Vor einem Jahr schloss die IGA Berlin 2017 ihre Pforten

Ein „Sehr gut“ für die Nachhaltigkeit

10.10.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Vor einem Jahr, am 15. Oktober, schloss die IGA Berlin 2017 nach 186 Tagen ihre Pforten. Christoph Schmidt, der Geschäftsführer der IGA-Gesellschaft und der Grün Berlin GmbH, zieht gegenüber LIMa+ und dem Bezirks-Journal eine positive Bilanz der darauf folgenden zwölf Monate. Nach der Internationalen Gartenausstellung sei fast alles am Ort geblieben: „Wir haben lediglich einige Staudenflächen entfernt.“ Auf dem früheren IGA-Gelände in Marzahn und Hellersdorf befinden sich die für die Schau weiter ausgebauten, kostenpflichtigen „Gärten der Welt“ sowie der neue, etwa 60 Hektar große öffentliche Volkspark Kienberg mit zahlreichen Freizeitangeboten. Beide Areale werden von der landeseigenen Gesellschaft betrieben. Die IGA Berlin 2017 hatte sich zum Thema Nachhaltigkeit zertifizieren lassen – von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) erhielt sie im Mai 2018 die Note 1,3, also ein „Sehr gut“. Eine solche Überprüfung gab es erstmals in der Geschichte der Gartenschauen in Deutschland.

Ziel 800.000 Besucher noch nicht erreicht

Dennoch stiegen in den „Gärten der Welt“ die Besucherzahlen noch nicht im erhofften Maß. Statt der anvisierten 800.000 Gäste werden dort wohl bis zum Jahresende 2018 nur 600.000 bis 650.000 Besucher gezählt. Schmidt sagt, dass im ersten Jahr nach internationalen, Bundes- und Landesgartenschauen erfahrungsgemäß die Besucherzahlen sinken, um dann wieder zu steigen. Zudem müsse sich auch die Gesellschaft neu aufstellen. Erst vor wenigen Tagen hat die Grün Berlin Gruppe, die bisher auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof ansässig war, neue Geschäftsräume im Ullsteinhaus am Tempelhofer Damm bezogen. Denn das Unternehmen, das viele bekannte Berliner Parks und Gärten betreibt, entwickelt und ausbaut, hat inzwischen weitere Unternehmensteile und -felder dazubekommen (wie beispielsweise die Wiederbelebung des seit Jahrzehnten brachliegenden Spreeparks) und dementsprechend auch mehr Mitarbeiter. Zur Vergrößerung des Geschäftssitzes gab es laut Schmidt im Flughafengebäude keine geeigneten Räume.

Top Drei der besonderen Parks in Europa

„Wir werden jetzt intensiv weiter daran arbeiten, die angestrebte Gästezahl in den Gärten der Welt zu erreichen“, sagt Schmidt. Man sei dabei, sich in verschiedenen Tourismusnetzwerken zu engagieren, darunter auch beim Berliner Tourismusportal visitBerlin. Die bessere Einbindung der „Gärten der Welt“ entspreche dem neuen Berliner Tourismuskonzept von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), das die Besucherströme von der City auch in die Außenbezirken lenken will. „Mit unserer Marzahner Anlage, die zu den Top Drei der besonderen Parks in Europa zählt, haben wir ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt der Grün Berlin-Chef. Nach ersten Eindrücken ist die Zahl der auswärtigen und internationalen Gäste in den „Gärten der Welt“ gestiegen. Genaue Ergebnisse dazu soll eine gerade laufende Besucherbefragung bringen. Im nächsten Jahr werden dann die Gäste im Kienbergpark befragt.

Konkurrenz Kienbergpark

Dieser ist ein wenig dabei, den „Gärten der Welt“ die Show abzulaufen. Denn auch dort gibt es Anziehungspunkte wie fantasievolle Spielplätze, ruhige Wege inmitten der Natur, einige davon sogar ausgerüstet mit Trimm-Dich-Geräten. Einen weiten Blick über die Hauptstadt und das Brandenburger Umland bietet der Wolkenhain, das zur IGA geschaffene Aussichtsbauwerk auf dem Plateau des 102 Meter hohen Kienbergs. All das kann kostenfrei genutzt werden, ebenso wie das Umweltbildungszentrum am Wuhleteich. Die Plattform davor hat sich inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. „Wenn es nun auch eine Konkurrenzsituation mit den Gärten der Welt gibt, genau so war es mit dem Konzept der IGA gewollt“, sagt Schmidt. Man habe intensiv darauf hingearbeitet, eine Anlage für das Gemeinwohl zu schaffen, die Ökologie, Erholung und Tourismus verbindet. Ab dem nächsten Frühjahr soll es am Umweltbildungszentrum auch wieder eine gastronomische Versorgung geben, Gespräche dazu laufen bereits. Umstellungen in der Gastronomie seien ebenfalls für das Café auf dem Wolkenhain als auch in den „Gärten der Welt“ geplant, kündigt Schmidt an: „Es wird dort wohl mehr in Richtung Selbstbedienung gehen.“

Kommt die Multifunktionshalle?

