Jetzt wird der Weg ein kleines Stückchen weiter

Die verrückte Bushaltestelle

17.10.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Biesdorf-Nord. Die Degewo hat Wort gehalten: Die bisherige Bushaltestelle der Linien 191 und 291 Richtung Marzahn an der Cecilienstraße hat einen neuen Standort bekommen. Befand sie sich bis vor kurzem quasi noch direkt unter einem Balkon eines Hauses, das mit der Komplettierung der Ringelnatzsiedlung in ihrem südlichen Abschnitt entsteht, wurde das Wartehäuschen nun ein wenig verrückt. Allerdings nur etwa zwei bis drei Meter – die künftigen Mieter dürften somit immer noch den kürzesten Weg in der Stadt zum ÖPNV haben.

Viel Spott von Passanten

Die vorherige Platzierung hatte viel Spott unter Passanten und Siedlungsbewohner ausgelöst. Die Degewo versprach deshalb: Das Häuschen wird „geringfügig verlegt“, LiMa+ berichtete . Nun steht das Wartehäuschen quasi einige Zentimeter weg von der Hauskante. Etwas besser als vorher, aber nicht viel. Denn die Menschen, die dort eine Wohnung beziehen, werden nicht nur ordentlich Verkehrsgeräusche mitbekommen, sondern vermutlich auch Gespräche, die die Wartenden führen. Die Joachim-Ringelnatz-Siedlung Süd (299 Wohnungen) soll Ende des Jahres 2018/Anfang 2019 bezogen werden.

Mehr Masse als Klasse

Mit den sieben neuen Häusern an der Cecilien-/Hans-Fallada- und Joachim-Ringelnatz-Straße wird die 1995 bezogene Siedlung komplettiert. Bereits vor Jahren mussten für einen vorgesehenen neuen Abschnitt der Wohnanlage Kleingärten weichen. Weil es aber in Marzahn-Hellersdorf in den 2000er-Jahren viel Wohnungsleerstand gab, wurde dort dann doch nicht gebaut. Erst mit der fortschreitenden Wohnungsknappheit in der Hauptstadt drehten sich die Kräne ab Januar 2017 nun auch an dieser Stelle. War der ältere nördliche Siedlungsteil von der Degewo noch als großzügige Gartenstadt geplant und errichtet worden, gilt für den neuen südlichen Teil Eines: viel Masse auf wesentlich kleinerem Grundstück. Die Häuser sind deshalb nicht nur höher (bis zu acht Geschosse), sondern sie stehen auch sehr dicht beieinander. Jede Wohnung verfügt über Terrasse oder Balkon. Eigentlich sehr schön. Bloß dass manche Loggien etwa 30 Zentimeter über der unteren Hauskante anfangen. Eine bessere Einladung für Einbrecher kann es ja kaum geben: Kurz mal drüber schwingen und schon kann der Raubzug beginnen.

Plattenviertel anders geplant

Kein Architekt einer Plattenbausiedlung hätte es sich seinerzeit wohl in Marzahn oder Hellersdorf gewagt, so zu bauen. Ordentliche Freiflächen, Spielplätze und viel Grün gehörten immer zu den damals errichteten Quartieren. Und natürlich auch Haltestellen für Bus und Straßenbahn. Allerdings nicht zwei, drei Meter von den Wohnungen entfernt wie in engen, historisch gewachsenen innerstädtischen Gebieten, sondern mit ordentlichem Abstand und meist noch einem Grünstreifen dazwischen. Schließlich gehört Schutz vor Verkehrslärm auch zu einem gut geplanten Wohnungsneubau. Wenn wie beim Beispiel der Ringelnatzsiedlung Süd quasi jeder zur Verfügung stehende Quadratzentimeter Grundstücksfläche ausgenutzt wird, könnte sich das später rächen. Dann nämlich, wenn es wie schon einmal, wieder genug Wohnungen gibt und die Mieter sich aussuchen können, wo und wie sie wohnen wollen. Dem Nachbarn ins Wohnzimmer gucken können, Balkone mit Einbrecher-Einstieg und Bushaltestelle direkt vor der Nase sind spätestens dann bestimmt nicht mehr attraktiv.

 

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