Gesundheitsstandort Blumberger Damm

Eine Klinik nur für Senioren

26.01.2019, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. Am Blumberger Damm ist am Freitag, 25. Januar, die ARONA Klinik für Altersmedizin eröffnet worden. Für rund 30 Millionen Euro entstand gleich neben dem Unfallkrankenhaus Berlin ein Krankenhaus, das ausschließlich Senioren behandelt. Und es wird nicht das letzte Projekt auf dem Campus sein.

Auf den Etagen geht es emsig zu: Im Erdgeschoss werden noch schnell die Fenster geputzt, während eine Treppe höher die Handwerker im Einsatz sind. Überall sind lose Kabel zu sehen. Und dennoch hält es den Gesundheitsunternehmer Nikolai Burkart nicht davon ab, schon mal zur großen Eröffnungsparty zu laden. „Ja, einige Arbeiten sind noch offen“, gibt Burkart zu. Doch spätestens Anfang Februar sollen in der neuen ARONA Klinik für Altersmedizin die ersten betagten Patienten aufgenommen werden. Träger ist das Deutsche Zentrum für Geriatrie, dessen Geschäftsführer Burkart ist.

Der Dreigeschosser am Blumberger Damm entstand auf einer jahrelang ungenutzten Brache. Nicht nur aus städtebaulicher, sondern auch aus gesundheitspolitischer Sicht meint Investor Nikolai Burkart eine Lücke geschlossen zu haben. Seinen Angaben zufolge gibt es bundesweit kein vergleichbares Krankenhaus, in dem ausschließlich ältere Menschen behandelt werden – noch dazu, komplett privat finanziert. Und auch in medizinischer Hinsicht soll das neue Haus nahe dem Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) Maßstäbe setzen.

UKB sieht sich als „verlängerte Werkbank“

Die Nähe zum UKB ist bewusst gewählt. Dort werden seit 1997 Patienten mit medizinischen Notfällen versorgt. Knochenbrüche, Herzinfarkte oder Brandverletzungen bestimmen das Tagesgeschäft in der Klinik, die von den Berufsgenossenschaften (BG) betrieben wird. Bislang aber fehlte es vor allem für ältere Menschen an medizinischen Angeboten der fachübergreifenden Nachsorge – konzentriert an einem Standort. Als Nikolai Bukart vor fünf Jahren die Idee hatte, gleich in der Nachbarschaft des Unfallkrankenhauses eine Fachklinik für Altersmedizin zu eröffnen, zeigte sich UKB-Chef Prof. Dr. Axel Ekkernkamp begeistert: „Uns war klar, dass der Campus um eine Einrichtung erweitert werden kann, die noch gefehlt hat.“ In der Klinik für Altersmedizin kümmern sich 80 Mitarbeiter fachübergreifend darum, altersbedingte Erkrankungen von Menschen ab 65 Jahren zu behandeln.  Es stehen zunächst 60 Betten bereit; die Kapazität kann auf 100 erweitert werden. Beide Häuser sollen sich ergänzen. „Wir sind quasi die verlängerte Werkbank der Fachklinik“, sagt Ekkernkamp. Untersuchungen und Behandlungen, die in der Fachklinik nicht möglich sind, können drüben im UKB erledigt werden. Auf drei Etagen stehen Behandlungsräume, Patientenzimmer und Bereiche für verschiedene Therapien zur Verfügung. Gearbeitet wird nach neuesten Gesichtspunkten. So verzichtet die ARONA Klinik auf Patientenakten aus Papier. Alle Informationen werden digital erfasst und sind beispielsweise im Rahmen einer Visite per Tablet oder mobilem PC-Terminal abrufbar – Röntgenbilder und Aufnahmen von CT-Untersuchungen inklusive. Über gesicherte Datenleitungen lassen sich Untersuchungsergebnisse zudem direkt vom UKB ins Nachbarhaus übertragen. Aufgenommen werden in der Klinik für Altersmedizin sowohl Privatpatienten als auch gesetzlich Versicherte.

Vorreiter für personalisierte Medizin

Auch wenn das Haus nun auf Normalbetrieb geht, an Routine ist noch lange nicht zu denken. Denn die Klinik für Altersmedizin will im Bereich der personalisierten Medizin ganz vorn mitspielen – und das weltweit. Zum Einsatz kommen soll moderne Labortechnik, die es ermöglicht, eine Art genetischen Fingerabdruck der Patienten zu erstellen. Dieser hilft dabei, Medikamente treffsicher auf die Bedürfnisse der Patienten abzustimmen. Verabreicht werden sollen die Präparate nur in der tatsächlich benötigten Dosis. Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten, die lebensbedrohliche Folgen haben könnten, will man damit ausschließen. Für die praktische Umsetzung haben sich Burkart und Ekkernkamp internationale Partner gesucht – darunter den Mediziner Prof. Dragan Primorac aus Kroatien und das us-amerikanische Gesundheitsunternehmen OneOme, das Tests auf DNA-Basis entwickelt hat, um die Wirkung von Medikamenten zu analysieren. Nikolai Bukart sagt, dass die Beschäftigten der ARONA Klinik im Laufe des Jahres entsprechend geschult werden.

Hochschule und Hotel auf dem Gesundheitscampus

Sehr konkret werden unterdessen Pläne, den Gesundheitscampus am Blumberger Damm weiter ausbauen. So ist bereits ein zweiter Bauabschnitt in Planung. Allerdings muss Burkart sein Konzept noch einmal überarbeiten, nachdem ihm Fachleute von der Eröffnung eines Medizinischen Versorgungszentrums abrieten. Klar ist aber, dass dort Platz für eine Mitarbeiter-Kita ist. Auch von einem Restaurant mit Dachterrasse und einem Blick über ganz Berlin ist die Rede. „Wir sind ein Teil des Orchesters auf einem einzigartigen Campus“, freut sich Burkart.

Auch die BG-Kliniken blicken bereits in die Zukunft: Axel Ekkernkamp teilte am Freitag mit, dass ein Teil der Verwaltung der berufsgenossenschaftlichen Kliniken am Standort des UKB angesiedelt wird. Im Gespräch ist zudem der Bau eines Hotels, einer Hochschule und einer Fachschule für Therapieberufe. „Das soll sehr zeitnah realisiert werden.“

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