Aldona und Holger Kosel führen Regie und machen auch sonst alles

Ein ganzes Theater aus Papier

24.11.2018, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. In jeder Kiste steckt ein Theaterstück. Mit vielen Kulissen und Figuren, dazu Text-Zettel für die verschiedenen Rollen. Immerhin acht solcher Behälter haben Aldona und Holger Kosel in den vergangenen acht Jahren für ihre bislang acht Inszenierungen zusammengestellt. Schon das klingt spannend – aber das Verrückte daran ist: Sämtliche Bühnenbilder und ebenso alle „Schauspieler“ bestehen aus unterschiedlich dickem Papier.

Nur selbst gebastelte Darsteller

Die beiden rüstigen Rentner gründeten 2011 ihr eigenes Theater, mit einer 39 mal 23 Zentimeter großen Bühne, auf der inzwischen nur selbst gebastelte Darsteller in selbst kreierten Kulissen auftreten. „Papiertheater an der Oppermann“ heißt ihre Spielstätte, die sich mitten im Marzahner Siedlungsgebiet an der Oppermannstraße 45 befindet. Handgeschriebene Plakate mit dem aktuellen Programm hängen in den Fenstern des kleinen Hauses und machen neugierig auf das, was sich hinter der sanierten Fassade befindet.

So wird Papier zum Leben erweckt

In diesen Tagen kommt ein altes Stück mit neuer Kulisse auf die Minibühne: „Das Rübchen und der Mondfrosch“. „Wir haben dieses Mal keine gemalten Kulissen, sondern Papier auf Papier beklebte Gegenstände und Figuren“, sagt Aldona Kosel. Damit alles lebendig und echt wirkt, hängt an dem, was auf die Bühne kommt, eine Art Verlängerung: Stäbe mit dünnen Schnüren, die Arme, Beine und Augen beweglich machen sowie für spezielle Effekte sorgen.

Holger Kosel haucht den bunten Papp-Figuren Leben ein. Er tüftelt und knobelt so lange, bis er Augenaufschläge hinbekommt, winkende Personen oder er lässt auch mal ein Bild absichtlich von der Karton-Wand fallen. Auch für Regen und Gewitter ließ sich der frühere Sänger etwas einfallen. Lichtreflexe und dünne Fäden machen die Illusion vom Unwetter perfekt. „Es gefällt mir, immer wieder etwas Neues zu schaffen“, betont der 65-Jährige. Für ihn und seine Frau ist das Papiertheater ein schönes, gemeinsames Hobby, bei dem sie selbst Freude haben, die sie anderen vermitteln.

Die Ideen kommen unterwegs

Auf Spaziergängen oder beim Bahnfahren kommen Aldona Kosel die besten Ideen für neue Aufführungen. Sie schreibt die Stücke, die aus vielen verschiedenen Rollen bestehen. Die Texte spricht das Paar in unterschiedlichen Stimmlagen. Damit auch alles klappt, wird oft geprobt: Manchmal mehrmals am Tag. „Das ist uns wichtig, schließlich müssen wir gleichzeitig die Figuren auf die Bühne schieben und Effekte einbauen“, erklärt Aldona Kosel.

Backstage schmulen erlaubt

Nach jeder Vorstellung dürfen Interessierte hinter die Bühnenvorrichtung schauen. „Dann staunen die Leute oft, was wir hier alles zu tun haben“, erzählt der Marzahner und lächelt. Aber inzwischen spielen die Beiden nach einem ausgeklügelten System und sortieren die „Darsteller“ so, dass sie schnell gegriffen werden können. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Zuschauer anfangen zu lachen, weil wir dann wissen, es gefällt ihnen“, betonen beide. „Und irgendwie spornt einen das auch an“, sagt Holger Kosel. Eintritt verlangen die kreativen Marzahner für ihr Papiertheater nicht. „Unser Lohn ist es, wenn die Leute uns besuchen“, macht der Senior deutlich.

Märchen, Krimis und Gegenwartsstücke

Seit August gibt es sogar eine zweite Spielstätte in der umgebauten Garage. Der Vorteil: Jetzt können auch mal Gastspiele gezeigt werden und die Theater-Macher haben die Möglichkeit, an zwei gleichzeitig aufgebauten Kulissen zu proben. Schließlich ist das Stücke-Einrichten sehr zeitaufwendig – dauert mit allem Drum und Dran ungefähr zwei Stunden. Mit ihrer Wanderbühne sind die Kosels auch schon in Bibliotheken des Bezirks aufgetreten.

Am liebsten haben sie es allerdings, wenn Gäste aller Generationen zu ihnen in die Oppermannstraße kommen. Im Repertoire sind Märchen, ebenso ein Krimi und Stücke, die stets einen Bezug zur Gegenwart haben. Platz ist für maximal zwölf Personen, deshalb bitten die Kosels um vorherige Anmeldung. Mit der Aufführung „Katzentanz“ wird ein spezielles Stück für Mädchen und Jungen ab drei Jahren geboten. Es dauert 15 Minuten und beinhaltet auch einige Mitsing-Einlagen.

Aldona und Holger Kosel wünschen sich, dass vor allem noch mehr Kita-Kinder mit ihren Erziehern in die Spielstätte kommen. Für den 4. Mai 2019 planen sie erstmals ein Frühlingsfest mit Livemusik und Abendbuffet auf ihrem Grundstück. Zwei verschiedene Papiertheater sollen auftreten, zudem wird es ein Märchenzelt mit einer Erzählerin geben.

Schon jetzt freut sich das Paar darauf. Beide sind immer wieder froh darüber, dass sie 2010 bei einem Ostseeurlaub in Preetz das Papiertheater für sich entdeckten und spontan den Entschluss fassten, so etwas in Berlin auf die Beine zu stellen.
Weitere Infos unter www.papiertheater-an-der-oppermann.de

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden