Kunstsammler Axel Haubrok sucht nach anderen Ausstellungsorten

Die letzte Chance!

06.07.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel (1), Emmanuele Contini (2), Marcel Gäding (3). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Die vielleicht letzte Kunstausstellung in der „Fahrbereitschaft“ Herzbergstraße endet am Sonnabend, 7. Juli. Wer die Exposition namens „Paperwork“ noch sehen möchte, muss sich also sputen und per E-Mail unter visit@haubrok.org für eine kostenlose Führung um 15 Uhr anmelden. Es ist die letzte Chance. Seit April waren die Papierarbeiten der Künstler Karin Sander, Barbara Schmidt Heins, Gabriele Schmidt Heins, Michel Würthle, Hans Weigand und die Sammlung Flat Mountain Press zu besichtigen – zusammengestellt von Kunst-Mäzen Axel Haubrok und seiner Ehefrau Barbara.

Wird doch noch alles gut?

Das umständliche Prozedere und die vage schlechten Zukunftsperspektiven haben ihren Hintergrund: Das Lichtenberger Stadtentwicklungsamt hatte dem Grundstückseigner Haubrok im April – unter Androhung einer Strafe von bis zu 500.000 Euro – verboten, weitere Ausstellungen in der Herzbergstraße 40-43 durchzuführen. Begründung: Schutz des Gewerbegebietes. Im Bezirksamt gab es dazu Streit zwischen der Wirtschaftsstadträtin Birgit Monteiro (SPD) und dem Bürgermeister und Kulturstadtrat Michael Grunst (Linke)
(LiMa+ berichtete mehrfach: Ärger um Kunst im Industriegebiet / Verunsicherung in der Herzbergstraße / Konsens zur Herzbergstraße gefunden?)

Die Bezirksverordnetenversammlung hatte daraufhin im Mai das Bezirksamt aufgefordert, sich bis zur Juni-Sitzung zu den aktuellen und künftigen Nutzungen im Gewerbegebiet Herzbergstraße einheitlich zu positionieren. Für alle gegenwärtigen Eigentümer und Mieter von Grundstücken sollte Sicherheit in Bezug auf die Entwicklung ihrer Unternehmen geschaffen – und die Zielkonflikte aufgelöst werden.

Vertagt! Verdammt! Verärgert!

Das Positionspapier wurde als Zwischenbericht (PDF) erarbeitet und… – im Juni von der BVV als Thema vertagt. Nun ist Sommerpause. Die nächste BVV-Sitzung ist erst am Donnerstag, 30. August, geplant. Derweil gären die Probleme weiter.

Axel Haubrok ist verärgert. In einem Brief vom 29. Juni an den Bürgermeister (liegt der Redaktion im Wortlaut vor) beklagt der Kunstsammler, das Positionspapier des Bezirksamtes enthalte nur vage Absichtserklärungen, de facto bestehe das Ausstellungs-Verbot auch nach zwei Monaten weiter. Er habe mehrere geplante Ausstellungen absagen müssen und sei in Gesprächen auf der Suche nach anderen Ausstellungsorten. Haubrok kündigte seine Mitgliedschaft im Kulturbeirat Lichtenberg.

Axel Haubrok: „Ich will kein Bittsteller sein!“

In einem Live-Interview auf radioeins am Mittwoch, 4. Juli, erklärte der Unternehmensberater, außer warmen Worten und Durchhalteparolen habe sich nichts geändert. Die Strafandrohung sei für ihn aus heiterem Himmel gekommen. Seit fünf Jahren habe er in der ehemaligen Fahrbereitschaft Ausstellungen durchgeführt – immer mit mündlicher Duldung. Es reiche ihm auch nicht, darüber zu diskutieren, dass er als Bittsteller einen Ausstellungsantrag beim Bezirksamt einreichen soll, der dann vielleicht die Chance hätte, angenommen zu werden, wenn man guten Willens ist.

Auch vom geplanten Bau einer Kunsthalle nehme er nun Abstand. „Was soll ich mit einer Kunsthalle, wenn ich keine Ausstellungen machen darf“, sagte der Grundstückseigentümer. Das 18.000 Quadratmeter große Areal Fahrbereitschaft, auf dem sich unter anderem eine Rahmenproduktion, Tänzer, ein Tonstudio und viele Künstler mit Ateliers angesiedelt haben, wolle er allerdings weiter entwickeln. „…ich werde alles dafür tun, dass sich diejenigen, die sich seinerzeit auf mich verlassen haben, auch weiterhin darauf verlassen können“, sagte Axel Haubrok auf radioeins. Doch so ganz scheint er die Hoffnung auf eine Einigung noch nicht aufgegeben zu haben. “Sag niemals nie”, antwortete der Kunst-Mäzen auf die Frage der Moderatorin, ob denn das Kind nun schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen und alles endgültig sei.

Runder Tisch am 21. August

„Ich kann die Ungeduld von Herrn Haubrok absolut nachvollziehen“, sagte Michael Grunst gegenüber LiMa+. Er könne als Bürgermeister die Angelegenheit jedoch nicht mit einem Federstrich allein entscheiden. Es finde ein demokratischer Prozess statt, der alle Interessen berücksichtigen solle. Das brauche seine Zeit. „Ich habe für den 19. Juli die Staatssekretäre für Wirtschaft, für Kultur und Fachleute der Senatsverwaltung Stadtentwicklung eingeladen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Frau Monteiro und Mitarbeitende der Bereiche Kultur und Stadtplanung werden an diesem Gespräch teilnehmen. Im Anschluss wird das Bezirksamt zu einem Runden Tisch am 21. August einladen.“ – Einen Monat später als er dem Kunstliebhaber im Mai in Aussicht gestellt hatte. Damals habe Haubrok jedoch seine Bereitschaft erklärt, in dem Gremium mitzuarbeiten. “Das Bezirksamt ist an einer Lösung interessiert und ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen”, so der Bürgermeister. Er bezeichnete das Engagement von Herrn Haubrok als „einen Gewinn für Lichtenberg“. Der in Aussicht gestellte Weggang wäre hingegen ein Verlust.

Gesprächsbereitschaft und Hilfsangebot

Auch die Stadträtin und Stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Monteiro „würde es bedauern, wenn wir Axel Haubrok verlieren“, sie werde sich jedoch an Recht und Gesetz halten. „Es gibt einen Bezirksamtsbeschluss, dem will ich nachkommen“, sagte die Bezirksstadträtin. Axel Haubrok habe in der vergangenen Wahlperiode eine Lagerhalle beantragt, diese sei genehmigt worden. „Nicht genehmigungsfähig ist eine generelle Nutzung als Kunsthalle“, so Monteiro. Axel Haubrok könne jedoch Einzelveranstaltungen beantragen, so wie es die benachbarte Kunstfabrik HB55 auch mache, beispielsweise zu Anlässen wie der Langen Nacht der Bilder. „Ich bin jederzeit gesprächsbereit, auch um Spielräume auszuloten“, erklärte Birgit Monteiro. Ebenso sei sie bereit, den Kunstsammler bei der Suche nach einem genehmigungsfähigen Standort für eine Ausstellungshalle zu unterstützen.
(mit bel)

 

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