Beim Gärtnern lernen sich Einheimische und Geflüchtete besser kennen

Ein Paradies für alle

15.07.2019, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Nach Tagen der Trockenheit endlich Regen. Doch ausgerechnet an diesem Tag hätte der nasse Schauer noch etwas auf sich warten lassen können. Und so drängen sich gut 40 Leute unter den vorher aufgestellten Pavillons. Susanne Schnorbusch und Susanne Yacoub sowie etliche Mitstreiterinnen haben ein kleines Fest organisiert. – Eine Gartenparty in einem Garten, der gerade erst entsteht. 600 Quadratmeter misst die Fläche am Blumberger Damm, die sich „Naschgarten“ nennt und als einer von insgesamt drei „Paradiesgärten“ in Marzahn-Hellersdorf entsteht. Und es wird ein kleines Paradies, da sind sich alle Beteiligten sicher.

Seit Mai wird im Paradies Nummer 1 gebuddelt, gesät und gepflanzt. Nun soll in der Ferienzeit mal Gelegenheit sein, zu feiern und auf das bisher Erreichte zu schauen. Mit dem Projekt verfolgen die Macherinnen ein Ziel: In den „Paradiesgärten“ sollen sich Einheimische und geflüchtete Menschen, Junge und Alte, Ur-Berliner und Hinzugezogene näherkommen. 350.000 Euro kosten die drei Gärten, die bis Ende kommenden Jahres fertig sein werden. Das Geld stammt aus dem Stadtumbauprogramm. Und es ist gut angelegt, wie die Projektverantwortlichen sagen.

Wasseranschluss, Laube und Picknickinsel

Noch stehen im Naschgarten am Blumberger Damm viele Beete leer, doch auf einem kleinen künstlichen Hügel wachsen bereits Pflanzen. Von oben betrachtet sieht er aus wie ein Paradiesvogel. Es gibt einen Wasseranschluss und eine Gartenlaube. „Das Ganze hier war lange eine Brache“, berichtet Ellinor Schneider. Sie wohnt im Elfgeschosser gegenüber und freut sich darüber, dass nun endlich etwas auf dem Gelände passiert. Seit Monaten tut sich etwas auf dem Areal, auch dank der Workshops, die es dort an jedem Donnerstag gibt. Ohne Zwang treffen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der benachbarten Flüchtlingsunterkunft am Blumberger Damm mit Menschen, die teilweise schon 40 Jahre im Kiez leben. Sie legen Picknickinseln an, pflanzen gemeinsam Sträucher oder planen Hochbeete.

Ellinor Schneider findet diese Idee gut. Zum kleinen Gartenfest hat sie eine Liebstöckel-Pflanze mitgebracht, selbst gezogen. Nun sucht sie gemeinsam mit Amjed Challab einen geeigneten Platz. Challab kam aus dem Irak nach Berlin, fand am Blumberger Damm Zuflucht und ist so etwas wie die gute Seele im „Naschgarten“: An trockenen Tagen versorgt er die jungen Pflanzen mit Wasser, hält Ordnung. Und er ist nicht der Einzige, der Leben auf das einst brachliegende Gelände bringt. Immer wieder schauen Kinder vom Kinderclub der Flüchtlingsunterkunft vorbei oder Rentner wie Ellinor Schneider. Auch die Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung (BWB) werden an den zukünftigen Hochbeeten gärtnern und Gießdienste übernehmen.

Naschgarten, Sonnengarten und Panoramagarten

Projektleiterin Susanne Schnorbusch setzt bewusst darauf, die künftigen Nutzerinnen und Nutzer des Gartens in die Planung einzubeziehen. Das verbindet die Menschen unterschiedlicher Herkunft, sorgt für Zusammenhalt. Denn im normalen Leben haben alte und neue Marzahner und Hellersdorfer kaum Berührungspunkte. In den „Paradiesgärten“ hingegen ziehen alle an einem Strang.

Gestaltete Freiräume nennt die Architektin derartige Projekte, mit denen man die soziale Infrastruktur im Kiez stärken will. Fördermittel dafür gibt es aus entsprechenden Programmen. Bezirk und Land engagieren sich begleitend für die drei geplanten Paradiesgärten. Das Paradies Naschgarten soll nach der Sommerpause fertig sein und dann mit dem neuen Quartierspark eröffnet werden, der gleich nebenan entsteht. Im Spätsommer startet zudem der „Sonnengarten“, ein Projekt in der Paul-Schwenk-Straße. Und für den Panoramagarten an der Albert-Kuntz-Straße haben sich bereits Eltern und Kinder der Kita „Am Kirschgraben“ bereit erklärt, kräftig zu helfen. Sabine Antony vom Stadtentwicklungsamt ist sich sicher, dass diese Gartenprojekte einen wertvollen Beitrag zu einer guten Nachbarschaft leisten. „Man trifft sich bei etwas, das Spaß macht“, sagt sie. „Wer zusammen gärtnert, lernt sich kennen.“ Aus ihrem eigenen Garten stammt eine weitere Pflanzenspende: eine Johannisbeere. Zwei, drei Jahre wird diese nun benötigen, bis ihre süßlich-sauren Früchte vernascht werden können.
Die Termine für die nächsten Workshops und weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der Paradiesgärten.


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