Anlieger befürchten, dass sich die Ereignisse wiederholen könnten

Die Überflutungen der Pfarrstraße

08.07.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Knapp vier Wochen nach der Katastrophe scheint der Alltag in der Pfarrstraße, zwischen Hauff- und Kaskelstraße, zurückgekehrt. Doch der erste Eindruck täuscht. Diesen Straßenabschnitt hatte es in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch, 11./12. Juni, bei einem verheerenden Unwetter mit Starkregen, Hagel und Windböen besonders schwer erwischt (LiMa+ berichtete). Die Wassermassen konnten nicht ablaufen. Die Straße stand bis zu 1,20 Meter unter Wasser. Autos begannen zu schwimmen. Keller, ebenerdige Geschäfte und Büros liefen gnadenlos voll. Eilig mit Sand gefüllte Plastiksäcke boten nur wenig Schutz. Die Nässe hatte im Nu unzählige Wohnmöbel, Einrichtungsgegenstände und Waren unbrauchbar gemacht.

Bezirklicher Katastrophenschutz hat funktioniert

Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) war am 14. Juni mit dem bezirklichen Katastrophenschutzbeauftragten Robert Zückmantel vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Viele Menschen waren verzweifelt“, sagt er heute. „Sie fühlten sich von ihren Vermietern im Stich gelassen.“ Auch von den Berliner Wasserbetrieben habe es keinen Ansprechpartner vor Ort gegeben. „Wir gründeten sofort eine Arbeitsgruppe aus Fachleuten, die sich um die Betroffenen kümmerten“, erklärt Michael Grunst. Robert Zückmantel übernahm unter anderem die Koordination der Ämter. „Er hat hervorragend gearbeitet“, lobt der Bürgermeister.

Kita Sonnenbogen braucht Asyl für sechs Monate

Viele Bewohnerinnen und Bewohner hat es hart getroffen. Bei zwei Familien war der Schaden so groß, dass ihr Zuhause unbewohnbar geworden ist. Mit Unterstützung des Bezirksamtes haben sie vorübergehend andere Wohnungen bezogen. Auch in der Kindertagesstätte Sonnenbogen, Pfarrstraße 101, war die Zerstörung so groß, dass Kinder und Erzieherinnen nicht zurückkehren konnten. Ein Teil von ihnen wurde vorerst in einer leer stehenden Wohnung untergebracht. Andere sind zeitweise in einem Raum der Kita „Buntstift“ der SozDia-Stiftung, Pfarrstraße 91, untergekommen. „Jetzt haben die Kitas erst einmal Ferien-Schließzeit“, sagt Robert Zückmantel. „Aber bis Anfang August müssen wir eine dauerhaftere Lösung finden.“ Denn es brauche mindestens fünf bis sechs Monate bis die Kita Sonnenbogen wieder hergerichtet sei.

BSR kam mit Verspätung

Tage nach der Katastrophe war der ganze Schaden erst vollends sichtbar geworden. Es half alles nichts – die durchfeuchteten und zerstörten Sachen mussten raus aus den Häusern auf die Straße. Nach einer Woche türmten sich entlang der Straße bis zu drei Meter hohe Berge unbrauchbar gewordenen Hausrats. Es dauerte elf Tage ehe die Berliner Stadtreinigung (BSR) am 22. Juni damit begann, die Müllberge abzufahren. Die Kosten dafür wird der Bezirk tragen.

„Pedalpower“ will bald wieder öffnen

Das Fahrradgeschäft „Pedalpower“, an der Pfarrstraße, Ecke Kaskelstraße ist knapp vier Wochen nach dem Unwetter weiterhin geschlossen. Dort war nicht nur das Lager im Keller überflutet und der Verkaufsraum vollgelaufen, die Wassermassen unterspülten auch den Gehweg neben dem Haus. Der brach schließlich so tief ein, dass die Rohrstränge freigelegt wurden. Inzwischen ist der Bürgersteig repariert. Der Schaden an den Waren und dem Werkzeug bleibt. Als Interimslösung nutzen die Pedalpower-Leute Lagerräume der Berliner Wasserbetriebe in der Fischerstraße. „Wir wollen bald wieder öffnen. – Zunächst einmal“, schränkt einer der Mitarbeiter ein. Denn die Miete für den Laden sei sehr hoch. Noch so einen Schaden überstehe man nicht. Selbst vier Wochen nach dem Ereignis wird überall geräumt und geputzt. In vielen Räumen unterhalb des Straßenniveaus rauschen die Trockengebläse rund um die Uhr, um die Feuchtigkeit aus dem Boden und dem Mauerwerk heraus zu bekommen. Denn sonst droht Schimmelbefall.

Wiederholungsgefahr!

Vor einigen Ladenbüros und Souterrain-Fenstern liegen immer noch Sandsäcke. Anlieger befürchten, die Ereignisse könnten sich bei einem vergleichbaren Wettergeschehen wiederholen. Diese Ängste sind durchaus begründet. Im Juli 2006 stand die Pfarrstraße schon einmal komplett unter Wasser. Und auch danach gab es Hochwasser-Ereignisse, jedoch nicht so heftig, wie in diesem Juni. Wie es scheint, konnten die Ursachen für die Überschwemmungen nicht beseitigt werden.

Der Gesamtschaden der Unwetterkatastrophe ist noch nicht beziffert. Gutachter sind bislang dabei, nach Gründen zu suchen und womöglich Schuldige zu ermitteln.


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