Interessante Ausstellungen im „mp3 – projektraum für das periphere“

Einbau von Schwachstellen

07.02.2020, Regina Friedrich

Fotos: Carola Rümper (1), Klaus Uber (2-3). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Hellersdorf. Wenn man dieser Tage den „mp3 – projektraum für das periphere“ der Künstlerin Carola Rümper in der Stollberger Straße 73 betritt, ertönt ein rasselndes Geräusch. Eine Apparatur sägt an der Aufhängung eines Seils, an dessen Ende ein Betonblock bedrohlich über einer kleinen Gipsstatue hängt. Noch hält das Seil, das kann sich aber bis Sonntag, 9. Februar, ändern, wenn die aktuelle Ausstellung „Geplante Obsoleszenz“ endet. Es ist die dritte Präsentation in der Reihe „Draußen nur Kännchen“, die seit 2019 dort läuft. Die Installation von Karl Heinz Jeron visualisiert das bei vielen Produkten bewusste Einbauen von Schwachstellen, um deren Lebensdauer zu verkürzen, die sogenannte Obsoleszenz. Die Exposition ist von 15 bis 18 Uhr zu besichtigen. Danach nur noch nach Vereinbarung (mp43@carola-ruemper.eu).

„Verwählt“ – die letzte Volkskammerwahl

Die nächste Ausstellung in dieser Reihe findet vom 18. März bis zum 3. April statt. Sie trägt den Titel „Verwählt“. Künstler Christof Zwiener beobachtet seit der Wende den Transformationsprozess Ost-Berlins und nimmt den 30. Jahrestag der letzten Volkskammerwahl der DDR zum Anlass, dieses Ereignis rückblickend zu betrachten und zu kommentieren.

Im November wird eine deutsche Künstlerin mit zwei Kolleginnen aus Schweden zu Gast sein im mp43. Wenn Ateliers, Galerien und Kunstwerkstätten im Bezirk am 14. Juni von 10 bis 18 Uhr zu „Kunst:offen“ einladen, ist Carola Rümper natürlich mit dabei.

Briefmarken für Namibia

Die Wahlberlinerin ist nicht nur in Marzahn-Hellersdorf aktiv. Ausstellungen und Projekte haben sie quer durch Deutschland geführt und nach Ägypten, Österreich, Kirgisistan, Schweiz, USA, Spanien, Bulgarien, Dänemark. Im Mai 2020 ist sie zu einer Projektraummesse in Athen eingeladen, wo sie Ihr Projekt “stamp alive” vorstellt. In Namibia hat sie mit Künstlerinnen und Künstlern Briefmarkenmotive zum Thema “It´s raining cats and dogs” (frei übersetzt: es regnet in Strippen) entwickelt. Jedes Motiv wurde von der Deutschen Post als Originalbriefmarke hergestellt. Die Exemplare sind aber nicht für den Verkauf bestimmt. Nach der Präsentation in der Nationalgalerie Namibia war die Edition 2018 auch im mp43 zu sehen. Carola Rümper will die Messe auch dafür nutzen, sich international weiter zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen.

Die Rümperiens in Myanmar

Gerade erst ist sie aus Yangon, der Hauptstadt von Myanmar, zurückgekehrt. Dort war sie bei einem Performance-Festival eingeladen. Mitgebracht hatte sie ihr Konzept der „Rümperiens“. Das sind mythische, speziell geformte scheue Wesen, die sich Menschen nur sehr selten nähern. Ihre „Erforschung“ hat sich Carola Rümper zur Aufgabe gemacht. Auch in Marzahn-Hellersdorf haben sie Spuren hinterlassen, gesehen hat sie aber (in freier Wildbahn) noch niemand.

„Ich habe im Vorfeld recherchiert und festgestellt, in Myanmar gibt es das Konzept der weißen Geister“, erzählt die Künstlerin. „Um sie ranken sich viele Mythen und Geschichten. Die Rümperiens sind ja auch ein Spiel mit der Fiktion und so musste ich einen Bezug finden zur Kultur der Menschen dort.“ Mit Abbildungen der Rümperiens stellte sie sich in einen großen Park, der gerne von Familien und Studenten besucht wird, und sprach die Leute an. „Ich war erstaunt, wie offen sie mit mir geredet haben, ganz anders als beispielsweise in Ägypten. In diktatorischen Gesellschaften ist der öffentliche Raum meist geschlossen, keiner wagt es, frei seine Meinung zu sagen. In Yangon war das anders, da entwickelten sich interessante Gespräche. Zumal die Menschen dort auch noch sehr mit den Mythen ihrer Kultur verbunden sind. In Deutschland ist das für die meisten Menschen eher etwas befremdlich.“

2019 hatte Carola Rümper Aufsehen erregt, als sie eine der bedeutendsten Präsentationen zeitgenössischer Kunst in der Hauptstadt, die Berlin Art Week, zum ersten Mal nach Hellersdorf holte (LiMa+ berichtete). Sie war eine der Preisträgerinnen des Projektraumpreises 2019, der vom Kultursenat vergeben wird und damit ihr künstlerisches Engagement im Kiez würdigte.

mp43 – projektraum für das periphere
Stollbergerstraße 73 (Eingang Kastanienboulevard)
12627 Berlin


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