Analyse des Wohnungsmarktberichts 2018:

Die Mieten steigen weiter

09.03.2019, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg/ Marzahn. Die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung wird in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg immer schwieriger. Innerhalb von zwei Jahren sind die Mieten in beiden Bezirken um bis zu 13,3 Prozent gestiegen. Das geht aus dem Wohnungsmarktbericht hervor, den jetzt die Investitionsbank Berlin (IBB) vorgelegt hat.

Jedes Jahr ziehen allein nach Marzahn-Hellersdorf zwischen 2.000 bis 3.000 Menschen. Ein Grund dafür sind die vergleichsweise preiswerten Mieten: Zwischen 6 und 8 Euro pro Quadratmeter betragen im Schnitt die Nettokaltmieten in dem Außenbezirk. Wegen des wachsenden Zuzuges steigt jedoch die Nachfrage nach Wohnraum – und damit auch der Quadratmeterpreis. Während sich die Nettokaltmiete auf ganz Berlin gesehen zwischen 2016 und 2018 um durchschnittlich 12,8 Prozent verteuerte, stiegen sie in Marzahn-Hellersdorf um 13,3 Prozent. Hinzu kommt ein deutlicher Unterschied zwischen der Großsiedlung im Norden des Bezirks und den Siedlungsgebieten im Süden – darunter Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf. Liegt die Nettokaltmiete einer „Plattenbau“-Wohnung bei rund 6 Euro pro Quadratmeter, verlangen Vermieter in den von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägten Gegenden schon mal bis zu 12 Euro – zuzüglich Betriebskosten. Nur die zahlreichen Genossenschaften halten ihre Mieten mit rund 7 Euro pro Quadratmeter einigermaßen stabil.

Teures Wohnen an der Rummelsburger Bucht

Um einiges teurer sind inzwischen auch die Wohnungen in Lichtenberg. Das liegt vor allem an der Lage des Bezirks, der sich von der Innenstadt bis zum Stadtrand erstreckt. Im Wohnungsmarktbericht der IBB für 2018 ist von einer Durchschnittsmiete von 9,35 Euro pro Quadratmeter nettokalt die Rede – im Vergleich zum Jahr 2016 eine satte Steigerung um gut 11 Prozent. „Besonders hohe Angebotsmieten wiesen die Siedlungen an der Rummelsburger Bucht und die Victoriastadt auf“, steht dazu im Bericht. Deutlich günstiger fällt der Mietzins – ähnlich wie in Marzahn-Hellersdorf – in den Großsiedlungen aus, die in den 1980er-Jahren errichtet wurden.

Mit dem Bau neuer Wohnungen könnte sich der Markt etwas entspannen – doch das Gegenteil ist der Fall. Die beiden Ostbezirke stehen beim Wohnungsbau an der Spitze in Berlin: Wurden 2016 noch 1.176 Wohnungen in Lichtenberg errichtet, lag ihre Zahl 2017 bereits bei 2.213. In Marzahn-Hellersdorf hat sich die Zahl der neu gebauten Wohnungen sogar von 458 auf 1.491 verdreifacht. In Bezirken wie Pankow, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg, Treptow-Köpenick und Reinickendorf ist die Zahl der neu gebauten Wohnungen hingegen nach dem IBB-Wohnungsmarktbericht rückläufig. Wohl deshalb schauen Mietinteressenten immer häufiger Richtung Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Daher gehen die Experten der Investitionsbank Berlin davon aus, dass die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2030 um weitere 9 Prozent zunimmt. Innerhalb von zehn Jahren zogen insgesamt gut 300.000 Menschen mehr nach Berlin.

Mieten im Berlin-Vergleich noch „günstig“

Schaut man sich die aktuellen Angebotsmieten an, ist das Wohnen in den beiden Ostbezirken allerdings noch, vorsichtig ausgedrückt, „günstig“: Spitzenreiter ist derzeit Friedrichshain mit einer Durchschnittsmiete von 12,94 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Mitte mit 12,51 Euro pro Quadratmeter und Charlottenburg-Wilmersdorf mit 12 Euro pro Quadratmeter. Der berlinweite Schnitt lag 2018 bei 10,32 Euro pro Quadratmeter – Tendenz steigend.

„Seit zehn Jahren verzeichnet unsere Stadt einen stetigen Bevölkerungszuwachs, im Schnitt kamen jährlich rund 40.000 Neu-Berlinerinnen und -Berliner hinzu“, sagt Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke). Die Auswirkungen dieses Wachstums seien insbesondere für Wohnungsuchende deutlich spürbar. „Die Preise steigen, während das Angebot – insbesondere von leistbarem Wohnraum – nicht Schritt hält.“ Jürgen Allerkamp, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank, sieht Berlin inzwischen sogar auf einer Höhe mit Hamburg und Köln, was die Mietpreise betrifft.

Keine Mieterhöhungen für Sozialwohnungen

Unterdessen sollen die für den 1. April geplanten Mieterhöhungen für Bewohner von Sozialwohnungen ausgesetzt werden. Darauf verständigten sich die Mitlieder des Hauptausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus und machten den Weg für das „Mietenkonzept 2019“ frei. Ursprünglich war vorgesehen, den Mietzins um 0,13 Euro pro Quadratmeter zu erhöhen. „Mit dem Mietenkonzept 2019 setzt das Land Berlin seine Politik zur Sicherung bezahlbarer Mieten in der Stadt konsequent fort“, sagt Bausenatorin Lompscher. Dadurch sichere man die Bezahlbarkeit von Mieten vor allem für jene, die sich Mieterhöhungen nur noch schwer leisten könnten. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass nur ein Bruchteil von dieser Regelung profitiert: Aktuell beträgt die Quote der Sozialwohnungen in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg zwischen 17 und 19 Prozent.

Der Berliner Mieterverein sieht in den im Wohnungsmarktbericht veröffentlichten Zahlen einen „deutlichen Beleg für die Wachstumsschmerzen Berlins“. So zeige der Bericht, dass „die Lücke zwischen Bevölkerungsanstieg und Wohnungsbestand kaum kleiner wird“. Gleichzeitig weist Mietervereins-Geschäftsführer Reiner Wild darauf hin, dass der Stadt jedes Jahr wegen der Umwandlung von Miet- und Eigentumswohnungen rund 50.000 Wohnungen verloren gehen.

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