Testergebnisse bei Einschulungsuntersuchungen durchwachsen

Arme sind schlechter dran

06.04.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Die jetzt vorliegende Auswertung der Einschulungsuntersuchung 2016/17 zeigt eine alte Wahrheit: Dort, wo der Sozialstatus der Eltern niedriger ist, gibt es auch die meisten Probleme. Darauf machte kürzlich Gesundheitsstadträtin Katrin Framke (parteilos, für Die Linke) bei der Vorstellung der Ergebnisse der Tests aufmerksam. 2.239 Kinder waren dabei erstmals durch den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst untersucht worden.

11 Prozent der Kinder übergewichtig

Positiv zu vermerken ist insgesamt zwar eine rückläufige Tendenz an auffälligen Testergebnissen. So wurde im Bereich Körperkoordination bei jeder zehnten Untersuchung (10,6 Prozent) Auffälligkeiten konstatiert. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 15,6 Prozent gelegen. Ähnlich entwickelten sich auch die Tests bei der visuellen Wahrnehmung, wo der Anteil auffälliger Resultate von ca. 25 Prozent auf etwas mehr als 19 Prozent sank. Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U8 waren von 88,7 Prozent aller in Deutschland geborenen Kinder wahrgenommen worden. Die Impfraten waren überdurchschnittlich im Berliner Vergleich. Bei 8 von 13 Impfungen belegte Lichtenberg den zweiten bzw. dritten Platz unter den zwölf Berliner Bezirken. Auch der Anteil von Kindern mit Untergewicht ist gesunken: Er betrug rund 6 Prozent. Auch das ist laut Framke eine Bestplatzieruung im Berliner Maßstab. Allerdings waren 11 Prozent aller untersuchten Schulanfänger übergewichtig – Platz 8 im Bezirksranking.

Knapp die Hälfte mit Förderempfehlung

Problematisch: Trotz der rückläufigen Quoten bei entwicklungsauffälligen Mädchen und Jungen verringerte sich der Anteil von Kindern mit Förderempfehlung nur geringfügig. Für knapp die Hälfte (48,1 Prozent) aller untersuchten Kinder wurde eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Von diesen hatten 41,6 Prozent einen schulischen Förderbedarf. 6,5 Prozent der Schulanfänger wurde zusätzlich ein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert.

Insgesamt lebte in den Stadtteilen Neu-Hohenschönhausen Nord und Neu-Hohenschönhausen Süd sowie Friedrichsfelde Nord ein vergleichsweise hoher Anteil von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten. Die Quote für schulische Förderung lag in diesen Regionen bei fast 60 beziehungsweise 55 Prozent (Bezirksdurchschnitt 48,1 Prozent). Im Gegensatz dazu betrug diese in der sozial besser gestellten Rummelsburger Bucht 20 Prozent. Beim Nachsprechen von Sätzen beispielsweise wurden in Friedrichsfelde Süd, Neu-Hohenschönhausen Nord und Süd fast jedem fünften Kind Auffälligkeiten attestiert (Bezirksdurchschnitt 12,4 Prozent). In Karlshorst lag die Quote bei 4,5 Prozent.

Eltern und Kinder stärken

Laut Framke wurden im Rahmen der Auswertung der Untersuchungen mehrere Handlungsfelder festgelegt, die künftig als Grundlage für die interdisziplinäre bezirkliche Arbeit dienen sollen. Dazu gehören Kitabesuch, Förderbedarfe, Alleinerziehende, Deutschkenntnisse von Kindern nichtdeutscher Herkunft und Medienkonsum. „Dort wollen wir entsprechende Maßnahmen entwickeln, um die Kindern und ihre Eltern zu stärken“, sagt Framke.

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