Noch unklar ist, wann der eigentlich für September dieses Jahres angekündigte Abbau der früheren IGA-Blumenhalle in den „Gärten der Welt“ beginnt. Die Grün Berlin will diese verkaufen. Zurzeit stelle sich das aber als nicht ganz einfach dar, so Schmidt. Notfalls müsse sie eingelagert werden. Denn am Standort soll eigentlich eine Multifunktionshalle mit Parkhaus entstehen, um die Gartenanlage auch bei schlechtem Wetter und im Winter als Ausflugsziel zu stärken. Das Geld, insgesamt 20 Millionen Euro, steht beim Senat bereit. Allerdings gibt es laut dem Grün Berlin-Geschäftsführer noch keine Einigkeit über die Nutzung auch als Parkhaus, darüber wird noch mit dem Land verhandelt: „Wir versuchen gegenwärtig, ein neues Konzept zu entwickeln.“

Seilbahn soll bleiben

Als unabdingbar für die weitere touristische Entwicklung des Gebiets bezeichnet Christoph Schmidt den Verbleib der Kabinenseilbahn der Leitner AG, der einzigen in Berlin. Diese wird vom dem Südtiroler Unternehmen vertragsgemäß noch bis 2020 betrieben. Danach gibt es eine Option auf weitere Jahre. Schmidt plädiert für eine Integration in den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Berlins. Bisher wird das vom Senat abgelehnt. „Wenn die Seilbahn nicht bleiben sollte, verlieren wir nicht nur einen ganz besonderen Anziehungspunkt, sondern die Verkehrssituation im Gebiet wird sich massiv verschlechtern.“ Denn viele Gäste reisen mit der U-Bahn an, nutzen dann die Seilbahn, um auf den Kienberg und in die „Gärten der Welt“ zu kommen. Auch der Bezirk hatte sich bereits mehrfach für den Verbleib der Seilbahn ausgesprochen, ebenso Vertreter der Partei Die Linke wie der in Marzahn-Hellersdorf direkt gewählte Abgeordnete Kristian Ronneburg. Mit Raed Saleh, dem Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten im Abgeordnetenhaus, hat sich der Kreis der Seilbahnbefürworter jetzt um ein politisches Schwergewicht vergrößert. Dieser erklärte am 4. Oktober nach einem Vor-Ort-Besuch, dass die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin hinter dem Vorhaben stehe, „diese Seilbahn in den öffentlichen Personennahverkehr zu integrieren und die Benutzung der Seilbahn in die Tarife des VBB einzuordnen“.

Am Sonntag, 14. Oktober, wird von 12 bis 16 Uhr in den “Gärten der Welt ” das Herbstfest gefeiert – mit Musik und Tanz in der Arena, Kinderspaß und herbstlichen Köstlichkeiten.

 

IGA Berlin 2017

Die IGA Berlin 2017 sollte ursprünglich auf dem Tempelhofer Feld stattfinden. Im September 2012 wurde eine Verlegung nach Marzahn beschlossen. Die Schau fand vom 13. April bis 15. Oktober 2017 auf dem Gelände der „Gärten der Welt“ und angrenzenden Teilen des Wuhletals/Kienberg statt. Ab Ende 2014 war das Kienberggebiet wegen der Bauarbeiten unzugänglich, viele Anwohner waren empört. Im Spätherbst 2017 kamen die ersten Zäune weg, seit März 2018 ist der gesamte Kienbergpark öffentlich zugänglich.

Der Durchführungshaushalt der IGA betrug rund 40 Millionen Euro. Es gab ein Umsatzminus von 10 Millionen Euro gegenüber der Kalkulation. Wegen des regenreichen Frühjahrs und Sommers waren statt der erwarteten mehr als 2 Millionen Besucher nur 1,6 Millionen Gäste gekommen. Mehr als 100 Millionen Euro wurden für Baumaßnahmen ausgegeben (darin eingerechnet auch die 14 Millionen Euro privater Mittel für die Seilbahn der Leitner AG). Finanziert wurden diese Vorhaben aus sogenannten GRW-Mitteln des Bundes, aus Fördergeldern des Stadtumbaus und aus Landesmitteln.

Neu entstanden beispielsweise die über das Wuhletal führende Brücke Wuhlesteg, der Wolkenhain auf dem Kienberg, das Umweltbildungszentrum (alles im Kienbergpark). Auch zahlreiche Wege und Zugänge wurden erneuert. In den „Gärten der Welt“ wurden u.a. neue internationale Gartenkabinette errichtet, Wassergärten, ein Besucherzentrum und eine Veranstaltungs-Arena sowie der beliebte Wasserspielplatz „Konrads Reise in die Südsee“ gebaut. Ein Englischer Cottage-Garten entstand ebenfalls.

Schäden durch Vandalismus gibt es leider immer wieder. So wurden im Frühjahr 2018 nachts in den „Gärten der Welt“ 18 japanische Kirschbäume abgeholzt. Im Kienbergpark wurden mehr als 50 Lampen zerstört, außerdem Bewässerungssysteme. Zäune von Tierweiden werden immer wieder zerschnitten. Es gibt zwei Park-Ranger und einen Sicherheitsdienst – trotzdem konnte bisher noch kein Täter erwischt werden. Die Grün Berlin beseitigt, wenn möglich, alle Schäden innerhalb von 24 Stunden. Erfreulich: Am Wolkenhain gab es bisher keine Beschädigungen. Das Areal auf dem Kienberg-Plateau wird mit Einbruch der Dämmerung abgeschlossen. Auch im Winter bleibt das Aussichtsbauwerk übrigens für Besucher geöffnet.

Die bisherige Preisstruktur für die „Gärten der Welt“ soll laut Christoph Schmidt auch im nächsten Jahr erhalten bleiben. Die Dauerkarte im Abonnement wird es jedoch nur noch für Altverträge geben, die bis zum Ende diesen Jahres abgeschlossen sein müssen.  Ab 1. Januar 2019 wird der Abschluss eines Abo-Neuvertrages nicht mehr möglich sein. Grün Berlin begründet das u.a. mit der geänderten Datenschutzordnung, die in diesem Jahr in Kraft getreten ist.

Weitere Informationen hier…

 

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