Kultursenator zeigte sich beeindruckt vom Schloss Hohenschönhausen

Ein Bürgerschloss mit großen Plänen

06.08.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Alt-Hohenschönhausen. Zu einer Stippvisite war Kultursenator Dr. Klaus Lederer (Die Linke) am Donnerstag, 1. August, im Bürgerschloss Hohenschönhausen. Er informierte sich zum Stand der Sanierung, zu aktuellen Entwicklungen sowie zu den nächsten Vorhaben des Fördervereins Schloß Hohenschönhausen e.V.

Dessen Vorsitzender, Dr. Rüdiger Schwarz, hob vier Gründe hervor, weshalb das Haus für Lichtenberg und für ganz Berlin von großer Bedeutung sei: Als lokales Gedächtnis – hier war von 1957 bis 1972 eine Entbindungsklinik untergebracht. In dieser Zeit kamen dort über 11.000 Kinder zur Welt. Als Kultur- und Bildungsstandort. – Für das Manfred-von-Ardenne-Gymnasium wird ein Lehrkabinett eingerichtet. Als DAIMON-Museum. – Der Gründer des Unternehmens “DAIMON”, Paul Schmidt (1868-1948), war der letzte private Eigentümer des Gutshauses. Schließlich die Bedeutung des Hauses als Bau- und Architekturdenkmal. – Jede Phase der wechselvollen Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen, die es weiter zu erforschen gelte.

Das Bürgerschloss hat großes Potenzial

Während eines gemeinsamen Rundgangs, an dem der gesamte Vereinsvorstand und weitere Mitglieder teilnahmen, besichtigte der Senator unter anderem die noch bis September laufende Ausstellung des Malers Thomas P. Kausel „Die Kraft der reinen, ungemischten Farbe“. Der Künstler hatte dem Verein 40 seiner Werke sowie weitere 22 Gemälde aus seiner Privatsammlung, zum Beispiel von Oskar Huth, Heinz Trökes und Emilio Vedova geschenkt.

Der Senator informierte sich über den Kauf des 1692 erbauten Gebäudes 2008 durch den Förderverein, um es der Spekulation zu entziehen. Und von den großen Anstrengungen, es baulich zu erhalten und öffentlich zu nutzen. „Noch ist die Sanierung und Restaurierung des geschichtsträchtigen Hauses mitten im Gange, aber das große Potenzial ist schon jetzt deutlich erkennbar“, sagte Rüdiger Schwarz. Seit 2018 stehe das Bürgerschloss auf der Bundesdenkmalliste. Besonders freuten sich die Vereinsmitglieder, dass der Bund im Mai 2019 zweckgebundene Mittel zur Restaurierung in Höhe von 450.000 Euro bewilligt hat. Hinzu kommen noch einmal 405.000 Euro von der Lotto-Stiftung Berlin für die Sanierung des historischen Parketts. Für 2019 stehen mit den Geldern für den Bauabschnitt II insgesamt 1,7 Millionen Euro zur denkmalgerechten Wiederherstellung bereit. Für das große Gebäude fallen jedoch auch Betriebskosten von jährlich 15.000 Euro an.

Konzept und professionelles Projekt-Management

Erst im Juni 2019 hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg einen Antrag beschlossen, der das Bezirksamt ersucht, „den Förderverein Schloss Hohenschönhausen e. V. bei der Entwicklung eines Konzeptes für eine weitere Nutzung zu unterstützen.“ Das Ziel soll „eine öffentliche kulturelle Nutzung an historischer Stelle in einem denkmalgeschützten Gebäude sein.“

In Zukunft bis zu 25.000 Besucher möglich

„Alle Mitglieder des Vereins arbeiten seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Wiederherstellung des Hauses und die Nutzung als Bürgerschloss“, erklärte der Vereinsvorsitzende. „Bis Ende Juni 2019 haben 2.187 Gäste Veranstaltungen im Gebäude besucht, und damit bereits mehr als im gesamten Vorjahreszeitraum.“ 25.000 pro Jahr sollen es einmal werden.

Doch es brauche für das mittlerweile „anerkannte Kulturgut von nationaler Bedeutung ein professionelles Projekt-Management“, so Rüdiger Schwarz. Dafür sei auch die finanzielle Unterstützung des Bezirks nötig. Konkret gehe es um die Finanzierung von drei Vollzeitstellen. Derzeit gibt es lediglich eine Teilzeit-Stelle von 20-Wochenstunden für die Leiterin des Sozialen Treffpunkts „BÜRGERZENTRUM im SCHLOSS“, Sabine Didschuns.

Bau eines Besucherzentrums möglich

„Wir können uns auch vorstellen, das Gebäude an den Bezirk zu übertragen und nur das Sanierungs-Management weiterzuführen“, erklärte der Chef des Vereins. „Das Hauptziel des Vereins ist, das Haus soll weiter der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.“ Wie er informierte, gebe es die Möglichkeit, bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft GRW-Mittel (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur) in Höhe von 6,5 Millionen Euro für den Bau eines separaten Besucherzentrums, zum Beispiel auch mit einem Café, auf dem Gelände des Bürgerschlosses zu beantragen. „Für diese Gelder müsste aber der Bezirk den entsprechenden Antrag stellen”, so Schwarz. Die Antragsfrist laufe am 30. September 2019 ab.

2020 soll im Bürgerschloss das Sommerfest der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Berlin stattfinden. Denn Forschungen ergaben, dass der Hohenschönhausener Pfarrer und Gelehrte Julius Kurt (1870-1949), dem fernöstlichen Land die Tradition des japanischen Holzschnitts wieder nahegebracht hat und deshalb dort immer noch verehrt wird.

Senator Lederer: Das Haus bewahren und nutzen

Kultursenator Klaus Lederer, der übrigens in Hohenschönhausen geboren wurde (nicht im Schloss, da erst 1974), zeigte sich beeindruckt vom Haus, seiner Geschichte und der aktuellen Ausstellung. „Das ist ein öffentlicher Ort, ein Schatz, den man bewahren und nutzen sollte“, erklärte er. Der Senator sagte seine Unterstützung bei den Anliegen des Fördervereins zu. Er komme auf jeden Fall gerne wieder ins Bürgerschloss Hohenschönhausen, „vielleicht mal zu der einen oder andern kulturellen Veranstaltung.“

Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke) erklärte auf Nachfrage, der Bezirk habe „ein Interesse daran, das Schloss zu erhalten und noch mehr Leben hineinzubringen.“ Er sei dafür, dass dort vielfältige Veranstaltungen für eine breite Öffentlichkeit angeboten werden. Ende August sei ein Gespräch mit dem Vorstand des Fördervereins geplant, bei dem Möglichkeiten der weiteren Entwicklung und Unterstützung durch den Bezirk erörtert würden. Lichtenberg unterstütze die Leitung des Sozialen Treffpunkts jährlich mit 30.000 Euro. Eine Übernahme des Hauses durch die Lichtenberger Verwaltung sehe er jedoch eher skeptisch. – Warum eigentlich?


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