die Einweihung des neuen Veranstaltungshauses, das die Kinder zum Richtfest im Juli 2019 „Villa Akari“ getauft hatten, noch etwas warten. Akari steht übrigens für Abenteuer, kreative Angebote und regionale Impulse.

Es begann mit einer Besetzung

Auf die paar Wochen kommt es auch nicht mehr an, meint der Chef der Spielplatzinitiative, Matthias Bielor. Schließlich lebte die Spielplatzinitiative rund 30 Jahre mit einem Provisorium. In der Wendezeit hatten Eltern einen verlassenen Bauplatz an der Grenze zwischen Hohenschönhausen, Falkenberg und Marzahn-West einfach besetzt. Sie gestalteten ihn zum Abenteuerspielplatz für die Kinder um. In drei Baucontainern waren die Küche, ein Aufenthaltsraum und sanitäre Einrichtungen untergebracht. Zwischen den Containern gab es eine Freifläche, die mit einem Zeltdach überspannt war und genug Platz für viele Freizeitaktivitäten bot. Im kommenden November wird das 30-jährige Bestehen des Spielplatzes gefeiert.

Das Veranstaltungshaus – Gut Ding will Weile haben

2017 bekam die Spielplatzinitiative Marzahn die finanziellen Mittel aus dem Programm Soziale Stadt, um ein Begegnungs- und Veranstaltungshaus zu bauen. Endlich konnten die alten Container weggeräumt werden. Doch mit einem schnellen Baustart war es nichts. Alle Angebote konnten nur unter freiem Himmel – unter einem Zeltdach zwischen einem Bauwagen und dem Lehmofen stattfinden. Dort trafen sich die Kinder zu vielen Erlebnissen. Sie bastelten aus Ästen und Zweigen, die es auf dem großen Gelände zur Genüge gab, kleine Flöße. Aus Gräsern, Blumen und Kräutern wurden kleine Schmuckstücke hergestellt. Ganz hoch im Kurs stand bei den Kids im Sommer die Pizza-Bäckerei.

Im November 2018 gab es einen Lichtblick. Das Fundament wurde gegossen. Im Frühjahr 2019 war dann die Bodenplatte fertig. Zur Freude der Mitstreiter von der Spielplatzinitiative rückten Anfang Juni 2019 die Bauleute an und begannen mit der Montage des Fertigteilhauses.

Villa Akari – der Lernort im Grünen

Bis Mitte März 2020 zog sich der Innenausbau hin. Im Mehrzweckgebäude entstanden die sanitären Anlagen, eine Küche, Umkleideräume, ein großer Gruppenraum und ein Wintergarten. Rund um das Haus wurde eine überdachte Freifläche eingerichtet. Das Dach soll noch begrünt werden. Der „Lernort im Grünen“ könnte eigentlich eingeweiht werden, wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre.

160 Quadratmeter auch für den Winter

„Nun haben wir endlich Räume, die wir auch im Winter für die Arbeit nutzen können“, sagt Matthias Bielor. Der grüne Lernort eignet sich hervorragend für verschiedene Umweltbildungsprojekte, Bastelarbeiten, Bewegungs- und Musikangebote. Das große „Klassenzimmer“ ist für 24 Schüler und ihre Betreuer geeignet. Insgesamt hat das Haus eine Nutzfläche von rund 160 Quadratmetern.

„Früher mussten wir den Platz in den Wintermonaten immer schließen.“ Die milden Temperaturen ermöglichten es erstmals seit vielen Jahren, dass die Kinder in diesem Winter auf dem Abenteuerspielplatz rumtollen konnten. Als Attraktion kam an jedem Mittwoch Anna Freda vom Kinderbauernhof in Eiche (LiMa+ berichtete). Sie brachte abwechselnd Pferde, Esel oder Schafe mit auf den Platz.

Zweimal 70.000 Euro für Projekte

Auch die Finanzierung ist für dieses und das kommende Jahr gesichert. Es stehen jeweils rund 70.000 Euro zur Verfügung. „Damit kann man zwar keine große Sprünge machen“, sagt Matthias Bielor, aber es sei eine gesicherte Grundlage.

Mit dem grünen Lernort sollen Gartenprojekte, Projekte zu Energiegewinnung und zur Solartechnik neu aufgelegt werden. „Wir wollen auch andere Vereine, Schulen aus Marzahn und Hohenschönhausen sowie andere Interessengruppen in die Arbeit einbeziehen“, erklärt der Vereinsvorsitzende. In den vergangenen Monaten kamen schon regelmäßig Kinder aus der Unterkunft für geflüchtete Menschen in Falkenberg, Schüler vom benachbarten Barnim-Gymnasium und Schüler aus einer Grundschule in Hohenschönhausen zum Abenteuerspielplatz. Diese Zusammenarbeit soll weiter ausgebaut werden.

Begründeter Zweckoptimismus

Die Einweihungsfeier für die Villa Akari ist zwar aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Matthias Bielor ist sich ganz sicher, dass in einigen Wochen das Fest um so schöner nachgeholt werden kann. Doch wann es genau so weit sein wird, das kann auch er noch nicht genau sagen. Vorerst bis zum 19. April bleiben die drei Plätze der Spielplatzinitiative geschlossen, so wie alle anderen Spielplätze in Marzahn-Hellersdorf auch.

Über den neuen Termin für die Einweihungsparty wird LiMa+ rechtzeitig informieren.

Weitere Informationen zur Spielplatzinitiative gibt es auf Facebook sowie auf www.Spielplatzinitiative.de


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