Indoor-Surferparadies öffnet im Frühjahr an der Landsberger Allee

Die perfekte Welle in der Großstadt

13.02.2019, Angelika Giorgis

Fotos: Wellenwerk Berlin. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Als sieben Freunde im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, die auf Bali den Wellen hinterher gejagt waren, in Tegel mit ihrem Flieger wieder durch die dichte Wolkendecke stießen, überkam sie etwas Wehmut. Berlin ist ja kein Surferparadies. Doch das lässt sich ändern, fanden die jungen Leute wenig später und beschlossen, eine Location zu errichten, wo man völlig unabhängig von Tide und Wetter diesem Sport nachgehen kann. Und die soll in Lichtenberg entstehen.

Für Insider und Anfänger

In München und Zürich gibt es schon solche „stehenden Wellen“. Am Eisbachufer im Englischen Garten trifft sich beispielsweise die Münchner Surferszene. Allesamt Profis, denn das Surfen ist dort weder leicht noch ungefährlich. Die Berliner Gründer wollen diesen Sport aber nicht nur Insidern ermöglichen, sondern auch Anfänger dafür begeistern. Sie wandten sich mit ihrer Idee an Münchner Ingenieure, die seit mehreren Jahren über ein marktreifes Produkt verfügen. Schließlich kauften sie dieses City-Wave-Wellensystem, das sich für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis eignet. Auf dem Gelände des denkmalgeschützten Zwischenpumpwerks Lichtenberg fand man den geeigneten Standort. Das von 1889 bis 1910 an der Landsberger Allee erbaute Gebäudeensemble im märkisch-spätgotischen Historismus-Stil verfügt über weitläufige Rasenflächen und einen alten Baumbestand – geradezu ideal für Freizeitangebote. Und nur sieben Minuten mit dem Auto vom Alexanderplatz entfernt.

Windkanal und Wellenreiten in Nachbarschaft

Gleich neben dem Wellenwerk hat bereits Windobona Indoor Skydiving Berlin den modernsten Windkanal der Welt eröffnet. Man kann also quasi an einem Ort in die Lüfte gehen oder ins Wasser tauchen. Allerdings gibt es nur eine einzige, neun Meter breite Welle, die in einem 10 mal 18 Meter großen Becken per Gegenstromanlage erzeugt wird. Die Anlage wird mit Ökostrom betrieben, der das Wasser über eine verstellbare Rampe schießt, wodurch eine 1,6 Meter hohe Welle entstehen kann. „Die Welle steht immer am gleichen Ort – perfekte Bedingungen für einen Surfer“, erklärt Julius Niehus, einer der Gründer. Man muss darum weder anpaddeln noch einen Take-off können, um die Welle zu surfen, sondern steigt vom Rand aus hinein, surft also von rechts nach links oder umgekehrt.

Verletzungsrisiko fast ausgeschlossen

„Eine optionale Haltestange ermöglicht Besuchern ohne Vorkenntnisse Erfolgserlebnisse ab dem ersten Versuch“, erklärt Niehus. „Das schließt im Vergleich zum Surfen in der freien Natur das Risiko von Frustration und Verletzungen fast aus.“ Man darf auch mit den eigenen Surfbrettern und mit Bodyboards ins Wasser. Interessenten fast jeden Alters und mit unterschiedlichen Kenntnissen, selbst Personen mit körperlichen Einschränkungen, können die Anlage nutzen. Eins steht jedoch fest: Diejenigen, die noch nie surften, fallen alle am Anfang ins Wasser. Profis schaffen während einer Stunde etwa zehn Durchgänge.

Die Gründer meinen, Surfen sei ein tolles Gemeinschaftserlebnis. Darum sind sie offen für Schulen und nahmen bereits Kontakt zu sozialen Trägern auf. Auch an nationale und internationale Meisterschaften haben sie gedacht, schließlich wird Surfen 2020 in Tokio erstmals olympische Disziplin.

Elsässer Restaurant und Spielplatz

Im künftigen Wellenwerk kann man aber nicht nur surfen. Der Unternehmer Robert Havemann, einer der Geschäftsführer, will hier einen sommerlichen Biergarten mit Spielplatz entstehen lassen, in dem man an lauen Frühlings- und Sommerabenden vom Alltag entspannt. Das RosaLisbert, das durch die Berliner Meisterkochjury als „Szenenrestaurant 2016“ ausgezeichnet wurde, hatte bisher in der Arminiusmarkthalle sein Domizil. Es fand 2018 und 2019 im Gault Millau Erwähnung. Nun wird es seine Flammkuchen und andere elsässische Speisen am Wellenwerk anbieten. Havemann ist auch Mitinhaber der Velvet Bar Berlin, die aus Neukölln hierher zieht. Sie wurde im vergangenen Herbst mit dem „Mixology Bar Award“ als die „Bar des Jahres 2019“ ausgezeichnet. Neu wird eine Cocktailbar mit gesunden Snacks und Bar Food sein. „Wenn wir im Hochsommer unter Volllast  arbeiten, sind bei uns mehr als 50 Leute beschäftigt“, erzählt der Gastronom.

Unterstützung vom Land und von der IBB

Die Gründer haben für die nächsten Jahre noch einige Ideen. Dafür müssen sie viel Manpower und Geld investieren. Im Wellenwerk steckt ihr Eigenkapital. „Wir sind froh, dass wir es geschafft haben, die Finanzierung ohne Investoren zu stemmen. Wir wurden jedoch tatkräftig vom Land Berlin und der IBB unterstützt“, erklärt Niehus. Die Bewohner der umliegenden Bezirke und die Berliner Gäste dürfen gespannt sein, wie sich diese Location in den kommenden Jahren entwickelt.

Indoor-Surferparadies Wellenwerk Berlin, Eröffnung geplant im Frühjahr 2019, Landsberger Allee 270, 10367 Berlin,  Tel. 030 20 45 62 26.
Weitere Informationen: https://wellenwerk-berlin.de

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