Seit 15 Jahren ist das Gründerzeitmuseum wieder komplett

Schwedische Sammlung kam zurück

20.04.2019, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann (1-5), Birgitt Eltzel (6-7)

Mahlsdorf. Der Ostersonntag wird für das Gründerzeitmuseum immer ein besonderer Tag bleiben. Denn es war an diesem Feiertag vor 15 Jahren, dass die Sammlung von Charlotte von Mahlsdorf erstmals wieder komplett im alten Gutshaus am Hultschiner Damm 333 gezeigt werden konnte.

Aus Porla Brunn geholt

Mitglieder des Fördervereins Gutshaus Mahlsdorf hatten im April 2004 alle Exponate der sogenannten schwedischen Sammlung zurückgeholt. Bekanntlich hatte Charlotte von Mahlsdorf 1995 ihr Gründerzeitmuseum geschlossen und war zwei Jahre später mit einem großen Teil ihrer Sammlung nach Porla Brunn in Schweden ausgewandert. Einen anderen Teil der Exponate hatte sie der Stadt Berlin verkauft. Diese wurden ab 1997 im wiedereröffneten Mahlsdorfer Gutshaus gezeigt. In Schweden führte Charlotte von Mahlsdorf ein Jahrhundertwendemuseum. Nach ihrem Tod im Jahr 2002 war lange Zeit ungewiss, was aus der Sammlung dort werden soll. Doch dann kam die gute Nachricht – sie kann wieder nach Berlin zurückgeholt werden.

Anstrengende Tage

Anfang April war es dann soweit. Museumsleiterin Monika Schulz-Pusch, Detlef Pusch, Ralf Finger und Michael Schwalbe fuhren auf eigene Kosten mit ihren privaten Fahrzeugen für drei Tage nach Porla Brunn. Für die vier Vereinsmitglieder waren es anstrengende Tage. Möbel mussten auseinandergenommen und für den Transport vorbereitet werden. Hunderte einzelne Gegenstände wurden verpackt. Dazu gehörten Gläser, Kaffeekannen, Zuckerdosen, Milchkännchen, Essbestecke und Küchengeräte. Wichtig war vor allem, die seltenen mechanischen Musikmaschinen so zu sichern, dass sie den Transport unbeschädigt überstehen würden.

Zauberwort hieß Improvisieren

Dann gab es die große Überraschung. Statt der angekündigten Lkw mit Hubbühne kamen zwei Lkw und Anhänger ohne eine solche. Wie sollten die schweren Möbel auf die Lkw kommen? Improvisieren hieß das Zauberwort. In Schweden bekamen die Vereinsmitglieder Hilfe mit einem Gabelstapler. Und in Mahlsdorf, wo die Laster mit ihren Anhängern am 7. April einrollten, hatte man sich etwas anderes einfallen lassen: Aus Transportpaletten wurde eine Bühne gebaut. Diese war so hoch wie die Ladefläche der Lkw. Danach wurden die Möbel mit Rollern ins Museum gefahren. Und es begann die Planung. Was kommt wohin? Mit einer großen Kraftanstrengung schaffte es der Verein, zum Ostersonntag fertig zu sein – und statt der halben Sammlung nun die wieder die ganze zu präsentieren.

Inzwischen 17 komplett eingerichtete Zimmer

In den vergangenen 15 Jahren hat sich viel verändert. Das Museum wurde komplett saniert. Inzwischen sind dort 17 komplett eingerichtete Zimmer mit Gründerzeitmobiliar und Alltagsgegenständen zu sehen. So können sich die Museumsbesucher über das Leben der Menschen in den Jahren um 1900 informieren. Es werden Möbel gezeigt, wie sie beim Bürgertum in den guten Stuben gestanden haben. Aber auch an das Leben der ärmeren Menschen wird erinnert – unter anderem mit einer Arbeiterwohnküche und einer Hurenstube. Die Attraktion sind nach wie vor die mechanischen Musikautomaten, die bei jeder Führung in Betrieb gesetzt werden.

Auch am Ostersonntag geöffnet

Charlotte von Mahlsdorf hatte ihr Gründerzeitmuseum am 1. August 1960 eröffnet und bis 1995 als privates Museum geführt. Sie war im April 1997 nach Schweden ausgewandert. Seit Juni 1997 betreibt der Förderverein Gutshaus Mahlsdorf das Gründerzeitmuseum. Die Museumsgründerin, die als Deutschlands bekanntester Transvestit gilt, war am 30. April 2002 im Alter von 74 Jahren bei einem Besuch in ihrer Heimatstadt Berlin gestorben.

Das Gründerzeitmuseum hat auch am Ostersonntag geöffnet. Eintritt 4,50 Euro (Kinder bis 12 Jahre 2 Euro).

Gründerzeitmuseum Hultschiner Damm 333, Öffnungszeiten Sonntag und Mittwoch von 10 bis 18 Uhr, Gruppen können sich auch zu anderen Zeiten anmelden, Telefon 567 83 29.Weitere Infos hier…

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