Es gibt mehrere Brückenprobleme in Marzahn, aber:

Die Wuhletalbrücke ist todkrank

08.10.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. Im April 2018 schien es so als könne man sie noch retten, die Brücke auf der Märkischen Allee über die Wuhletalstraße im Marzahner Norden. Sicherheitshalber und zur vorgesehenen Instandsetzung wurde aber der östliche Teil der Wuhletalbrücke mit den zwei stadtauswärts führenden Fahrspuren gesperrt.

Nun ergaben genauere Untersuchungen, dass die Überführung massive, irreparable Schäden aufweist. Die gefürchtete Alkali-Kieselsäure-Reaktion beeinträchtigt die Tragfähigkeit. Umgangssprachlich: Die Brücke hat Betonkrebs. An den Auflegern auch auf der Westseite der Brücke gibt es beträchtliche Risse. Bei einer Besichtigung der Unterseite zeigt sich, dass zwischen den Betonträgern eine ätzende Flüssigkeit auf den Gehsteig der Wuhletalstraße tropft. Dort hat sich der Beton schon gewölbt (siehe Fotos). Brückenpfeiler weisen große Rostflecke auf, die offenbar von korrodierten Armierungseisen im Beton stammen. Teilweise sind diese schon sichtbar.

Einsparungen im Senat rächen sich

Die zweiteilige Straßenbrücke mit einer Gesamtbreite von rund 20 Metern und einer Länge von gut 40 Metern entstand im Zuge des Baus der Märkischen Allee (damals Heinrich-Rau-Straße) Mitte der 1970er Jahre. Westlich ergänzt eine 15 Meter breite Bahnbrücke das Ensemble. Laut einer Erhebung des Senats (PDF) befuhren schon 2014 täglich 21.600 Fahrzeuge die Straßenbrücke. Der Schwerlastverkehrsanteil betrug 2015 laut einer Verkehrszählung (PDF) dort über zehn Prozent.

Eigentlich sollte die Brücke ab 2017 instandgesetzt werden (siehe Präsentation der Senatsverwaltung von 2016 PDF). Wie sich herausstellte, mangelte es aufgrund vorheriger Einsparungen im Senat jedoch am Fachpersonal zur Bearbeitung der Vorhaben. Nun ist eine Grundinstandsetzung nicht mehr möglich.

Totalsperrung droht

Auf eine schriftliche Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg (Linke) vom September 2018 zum Zustand der Wuhletalbrücke erklärte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Die Brücke befinde sich „in einem ungenügenden Zustand“ und dieser habe sich weiter verschlechtert. „Aufgrund der Bauwerkskonstruktion“ seien „keine Instandsetzungsmaßnahmen möglich, die eine Befahrbarkeit der gesperrten Teilbrücke wieder gewährleisten würden.“ Vorgesehene Instandsetzungsarbeiten wurden daher nicht weiter verfolgt. Stattdessen habe man „Planungen für einen Ersatzneubau initiiert“. Mit einem Baubeginn sei jedoch nicht vor 2021 zu rechnen. Im Investitionsplan sind für den Neubau 8.364.000 Euro vorgesehen.

Wie Kristian Ronneburg erklärt, „besteht die Gefahr, dass möglicherweise die gesamte Brücke gesperrt werden muss“. Er fordert für den Fall der Fälle vorsorglich ein Verkehrskonzept für den Marzahner Norden.

Brücke auf Blumberger Damm ebenfalls problematisch

Von den 1.085 Berliner Brücken (Stand Oktober 2017) stehen 833 in Verantwortung des Landes und 252 in der des Bundes. Rund 70 Prozent wurden vor 1985 errichtet. Fünf Prozent der Brücken weisen einen „nicht ausreichenden Zustand“ auf (siehe Mitteilung zur Kenntnisnahme Abgeordnetenhaus Berlin vom 27.10.2017 PDF). Beim Über- oder Unterqueren von 54 Brücken in Berlin könnte man also ein ungutes Gefühl haben.

Zumindest eine weitere davon befindet sich ebenfalls in Marzahn-Hellersdorf: Die Brücke auf dem Blumberger Damm, die auf Höhe Frankenholzer Weg/Altentreptower Straße über die Bahngleise führt. 2014 wurden hier täglich sogar 36.000 Fahrzeuge gezählt. Bauzeitraum und Bautyp kommen der Wuhletalbrücke nahe. Und auch die Mängel sind ähnlich (siehe Fotos). Nur wenige Fahrzeugführer halten sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h. Es könnte hier wie dort sinnvoll sein, statt verharmlosender Hinweisschilder auf „Straßenschäden“ besser Warntafeln mit dem Vermerk „Massive Brückenschäden“ aufzustellen.

Auch diese Brücke soll als langfristiges Vorhaben für 10 Millionen Euro neu gebaut werden. Vielleicht ist es besser, damit nicht allzu lange zu warten. Die 43 Toten vom Brückeneinsturz Mitte August in Genua zeigen, was passieren kann, wenn Brücken-Instandhaltung und –Neubau vernachlässigt bzw. verschleppt werden.

 

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