Ein ganz besonderer Biesdorfer

11.08.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Forschungsstelle Baugeschichte Berlin (1-4), Birgitt Eltzel (5)

Biesdorf. Er konnte hartnäckig sein, wenn er etwas wollte. Und auch schon einmal in den späten Abend- oder auch frühen Morgenstunden anklingeln, um seine Meinung zu sagen oder wichtige Auskünfte zu erhalten. Oder einfach vorbeikommen, wenn ihm etwas ganz dringend erschien. Bei Bürgermeistern und Stadträten, Investoren und Firmeneigentümern, auch bei Lokaljournalisten. Es war aber nicht nur seine Hartnäckigkeit, sondern vor allem sein Erfindergeist, sein Ideenreichtum und sein großes Wissen, die Dr. Günter Peters auszeichneten. Er hatte eigentlich immer eine Statistik parat, auf Abruf – egal, ob es um Baupläne im Berliner Nordosten ging, um Wohnungsbaukennzahlen in der DDR und der Nachwendezeit oder um Fakten aus der Berlin- und Bezirksgeschichte. Detailliert konnte der Architekt und promovierte Ökonom, der seine Dissertation über die Sanierung des Altbauquartiers Arnimplatz geschrieben hatte, über Schloss Biesdorf berichten – ein Haus, das ihm und seinen Mitstreitern der Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V. quasi sein zweites Leben verdankt. Am heutigen Sonnabend, 11. August, wird dem 2013 verstorbenen Biesdorfer dort in einer Feierstunde zu seinem 90. Geburtstag gratuliert.

Ein Bürgerschloss entstand

Ohne Peters und seinen Verein wäre die denkmalgerechte Sanierung des spätklassizistischen Türmchenhauses an der Bundesstraße 1/5 Alt-Biesdorf wohl nur schleppend in die Gänge gekommen, wenn überhaupt. Denn die öffentliche Hand tat sich schwer mit ihrem anfangs ungeliebten Besitz. Zu stark sanierungsbedürftig war das zu Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörte Haus, das danach nur notdürftig instandgesetzt worden war. Peters, der schon viele Jahre in Biesdorf wohnte, suchte sich Gleichgesinnte und hatte einen Plan: Das 1867 von Heino Schmieden erbaute Haus sollte seine frühere Schönheit wiedergewinnen. Er scharte Gleichgesinnte um sich, warb Spender und Sponsoren, gewann Bezirks- und Senatsbehörden als Mitstreiter. Von 2002 bis 2007 konnte zunächst die Außenhülle der Villa, die ab 1887 von der Familie Siemens bewohnt worden war und 1927 in städtischen Besitz kam, unter der Ägide seines Vereins saniert werden. Ab 2013 ging der Bezirk dann an die denkmalgerechte Wiederherstellung. Dabei wurde auch das 1945 zerstörte Obergeschoss wieder aufgebaut. Im September 2016 konnte das Haus wiedereröffnet werden. Es ist jetzt eine Kommunale Galerie, die einzige der deutschen Hauptstadt, die sich in einem Schloss befindet. Dort werden nicht nur Bilder gezeigt, sondern es finden auch vielfältige Veranstaltungen statt. Im Café treffen sich nicht nur die Biesdorfer, sondern auch viele andere Berliner zum Brunch oder zum Kaffeetrinken. Die Villa auf dem Hügel im Schlosspark ist zu dem geworden, was Günter Peters sich wünschte: ein Bürgerschloss.

Erster Aufbauleiter von Marzahn

Dass der am 11. August 1928 in Waren/Müritz als Sohn eines Bauarbeites und einer Arbeiterin Geborene sich einmal um ein Herrenhaus kümmern würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Er erlernte zunächst den Beruf eines Maurers, studierte dann. Ein großer Teil seines beruflichen Lebens gehörte dem industriellen Bauen. Schon das erste Projekt des jungen Architekten, ein Neubauernhaus im mecklenburgischen Zickhusen, entstand in Montagebauweise. In Rostock war er verantwortlich beim Aufbau der Langen Straße mit dabei. In Berlin wirkte er ab 1966 bis 1980 als Stadtrat und Stadtbaudirektor des Magistrats, später war er Stellvertretender Oberbürgermeister für Investitionen Bauwesen und gleichzeitig Bezirksbaudirektor. Mitte der 1970er-Jahre wurde Günter Peters der erste Aufbauleiter für die Großsiedlung Marzahn. Nach zwei schweren Herzinfarkten wurde er 1980 invalidisiert.

Altenteil war nicht seine Sache

Doch sich aufs Altenteil zurückziehen, war nicht seine Sache. Er engagierte sich weiter, machte sich als Bauhistoriker und Publizist einen Namen. Sein Buch „Hütten, Platten, Wohnquartiere“ ist ein Standardwerk für alle, die sich für den Auf- und Ausbau von Marzahn interessieren. Peters Engagement ist u.a. auch die Rekonstruktion der alten Dorfschule Marzahn und ihrer Umgestaltung zum Bezirksmuseum zu verdanken. Viele Jahre stand er den Festkomitees zum Biesdorfer Blütenfest und Alt-Marzahner Erntefest vor, ebenso der Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf. Er war Vorsitzender des Fördervereins für das Bezirksmuseums Marzahn e.V., später des Heimatvereins.

Sohn Oleg setzt Arbeit fort

Besonders gefreut hat ihn in seinen letzten Jahren, dass sein Sohn Oleg seine Arbeit fortführt. Dieser hat nicht nur zahlreiche Publikationen zum Schloss verfasst, sondern auch dessen Baumeister wieder ins Gedächtnis der Stadt gebracht. Mit dem fast 600 Seiten starken Band „Heino Schmieden – Leben und Werk des Architekten und Baumeisters“ hat Oleg Peters 2016 dem Biesdorfer Schloss-Erbauer ein Denkmal gesetzt. Mit den Forschungen innerhalb seiner 2014 verteidigten Dissertation entriss er den einst bekannten Berliner Architekten dem Vergessen. Derzeit arbeitet Dr. Oleg Peters weiter an der Gestaltung eines Geschichtsraumes im Schloss Biesdorf, der die wechselvolle Historie des Kleinods und des Schlossparks zeigen soll – mit vielen Erinnerungen der Biesdorfer selbst.

Während der Feierstunde für geladene Gäste sprechen Wolfgang Brauer (Vorsitzender des Heimatvereins) und Dr. Heinrich Niemann (Vorsitzender Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf). Den Dank des Bezirksamts überbringt Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke).

 

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